"Ein wichtiges Auswärtsspiel, eine wichtige Situation"

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Die letzten Tage liefen für Benno Schmitz de facto perfekt.

Und das, obwohl der Münchner dieses Jahr zum ersten Mal seit langem auf das Oktoberfest verzichten muss. Denn der 19-Jährige zog diesen Sommer vom FC Bayern zum FC Red Bull Salzburg um.

Dennoch waren diese Tage für ihn schön, weil Schmitz zuletzt vom Verletzungspech profitierte und viel Kampfmannschafts-Luft schnuppern durfte.

Beim Salzburger Rekord-Sieg im ÖFB-Cup feierte der Deutsche sein Startelf-Debüt und konnte beim 12:1 auch einen Assist verbuchen.

„Es ist mir sicher leichter gefallen, weil der Gegner etwas schwächer war als jene in der Liga. Grundsätzlich muss man einfach immer an seine Chance glauben und sie dann nutzen“, schildert Schmitz im Gespräch mit LAOLA1.

Schmitz hatte Spaß

Am Sonntag darauf bestand der Bayer zudem den ersten großen Test beim 2:1-Sieg gegen Rapid. Louis Schaub war an diesem Tag abgemeldet beim fast gleich alten Verteidiger. „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht“, fand der Neuzugang auch die große Bühne im Happel-Stadion positiv.

Dabei ist Schmitz auf der rechten Seite zu Hause und sprang ob der verletzten „drei MuskeLtiere“ (Ulmer, Schwegler, Ankersen) in drei der letzten vier Salzburger Spielhälften auf der linken Seite ein.

Von Trainer Adi Hütter gab es für ihn und Rechtsverteidiger-Aushilfe Valentino Lazaro Extra-Lob. „Ich möchte diese Spieler herausheben, da sie ihre Sache sehr gut gemacht haben, obwohl sie nur einmal zuvor dort spielten“, so der 44-Jährige, der Schmitz zuvor in der Liga nur einmal eingewechselt hatte.

Beim Europa-League-Spiel auswärts gegen Astra Giurgiu ist das zuletzt verletzte Trio wieder dabei, was die Chancen auf das Startelf-Triple für den langjährigen Bayern-Nachwuchsspieler gen Null gehen lässt.

"Alle drei sind einsatzbereit. Man kann davon ausgehen, dass sie spielen werden", ließ Hütter vor allem hinsichtlich Ulmer und Schwegler wissen. Damit wird die Stammelf der vergangenen Saison (Marcel Sabitzer für Sadio Mane) im rumänischen Gastspiel auflaufen.

Andre Ramalho wird mit seinem Fingerbruch auch noch einmal die Zähne zusammenbeißen, ehe am Sonntag in der Liga-Partie gegen Wiener Neustadt seine verdiente (und notwendige) Pause wegen Gelbsperre kommt.

„MuskeLtiere“ sorgen für mehr Auswahl

Hütter freut sich indes, dass sein Spieler-Blankett im Gegensatz zum Rapid-Spiel (nur 16 statt 18) wieder voll sein wird: "Das gibt mir wieder Alternativen."

Schmitz ist nicht entgangen, dass die Positions-Rivalen stark sind: „Das ist die Herausforderung und deswegen habe ich den Schritt auch gemacht. Mein Ziel ist es natürlich, fester Bestandteil zu werden. Dass das nicht von heute auf morgen geht, ist mir ob der großen Konkurrenz auch klar.“

Nach den beiden Siegen auswärts gegen den Sportklub und vor allem bei Rapid, will Salzburg in Rumänien den Schwung mitnehmen (Alan: „Der Spaß ist wieder da“) und den dritten Auswärtssieg in Folge feiern. Es wäre, nach dem 1:2 in Baku gegen Qarabag und dem 0:3 von Malmö, der erste in dieser Europacup-Saison.

„Das Wichtigste war, dass wir als Mannschaft wieder das Gefühl bekommen haben, gewinnen zu können. Die Leistung gegen Rapid war eine sehr gute, die Mannschaft war sehr diszipliniert, auf das kann man aufbauen und diese Leistung gilt es zu wiederholen“, schickt Trainer Adi Hütter voraus.

„Nehmen Favoritenrolle gerne an“

Bis auf das EL-Achtelfinal-Hinspiel in Basel (0:0) konnte Salzburg vergangene Saison alle Auswärtsspiele in der Europa League für sich entscheiden. Bei Astra Giurgiu, das in der Gruppe D zum Auftakt bei Dinamo Zagreb 1:5 verlor, sind die „Bullen“ Favorit. Im Kampf um den Aufstieg in die K.o.-Phase sind nach dem 2:2 gegen Celtic drei Punkte gegen diesen Gegner de facto Pflicht.

"Wir sind in besserer Verfassung als gegen Celtic und es ist für uns ein wichtiges Auswärtsspiel, eine wichtige Situation", so Hütter.

„Die Favoritenrolle nehmen wir gerne an. Jedoch müssen wir konzentriert sein und taktisch klug agieren. Einfach wird es nicht, sie sind vor allem in der Offensive und bei den Standards sehr gefährlich“, sagt indes Ulmer über die rumänische Mannschaft ohne hierzulande bekannte Stars.

„Wir treffen sicher auf das unbekannteste Team dieser Gruppe. Aber es ist eine sehr gute Mannschaft, die auch 0:0 bei Steaua Bukarest gespielt hat. Es ist ein gutes Kollektiv, sie versuchen schnell umzuschalten, spielen geradlinig nach vorne und haben in der Offensive sehr gute Spieler", ergänzt Hütter.


Astra Giurgiu - Red Bull Salzburg 
Stadionul Marin Anastasovici, 21.05 Uhr MESZ, SR Kovarik/CZE)

Ersatz Astra: Coman - Rus, A. Toure, Joaozinho, Yahaya, Cristescu, Florescu, Chitu
Ersatz RBS: Walke - Schmitz, Keita, Bruno, Quaschner, Ankersen, Lazaro
Parallelspiel: Celtic Glasgow - Dinamo Zagreb (21.05 Uhr MESZ)

 

Hütter deutet dazu an, dass es wohl beim Salzburger Spiel wie gegen Rapid bleiben, also wieder etwas zurückhaltender wird. "Das ist momentan besser für uns, damit treten wir organisierter auf", schildert Hütter, der vor 19 Jahren mit Austria Salzburg an Steaua Bukarest in der CL-Quali scheiterte und binnen drei Minuten nach einer Schwalbe Gelb-Rot sah ("Keine schöne Erinnerung").

Kein Abschlusstraining? Kein Problem!

Aufgrund der schlechten Hotel-Infrastruktur verzichtet Salzburg indes auf ein Abschlusstraining im 8.000 Zuschauer fassenden Anastasovici-Stadion. Ex-Trainer Roger Schmidt ließ dieses übrigens vor seinem ersten CL-Spiel in Monaco vor zwei Wochen auch aus. Vor dem 0:1 Leverkusens bei den Monegassen waren alle Hotels im Fürstentum allerdings voll.

„Das Abschlusstraining haben wir schon gemacht, wir sind sehr gut vorbereitet. Das macht uns nicht aus, dass wir nicht vorher in ihrem Stadion trainieren und erst am Donnerstag hinfahren“, so Ulmer, der mit seinen Teamkollegen in der 65 Kilometer entfernten Hauptstadt Bukarest weilt.

Am Matchtag gibt es in der sechstgrößten EU-Stadt (1,9 Mio. Einwohner) noch am Vormittag eine leichte Einheit im Rapid-Stadion.

„Wir hätten die Möglichkeit gehabt, haben uns aber dagegen entschieden und nehmen die Reisestrapazen dorthin nicht in Kauf. Das zahlt sich nicht aus. Wir haben unser Programm absolviert“, macht sich auch Hütter über den unüblichen trainingsfreien Abend davor keine Sorgen.


Aus Bukarest berichtet Bernhard Kastler

Und Schmitz wusste auch, dass der Schritt zurück ins zweite Glied folgen würde. Der zurückhaltende Blondschopf wechselte mit sechs Jahren innerhalb Münchens – und zwar zum großen FC Bayern. Er tankte sich bis zu den Amateuren durch.

Training unter Heynckes und Guardiola

„Ich durfte auch unter Heynckes und dann Guardiola mittrainieren. Sowohl bei den Bayern, als auch hier in Salzburg herrscht ein hohes Tempo. Beide Teams haben auch die jeweiligen Ligen dominiert. Es macht einfach Spaß, wenn man sich bei solchen Teams weiterentwickeln kann.“

Unter Guardiola saß Schmitz einmal auf der Bundesliga-Bank, für einen Einsatz reichte es nicht. Mit Österreichs Aushängeschild David Alaba kam er indes gut klar.

„Er kümmert sich sehr um die jungen Spieler, aber das machen überhaupt alle Profis. Die waren selbst auch in der Situation und wissen, wie es einem da geht. Da können sie viel weitergeben.“

Der ÖFB-Team-Hero gehört zu den Idolen Schmitz'. „Alaba hat eine super Entwicklung gemacht, da schaut man schon genau hin, jetzt wo er auch im Mittelfeld spielt. Philipp Lahm ist auch als Rechtsverteidiger gestartet. Solche Spieler nimmt man sich natürlich als Vorbilder.“

Warum Salzburg und nicht weiter Bayern?

Denen könnte er nach wie vor an der Säbener Straße genau zusehen. Also, Herr Schmitz, warum verlässt man überhaupt den großen FC Bayern?

„Das ist ganz einfach: Weil bei den Bayern noch einmal eine ganz andere Konkurrenz vorherrscht. Da sind viele deutsche Nationalspieler und hier hatte ich einfach ein gutes Gefühl, weil es mir auch vermittelt wurde. Die Chance, hier Profi-Fußball zu spielen, ist größer“, ist sich Schmitz sicher. Im Frühjahr wurde das Interesse von Sportdirektor Ralf Rangnick an seiner Person konkret.

Mit 19 Jahren und dem Entwicklungspotenzial passt der achtfache Nachwuchs-Nationalspieler natürlich ins Red-Bull-Beuteschema der Ära Rangnick. Wie immer spielt die Perspektive Leipzig eine Rolle.

Dennoch ist es gut möglich, dass Schmitz im Laufe der Saison zunächst wieder wie in den ersten sechs Partien der Saison beim FC Liefering aufläuft. Die Gegenwart heißt auch EL, aber eben Europa League und nicht Erste Liga.

Mit 18 Mann landete Salzburg in Bukarest. Der zuletzt gesperrte Martin Hinteregger war wieder an Bord, besagtes Außenverteidiger-Trio kehrte zurück, die jungen Spieler Konrad Laimer und Duje Caleta-Car blieben in Salzburg.

Erster EC-Auswärtssieg der Saison?

Das Lazarett lichtete sich erheblich, nur die üblichen Verletzten plus Franz Schiemer blieben zu Hause. Schiemer ist zwar wieder im Mannschaftstraining, aber nach wochenlanger Pause wird er erst wieder herangeführt.

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