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Die neue Effizienz

Die Zahlen aus den Spielen gegen Wiener Neustadt, Grödig und Sturm sind beeindruckend. Aus 38 Torschüssen hat der Spitzenreiter 14 Treffer erzielt – exklusive des Eigentors, das die Grazer fabriziert haben. Das ergibt lediglich 2,7 Torschüsse pro Tor.

Mit dieser Zahl dringen die Mozartstädter in eine neue Sphäre vor. Obwohl sie in der gesamten Bundesliga-Saison überhaupt schon eine überaus beachtliche Quote aufweisen – 5,8 Torschüsse werden für einen Treffer benötigt.

Die Konkurrenz kann davon nur träumen. „Im Vergleich zur letzten Saison brauchen wir viel weniger Chancen, um Tore zu machen. Auch am Anfang der Saison haben wir noch zu viele Chancen gebraucht – etwa in den Spielen gegen Fenerbahce“, so Kampl.

Die neue Chancen-Qualität

„Schlussendlich hat das sicher mit dem Selbstvertrauen zu tun“, begründet Christian Schwegler die Kaltschnäuzigkeit mit der breiten Brust, die die Mannschaft aktuell besitzt.

Kampl hat eine andere Erklärung: „Meistens müssen wir die Bälle nur noch reinschieben. Das sind genau die Muster, die Abläufe, die wir trainieren. Genauso wollen wir spielen. Alle Tore fallen fast immer gleich, durch die selben Spielzüge.“

Tatsächlich werden die Angriffe zumeist bis zum Schluss mit großer Konsequenz gespielt. Keine überhasteten Abschlüsse, keine Alibi-Schüsse aus der zweiten Reihe.

Lediglich 35,2 Prozent der Salzburger Torschüsse wurden von außerhalb des Strafraums abgegeben. Das verdeutlicht, dass die Torschüsse der „Bullen“ in dieser Saison eine andere Qualität haben. Im Durchschnitt werden nämlich pro Spiel lediglich 0,7 Schüsse mehr abgegeben als in der Vorsaison, da waren aber noch über fünf Prozent mehr Weitschüsse dabei. Und entsprechend schlechter folgerichtig auch die gesamte Trefferquote – sieben Torschüsse pro Tor.

Es wird ein Kampf der Fußball-Kulturen.

Wenn RB Salzburg in der Europa League auf Ajax Amsterdam trifft (Hinspiel, Do., 21:05 Uhr), stehen sich zwei völlig unterschiedliche Spielphilosophien gegenüber.

Da die Salzburger mit ihrem aggressiven Pressing und der steten Suche nach dem direkten, schnellen Weg zum Tor, dort Ajax mit seinem auf Ballbesitz bedachten Spiel, das gerne auch mal einen Schnörkel mehr beinhaltet.

„Ihre Spielidee unterscheidet sich deutlich von unserer“, sagt RBS-Coach Roger Schmidt. Kevin Kampl meint: „Ich bin gespannt, wie sie reagieren, wenn wir draufgehen und pressen. Das wird hochinteressant. Und für die Zuschauer ein schönes Spiel.“

Die neue Kaltschnäuzigkeit

Der große Trumpf, den die „Bullen“ in der Hand haben: Ihr Spiel hat in den ersten drei Partien des neuen Jahres vor dem gegnerischen Tor ein neues Level erreicht. Die Salzburger agieren so effizient wie noch nie.

Schmidts System greift immer besser, man hat das Gefühl, Monat für Monat eine Entwicklung zu erkennen, deren Ende schwer absehbar ist.

„Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren eine gewisse Zeit gebraucht, um diese Spielidee konsequent umzusetzen. Wir wollen sehr frühe Ballgewinne, das funktioniert aber nur, wenn man das geschlossen betreibt und es von der Mentalität her auf den Platz bringt“, so der Trainer.

Das klappt aktuell ausgezeichnet. Schwegler erläutert: „Wir decken noch besser durch, stehen noch ein bisschen höher, greifen noch weiter vorne an. So kommen wir schnell vors Tor und sofort zu klaren Chancen.“

Nachsatz: „Und vorne haben wir so viel Qualität. Wenn wir die abrufen, kann es eigentlich gar nicht anders ausgehen.“ Jonatan Soriano und Alan rufen sie aktuell besser denn je ab. Im Frühjahr hat das Duo in 15 Torschüsse abgegeben und damit zehn erzielt – 1,5 Schüsse pro Tor. Wobei Soriano, der gegen den SK Sturm passen musste, bei seinen fünf Versuchen überhaupt jedes Mal traf.

Auch im Vergleich zur Vorsaison ist eine deutliche Verbesserung feststellbar - in erster Linie bei Kampl, der sich ungleich torgefährlicher zeigt, aber auch ziemlich deutlich bei Soriano.

Dass sich an dieser Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor so bald etwas ändert, glaubt Kampl nicht: „Die Gegner versuchen zwar, sich darauf einzustellen, aber gegen diese Spielweise ist das extrem schwierig. Im Spiel passieren immer neue Situationen, da tun sich immer kleine Lücken auf und wir finden sie auch sehr oft.“

Gegen das gerne dominante Ajax kann diese Stärke zu einer echten Waffe werden. „Es ist uns auch schon gegen Wiener Neustadt und Grödig entgegen gekommen, dass wir aus unseren Chancen gleich getroffen haben, als wir zu Beginn nicht so dominant waren“, sagt Andreas Ulmer.

Kampl ergänzt: „Auch wenn Ajax ein anderes Kaliber ist, bin ich mir sicher, dass wir auch hier unsere Möglichkeiten bekommen und sie verwerten – hoffentlich.“

Wer die „Bullen“ 2014 gesehen hat, wäre davon jedenfalls nicht überrascht.
 

Harald Prantl

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