Rapids historischer Aufstieg? "Wollen Teil davon sein"

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Selbst die kühnsten Optimisten hätten wohl nicht damit gerechnet, dass der SK Rapid bereits Anfang November mit dem Aufstieg spekulieren darf.

Wir schreiben erst den vierten Spieltag der Europa-League-Gruppenphase und die Grün-Weißen haben auswärts bei Viktoria Pilsen bereits einen Matchball, um erstmals ins Sechzehntelfinale einzuziehen und in diesem Bewerb zu überwintern.

Möglich machen dies drei Siege aus den bisherigen drei Partien. Eine Ausbeute, die in diesem Umfang keiner im grün-weißen Lager erwartet hätte. Ein Punkt gegen die Tschechen würde nun bereits reichen, um den Sack zuzumachen.

„Jetzt wollen wir in Pilsen Minimum einen Punkt holen, oder sogar einen Sieg, damit wird das Ticket lösen“, gibt Abwehrchef Mario Sonnleitner gegenüber LAOLA1 die Marschroute vor.

"Es geht um sehr viel, das ist uns bewusst"

Ob das Wissen über die hervorragende Ausgangsposition einen mentalen Vorteil darstellt oder insgeheim sogar hemmend wirken könnte, sehen die Spieler unterschiedlich.

„Es geht um sehr viel, das ist uns bewusst, aber im Endeffekt ist es wurscht, ob wir gewinnen müssen oder nicht. Schließlich wollen wir jedes Spiel für uns entscheiden“, meint etwa Florian Kainz, der wie seine Kollegen sehr fokussiert wirkt.

„Wir wissen alle, um was es geht. Es wäre doch etwas Historisches für Rapid. Deshalb werden wir alles dafür tun, ein Teil davon zu sein.“

Da am kommenden Spieltag die Auswärtsreise zum höher eingeschätzten Gruppen-Favoriten Villarreal bevorsteht, wäre es im Sinne der Hütteldorfer, den Aufstieg bereits in Pilsen in trockene Tücher zu bringen.

„Das muss unser Ziel sein“

Schließlich wurden die Westböhmen bereits bei der Auslosung als direkter Konkurrent um den zweiten Aufstiegsplatz eingeschätzt.

„Natürlich wollen wir etwas Zählbares mitnehmen, das ist klar. Das muss unser Ziel sein, mit der Einstellung müssen wir ins Spiel gehen. Dann ist der Sack zu. So werden wir uns auch darauf vorbereiten und ins Spiel reingehen“, verspricht Christopher Dibon.

Auch der Trainer ist frohen Mutes. Taktieren, also auf ein Remis zu spielen, ist allerdings nicht nach dem Geschmack des 45-jährigen Wieners.

In seinem Kopf ist der Wunsch nach einem Sieg vorhanden. Alles andere sei in dieser Form nicht planbar und für ein Team wie Rapid auch nicht umsetzbar.

Rapid „nicht für Spiel auf einen Punkt konzipiert“

Nur auf einen Punkt zu spielen, würde auch den grün-weißen Prinzipien, jedes Spiel gewinnen zu wollen, widersprechen.

Unsere Mannschaft ist gar nicht so konzipiert, um nur auf einen Punkt zu spielen“, erklärt der Chefbetreuer, der 1995 nach dem Aufstieg gegen Sporting Lissabon im Cup der Cupsieger letztmals mit Rapid in einem internationalen Bewerb überwintern konnte.

Auch Kainz erachtet diese Herangehensweise als falsch: „Ich weiß nicht, ob uns das gelingen würde, wenn wir nur auf einen Punkt spielen. Wir haben gesehen, dass wir in der Europa League sehr gute Performances abliefern können. Das wollen wir wieder zeigen. Unser Ziel ist es schon, dort zu gewinnen, auch wenn es nicht einfach wird.“

Denn trotz des 3:2-Erfolges vor zwei Wochen in Wien haben sich die Tschechen als durchaus spielstark und gefährlich herausgestellt.

Vor Pilsens Stärken gewarnt

Von einem Selbstläufer geht keiner aus. Barisic erwartet in der viertgrößten Stadt des österreichischen Nachbarlandes einen harten Fight.

„Das wird von Anfang an ein sehr intensives Spiel werden. Ich erwarte Pilsen sehr aggressiv und vor allem offensiv.“

Auch die Spieler sind nach dem schlussendlich knappen Hinspielergebnis, das im Falle einer Niederlage durchaus noch interessant für den direkten Vergleich werden könnte, gewarnt.

„Man hat schon gesehen, dass sie sehr spielstark sind, sehr gute Fußballer und offensiv ihre Stärken haben. Besonders bei Standards sind sie gefährlich. Da müssen wir sehr aufpassen, aber wir haben das gut analysiert und sind darauf vorbereitet“, verrät Linksverteidiger Stefan Stangl.

Da müssen wir auf der Hut sein“

Rapid erwartet eine druckvolle Anfangsphase und einen Gegner, der in der heimischen Doosan Arena ein anderes, offensiveres Gesicht zeigen wird.

„In der zweiten Halbzeit in Wien haben wir gesehen, was sie können, wenn man sie lässt. Das gilt es zu unterbinden. Da müssen wir von Anfang an dran sein und schauen, dass der Ball bei uns ist. Dann kann Pilsen nicht viel damit anfangen“, so Dibons Taktik zum Erfolg.

Dieser ergänzt: „Sie haben so ziemlich die gleichen Stärken wie wir. Das ist aber auch positiv, weil wir wissen, was wir können und so können wir uns auf den Gegner einstellen. Man hat gesehen, dass sie gute Fußballer sind und mit der Murmel was anfangen können. Da müssen wir auf der Hut sein.“

Die besseren Karten halten aber eindeutig die Hütteldorfer in Händen. Schließlich weiß Kainz: „Pilsen muss gewinnen.“ Rapid kann, und selbst ein Punkt würde zum Aufstieg reichen. Auch wenn das im grün-weißen Lager keiner hören will.


Aus Pilsen berichtet Alexander Karper

 

Viktoria Pilsen - SK Rapid Wien
Pilsen, Doosan Arena, 19.00 Uhr SR Luca Banti/ITA

Pilsen: Kozacik - Rajtoral, Baranek, Prochazka, Limbersky - Vanek, Hrosovsky - Kopic, Kolar, Kovarik - Duris

Ersatz: Bolek - Hejda, Horava, Holenda, Petrzela, Mahmutovic, Hubnik, Mateju, Kucera

Rapid: Novota - Pavelic, Sonnleitner, Dibon, Stangl - Petsos, Schwab - Schobesberger, S. Hofmann, F. Kainz - Jelic

Ersatz: Strebinger - M. Hofmann, Auer, Grahovac, Schaub, Prosenik, Alar, Tomi

Es fehlen: Huspek (Rückenprobleme), Schrammel, Kuen (beide nach Kreuzbandriss), Nutz (Knieverletzung)

Parallelspiel in Borisow: Dinamo Minsk - Villarreal

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