„Das ist von Haus aus Motivation genug für die Spieler"

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Normalerweise sollte unmittelbar vor dem Auftakt der Europa-League-Gruppenphase der Fokus auf das Sportliche gelegt werden.

Aber die äußeren Umstände machen es schwer, Rapids Heimspiel gegen Rosenborg Trondheim nicht aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Geisterspiel, Sperrring rund um das Happel-Stadion, kritische Beobachter. Aus Sicht der Grün-Weißen ist nur zu hoffen, dass das Ganze ein einmaliges Erlebnis bleibt.

Trainer Peter Schöttel geht nach außen hin gelassen mit der ungewohnten Situation um und versucht, seine Mannschaft darauf einzustellen. Schließlich wird auch Fußball gespielt.

Kritischsten Gruppen im Stadion vor Ort

„Es wird vieles am Feld zu hören sein. Das sollten wir für uns nützen“, verweist der Chefbetreuer auf die Kommunikation seiner elf Schützlinge auf dem grünen Rasen.

Da der Support zwangsläufig ausbleibt, bleibt auch Stadionsprecher Andy Marek stumm. Ein Platzsprecher ist nicht von Nöten, Fans sind im Umfeld des Stadions nicht erwünscht.

Wie bei der EURO 2008 wird in einem bestimmten Abstand eine Absperrung errichtet, um nicht zugelassene Personen fernzuhalten.

„Das ist von Haus aus Motivation genug für die Spieler, wenn die zwei kritischsten Gruppen ins Stadion dürfen – zum einen die Rapid-Legenden (Anm.: wurden von Rapid in 75 Leute fassende Delegation eingerechnet), zum anderen die Medienvertreter“, meint Schöttel grinsend.

Unterstützung am anderen Ende der Stadt

Dafür soll das Alternativprogramm des Public Viewings mehrere tausend Fans ins Hanappi-Stadion locken, wo eine 50 Quadratmeter große Video-Wall auf die Besucher wartet. Die aktive Fanszene hat ihr Kommen bereits angekündigt.

Am anderen Ende von Wien werden die Protagonisten allerdings kaum etwas davon mitbekommen.

Da steht das Kräftemessen mit dem norwegischen Vorzeigeteam der vergangenen zwanzig Jahre bevor.

Die Beobachtungen gaben viele Aufschlüsse, um gut gerüstet ins Spiel zu gehen. Co-Trainer Thomas Hickersberger schaute dem Gegner zwei Mal live auf die Beine, Schöttel ein Mal.

„Die Defensive steht typisch skandinavisch“

„Wir haben uns natürlich über den Gegner schlau gemacht. Für uns Trainer ist es international etwas Besonderes, neue Mannschaften kennenzulernen“, verrät der 45-jährige Wiener.

Das Resümee: „Wir treffen auf eine sehr starke Mannschaft. Die Defensive steht typisch skandinavisch sehr kompakt mit großen Spielern. Offensiv haben sie Akteure mit viel Qualität, die uns weh tun können, wenn wir nicht aufpassen.“

Trotzdem bleiben die Grün-Weißen bei der Einstellung, sich aufgrund der Vergleichswerte wie Budgetrahmen, Marktwert und Angebot an Spielern gegen Rosenborg die besten Chancen in der Gruppe auszurechnen.

Einige Spieler haben in den Unterlagen über Stärken und Schwächen des ersten Gruppen-Kontrahenten besondere Erwähnung gefunden.

Kein aboluter Schwachpunkt ausmachbar

„Die Nummer vier, Tore Reginiussen, gefällt mir sehr gut. Er führt die Mannschaft von hinten. Mikkel Diskerud kennt Terrence Boyd vom US-Team. Borek Dockal hat für sie die meisten Tore erzielt, dazu haben sie mit Rade Prica und Steffen Iversen zwei sehr erfahrene Spieler. Tarik Elyounoussi ist ein Spieler, der in die Tiefe geht und mich ein bisschen an Zlatko Junuzovic erinnert“, verrät Schöttel.

Ein absoluter Schwachpunkt konnte beim intensiven Video-Studium aber nicht ausgemacht werden.

„Wir wissen, dass wir gegen einen sehr guten Gegner spielen. Aber wenn wir eine gute Leistung bringen, haben wir auch die Chance zu gewinnen“, will Kapitän Steffen Hofmann nichts von einem Übergegner wissen.

Ob man die nicht Europa-League-würdigen Umstände nützen könnte, um Unerwartetes auszuprobieren, beantworten Trainer und Kapitän mit einem klaren „Nein“.

„Rosenborg kein Gegner, den wir überraschen können“

„Rosenborg ist sicher kein Gegner, den wir überraschen können. Ich erwarte ein sehr ausgeglichenes Spiel bis zum Ende, in dem es darauf ankommt, die entscheidenden Sachen richtig zu machen“, erwartet sich Schöttel ein Geduldsspiel.

Hofmann meint dazu: „Entscheidend wird sein, wie uns der Trainer einstellt. Wir werden sicher nicht von der ersten Minute an blind nach vorne rennen.“

Thomas Prager trainierte bereits wieder mit der Mannschaft und ist einsatzbereit, während Christopher Drazan und Michael Schimpelsberger noch Zeit benötigen. Boris Prokopic ist auf einem guten Weg, schon bald wieder eine Rolle zu spielen.

Mit dem vorhandenen Personal soll die beängstigende Bilanz im Happel-Stadion ein Ende finden und der EL-Einstand gelingen – auch ohne Unterstützung von den Rängen.


Alexander Karper

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