Widerlegte Rapid-Thesen

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Rapid-Thesen, die im Saisonverlauf widerlegt wurden

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In der Europa League soll alles besser werden.

Viktoria Pilsen heißt die Hürde, die es zu nehmen gilt. Doch die schmerzliche Niederlage gegen den WAC war nicht nur ein ernüchternder Rückschlag, sondern gab dem SK Rapid auch zahlreiche Rätsel auf.

Einige Problemfelder wurden in den Wochen der Erfolgsserien jedoch gut kaschiert und kommen nun immer mehr zum Vorschein. Diese gilt es nicht nur im anstehenden, richtungsweisenden EL-Duell, sondern auch in der Liga und im Cup in den Griff zu bekommen.

Einige Aussagen und zum Saisonbeginn aufgestellte Thesen wurden im bisherigen Saisonverlauf eindeutig widerlegt.

LAOLA1 begab sich auf Spurensuche:

 

RAPID KANN AUSFÄLLE IM DEFENSIVEN MITTELFELD WEGSTECKEN

„Fehlende Balance“, die Trainer Zoran Barisic seinem Team aufgrund des erneuten Ausfalls von Thanos Petsos unterstellte, trifft es schon ganz gut. Denn der Deutsch-Grieche ist im Spiel der Hütteldorfer nicht so einfach ersetzbar. Seit dem vergangenen Herbst, als der 24-Jährige seiner Form hinterherlief, mauserte sich der Mittelfeldmotor wieder zu jenem Antreiber in der Zentrale, der er bereits davor war. Unverzichtbar für Rapid ist sein Hang zur Drecksarbeit, die Einsatzbereitschaft sowie die Spieleröffnung meist von weit hinten heraus als abkippender Sechser. „Nach der Verletzung von Petsos haben wir die Balance, komplett den Faden verloren. Man hat gesehen, wie wichtig dieser Spieler für uns ist“, sprach der Chefbetreuer aus, was auf dem Platz offensichtlich wurde. Noch vor dem Saisonstart waren mit Stefan Schwab, Srdjan Grahovac, Stefan Nutz, Dominik Wydra und Brian Behrendt fünf qualitativ hochgepriesene Alternativen vorhanden, um zu rotieren bzw. Ausfälle abzufangen. Wydra und Behrendt folgten dem Lockruf aus Deutschland. Nutz findet bei den Grün-Weißen bisher (noch) nicht in die Spur und fehlt nun auch noch verletzungsbedingt. Da Schwab als Achter gesetzt ist, bleibt derzeit nur Grahovac, der Petsos‘ Lücke schließen soll. Aufgrund seiner guten Entwicklung im vergangenen Jahr gelang dies teilweise schon sehr gut, vor allem defensiv. Denn als Ballverteiler und Antreiber fehlt ihm noch einiges, um mit dem derzeit angeschlagenen Stamm-Sechser mithalten zu können. Die Diagnose „Bänderüberdehnung im Knöchel“ sorgte für Aufatmen im grün-weißen Lager. Petsos absolvierte bereits ein Solotraining und könnte sogar gegen Pilsen dabei sein. Die Entscheidung will Barisic bis kurz vor Anpfiff reifen lassen. Rapids Spiel würde es mit Sicherheit nicht schaden.

RAPID HAT EIN QUALITATIVES ÜBERANGEBOT IM KADER

Wie sich herausstellte, ist Rapid in der Breite doch nicht so überragend aufgestellt, wie im Sommer noch angenommen. Ein Blick auf den Kader und die bekannten Namen ließ zwar Großes erwarten, allerdings war nicht abzusehen, dass sich der eine oder andere derzeit nicht in Form befindet bzw. mit den Chancen, die sich boten, nichts anfangen konnte. Etwa Philipp Schobesberger, dem nach seinem Durchbruch im Frühjahr in der neuen Saison noch nicht viel gelang und zuletzt auch an einer Knieverletzung laborierte. Oder Deni Alar, der einen Neuanfang wagte, jedoch einmal mehr zwischen Bank und Spielfeld pendelte und in seinen Einsätzen nur selten einen bleibenden Eindruck hinterließ. „Alar hatte sich seinen Einsatz gegen den WAC verdient, weil er gut trainiert hat. Wir haben uns sehr viel erwartet, er hat es aber leider nicht bringen können“, musste auch Trainer Barisic eingestehen, glaubt aber weiter an seinen Schützling. Dann wäre da auch noch Stefan Nutz, der in der Vorbereitung einen sehr guten Eindruck hinterließ, jedoch in den Plänen von Barisic bisher keine große Rolle spielte und sich zuletzt auch noch verletzte. Oder Philipp Huspek, der zwar mehr Einsatzzeit bekam, jedoch noch weit von den gezeigten Leistungen bei Grödig entfernt ist. Neben diversen verletzungsbedingten Ausfällen über die vergangenen Wochen war dies einer der Hauptgründe, warum die Rotation das eine oder andere Mal nach hinten losging.


RAPID WIRD OHNE BERIC KEIN STÜRMERPROBLEM HABEN

„Wir haben vollstes Vertrauen in die Stürmer, die noch hier sind“, posaunten Barisic und Sportdirektor Andreas Müller im Zuge des Transfers von Robert Beric zu St. Etienne unisono. Es war sogar die Rede davon, nicht unbedingt Ersatz holen zu wollen und nur mit dem bestehenden Personal die Saison weiterzuführen. Schlussendlich entschied sich die sportliche Leitung doch dazu, die Stürmerriege rund um Alar, Philipp Prosenik und Tomi mit Matej Jelic aufzufrischen. Man war sich so gut wie sicher, den Abgang von Beric kompensieren zu können – auch wenn dieser schmerzte. Dem ist nicht so. Vor allem, wenn man sich die Torausbeute der Angreifer abzüglich der drei Treffer von Beric anschaut. Alar war mit zwei Treffern (je einem gegen Grödig und Mattersburg) noch der erfolgreichste Angreifer, agierte aber auch ab und zu als offensiver Mittelfeldspieler. Neuzugang Jelic traf bisher einmal per Kopf gegen Ried, während Prosenik in zehn Einsätzen ganz ohne Treffer blieb. Und Tomi? Der schaffte es bisher erst zwei Mal überhaupt in den Match-Kader, Begründungen dafür gibt es vorerst nicht. Fakt ist, dass gerade aus dem Spiel heraus zuletzt kein Stürmer-Treffer gelang. „Das ist ein Punkt, der aber nicht nur die Stürmer beschäftigt. Sie sind abhängig von den Mitspielern. Wir müssen wieder mehr Chancen kreieren und sie in Szene setzen“, erklärte Barisic. Besonders in Schutz nimmt er Jelic: „Er ist erst seit kurzem bei uns, die Eingewöhnungszeit ist noch nicht zu Ende. Es dauert, bis er das adaptiert.“ Generell sei es aber egal, wer die Tore schießt. Die sich anbahnende Stürmer-Krise kann allerdings nicht geleugnet werden.

RAPID HAT ZWEI TORHÜTER, DIE DEN UNTERSCHIED AUSMACHEN

Als Richard Strebinger von Werder Bremen losgeeist wurde, war für viele Experten die Ablöse von Jan Novota als Nummer eins im Rapid-Tor besiegelt. Doch es kam ganz anders. Der Ersatz für Marko Maric, der auf seine Chance als Stammtorhüter verzichtete und sich von Hoffenheim zu Lechia Gdansk ausleihen ließ, konnte Novota bisher nicht übertrumpfen. Insgesamt stehen drei Liga- und zwei ÖFB-Cup-Einsätze zu Buche. Neben anfangs verständlichen Unsicherheiten verspielte er jedoch seine große Chance mit dem unnötigen Ausschluss nach nur vier Minuten gegen Mattersburg sowie der darauffolgenden Sperre. Alles soweit kein Problem, da sich sein slowakischer Konkurrent keine groben Schnitzer leistete und solide Leistungen ablieferte. Dies war zuletzt allerdings nicht immer der Fall. Neben einigen unglücklichen Aktionen über die letzten Wochen machte er vor allem gegen den WAC eine schlechte Figur. Beim Thema hohe Bälle und Strafraumbeherrschung fühlte man sich teilweise an frühere Zeiten erinnert. Diese Schwäche hatte Novota zuletzt eigentlich gut im Griff. Wann Strebinger wieder seine Chance bekommt, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass bei Rapid zwei Torhüter das Potenzial für einen soliden Rückhalt haben. Den Unterschied konnten sie in dieser Saison aber noch selten ausmachen.


Alexander Karper

RAPID HAT DREI DER VIER BESTEN INNENVERTEIDIGER DER LIGA

Mit dieser Aussage lehnte sich Barisic erst vor kurzem weit aus dem Fenster und lobte Christopher Dibon, Mario Sonnleitner und Maximilian Hofmann in den Himmel. Agieren diese in Bestform können zumindest die ersten beiden in einem Atemzug mit Salzburgs Martin Hinteregger genannt werden. Allerdings schleichen sich auch immer wieder Unachtsamkeiten und Unkonzentriertheiten ein, wie etwa zuletzt beim 1:2 in Wolfsberg. Dibon legte in den vergangenen Monaten einen steilen Aufstieg hin und entpuppte sich mittlerweile als konstantester Spieler in der Viererkette. Weniger überzeugend agierte zuletzt jedoch Mario Sonnleitner, der in einigen Spielen nicht so souverän agierte, wie man es von ihm kannte. Zudem leistete er seiner Mannschaft alles andere als einen Bärendienst, als er im ÖFB-Cup gegen Amstetten früh vom Platz flog. Max Hofmann hat das Zeug, starke Leistungen abzuliefern, kam jedoch meist nur zum Zug, wenn einer der Stammkräfte verhindert war. Doch das Thema beschäftigte nicht nur die Innenverteidigung, auch die Außenverteidigung war zuletzt nicht immer im Bilde. Stephan Auer agierte nach unsicherem Start abgeklärter, wurde zwischenzeitlich jedoch durch Mario Pavelic ersetzt. Und Stefan Stangl ist nach überstandener Verletzungspause wieder gesetzt. Fazit: Wenn es bei Rapid läuft, ist die Abwehr eine der besten des Landes. Vor allem wuchs die Defensive aber international über sich hinaus und präsentierte sich meist von der Schokoladenseite. Darauf hofft man im grün-weißen Lager auch gegen Pilsen.

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