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Die Angst vor der Stille im Happel-Stadion

48.000 Zuschauer können gehörigen Lärm machen. 48.000 Zuschauer können für eine Kulisse sorgen, die ewig in Erinnerung bleibt.

Knapp 48.000 Zuschauer wohnten dem WM-Quali-Spiel Österreich-Deutschland bei und sorgten für Gänsehaut-Stimmung.

48.000 Zuschauer wären auch am Donnerstag gerne in den Wiener Prater gepilgert, um die Ränge des Ernst-Happel-Stadions zu füllen.

Doch sie dürfen nicht. Statt frenetischem Jubel regiert an diesem untypischen Europa-League-Abend die Stille – zum Leidwesen Rapids.

„Ein enormer sportlicher Nachteil“

„Zuschauer und Emotionen gehören zum Fußball dazu. Somit ist es für uns ein enormer sportlicher Nachteil“, versucht Trainer Peter Schöttel gar nicht, seine Enttäuschung vor dem Duell mit Rosenborg Trondheim zu verbergen.

Seit Freitag, als die Berufung gegen das harte Urteil nach den Ausschreitungen in Thessaloniki von der UEFA abgeschmettert wurde, ist das Geisterspiel Gewissheit.

Auf die Möglichkeit, das oberste Sportgericht (CAS) in Lausanne anzurufen, verzichteten die Grün-Weißen aufgrund nicht zu erwartender Abänderungen des Urteils.

Nun ist guter Rat teuer. Die Spieler müssen mental auf den ersten Höhepunkt in der Gruppenphase der Europa League eingestellt werden.

Zweites Geisterspiel binnen kurzer Zeit

„Wir hätten uns gewünscht, dass wir die Zuschauer bei uns haben. Denn sie pushen uns - das ist gut für unser Spiel“, weiß auch Guido Burgstaller.

„Das ist ganz schwierig und für mich schon das zweite Mal seit ich bei Rapid bin. Das wünscht man sich nicht“, ist dem bisherigen „Mr. Europacup“ Deni Alar zu entlocken.

Damit verweist er auf die ohne Zuschauer ausgetragene Meisterschaftspartie gegen die Admira am 16. Juli 2011 im Hanappi-Stadion nach den Ausschreitungen beim Wiener Derby.

Der große Unterschied? Damals kam man sich im 17.500 Zuschauer fassenden Heimstadion wohl weniger verloren vor, als es am Donnerstag im Happel-Stadion der Fall sein wird.

75 Personen pro Verein plus 200 Rosenborg-Gäste

„Ich werde wohl aufpassen müssen, wo in der Nähe der Trainerbank die Mikrofone stehen“, scherzt Schöttel.

Ganz alleine werden sich die beiden Teams und das Schiedsrichterteam dann aber doch nicht im Wiener Prater versammeln.

Inklusive Spieler haben sowohl Rapid als auch Rosenborg das Recht, eine jeweils 75 Personen starke Delegation mitzubringen. Medienvertreter und Sicherheitspersonal werden ebenfalls vor Ort sein.

Den norwegischen Gästen stehen zudem zusätzlich noch 200 Plätze in der besten Stadionkategorie zu. Die mitreisenden VIPs dürfen sich auf ein ganz spezielles Erlebnis freuen.

Aber auch Rapid-Fans dürfen den Abend unter Gleichgesinnten verbringen - entweder beim Public Viewing im Hanappi-Stadion oder im LAOLA1-Liveticker.

„Wird auch für den Gegner absolutes Neuland“

Trainer Schöttel hofft trotz allem, dass die triste Kulisse nicht nur für die Heimmanschaft von Nachteil sein wird.

„Das ist nicht Fußball, das wird auch für den Gegner absolutes Neuland sein. Ich hoffe, dass es auch für Rosenborg unangenehm wird.“

Schließlich handelt es sich bei den Norwegern um jenen Klub, gegen den sich Rapid die größten Chancen auf Punkte ausrechnet.

So steht das bisherige Saison-Highlight unter einem ganz anderen Stern.


Alexander Karper

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