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Positive und negative Aspekte von Rapids EL-Auftritten

Hinter Rapid liegen in dieser Saison 180 Minuten Europa League.

Metalist Kharkiv und Rosenborg Trondheim erwiesen sich zwar nicht als unüberwindbare Hürden, trotzdem stehen die Grün-Weißen mit null Punkten da.

Bevor es am Sonntag in der Meisterschaft daheim gegen SC Wiener Neustadt weitergeht, werden die Europacup-Auftritte noch einmal aufgearbeitet.

Denn obwohl Rapid zwei Niederlagen einstecken musste, ist längst nicht alles in einem negativen Licht zu sehen.

Die Plus-/Minus-Liste verschafft einen Überblick:

Spielerische Rafinesse:

Sowohl gegen Rosenborg Trondheim als auch gegen Metalist Kharkiv präsentierte sich folgendes Bild: Rapid ergreift die Initiative und versucht über weite Strecken das Spiel zu machen. Die Devise heißt "Agieren statt Reagieren". Die Mittel dazu sind vorhanden. Mit Deni Alar, Guido Burgstaller, Steffen Hofmann, Thomas Prager, Lukas Grozurek, Muhammed Ildiz und Co. verfügen die Hütteldorfer über spielstarke Typen, die das Miteinander suchen. Was auf nationaler Ebene schon seit längerer Zeit funktioniert, setzte Rapid auch in der Europa League um. Allerdings ohne die Leistung auf dem Platz durch Zählbares zu krönen. "Wir haben uns nicht versteckt und nach vorne gespielt. Ich glaube, sie waren selber überrascht, dass wir auch Fußball spielen können", meinte etwa Mario Sonnleitner nach dem Spiel in Kharkiv. Damit kreiert Rapid auch zunehmend mehr Torchancen. Beim Spielverständnis und den Kombinationen staunte selbst die Südamerika-Fraktion der Ukrainer nicht schlecht.

Entwicklung der Mannschaft

"Ich muss ehrlich sagen, dass es beeindruckend ist, welchen Weg wir im letzten Jahr gegangen sind. Wir haben einen Riesenfortschritt gemacht", unterstrich Markus Katzer nach dem 0:2 bei Metalist den schrittweisen Prozess im jungen Team der Grün-Weißen. "Wenn mir einer letztes Jahr gesagt hätte, dass wir gegen Metalist so eine gute Leistung abliefern können, so gut kombinieren und den Ball laufen lassen, hätte das wahrscheinlich niemand geglaubt." Bis auf Schöttels Routiniers Katzer, Steffen Hofmann, Markus Heikkinen und Stefan Kulovits vertraut das Trainerteam weiterhin auf junge Wilde, die ihre Sache immer besser machen. "Wenn wir mit null Punkten dastehen, ist das für eine sehr junge, international unerfahrene Mannschaft trotzdem wichtig, solche Spiele zu haben", stellt Kapitän Hofmann den Entwicklungsprozess in den Vordergrund. Dieser schreitet von Spiel zu Spiel voran.

 Zunehmende Stabilität

"Mir war schon klar, dass wir keine Mannschaft sind, die hier untergeht. Dafür sind wir mittlerweile viel zu stabil", meinte Schöttel nach der 0:2-Niederlage in Kharkiv. Tatsächlich ist kaum ein Einbruch der Mannschaft in Erinnerung geblieben. Auch nach unnötigen Gegentoren war nicht zu erkennen, dass sich die Mannschaft aufgibt. Gegen Rosenborg und Metalist ließ sich Rapid auch nach Rückständen nicht beirren und spielte konzentriert weiter. "Es ist auf jeden Fall ein Plus, dass wir eigentlich in den beiden Spielen gegen gute Mannschaften durchaus die Möglichkeiten auf Punkte gehabt hätten. Gegen Trondheim waren wir eigentlich auch besser und hätten den Sieg verdient gehabt." Stabilität verlieh Schöttel seinen Mannen durch das Bilden eines funktionierenden Mannschaftsgefüges. Das System ist bekannt, demnach müssen alle in diesem agieren können. Das geht bisher ganz gut auf.

Leichtfertige Gegentore

Ein, zwei Unachtsamkeiten in einem Spiel reichen, um sich die ganze Arbeit zunichte zu machen. Sowohl gegen Metalist als auch gegen Trondheim kassierte Rapid vermeidbare Treffer, die die beiden Niederlagen einleiteten. Das 0:1 in Wien gegen die Norweger war das "kurioseste" Tor, dass Schöttel je gesehen hat. Eine Fehlerkette machte es möglich. Gegen Metalist ließ man beim 0:1 gleich mehrere Spieler am zweiten Pfosten entwischen und kassierte von den im Durchschnitt kleingewachsenen Akteuren ein Kopfballtor. Auch das perfekt herausgespielte 0:2 resultierte aus einer Standardsituation. "Ein klares Minus ist, dass wir aus Standardsituationen die Tore bekommen. Das ist auf diesem Niveau einfach nicht tragbar, dann verlierst du so ein Spiel", weiß auch Sonnleitner. Dass man die Ausnahmekönner sonst so gut es ging vom Tor fernhalten konnte, rückt bei solchen Unachtsamkeiten dann meist in den Hintergrund.

Mangelhafte Chancenverwertung

Es war das dominierende Thema nach dem 0:2 gegen Metalist. Für Rapid tat sich eine Chance nach der anderen auf, doch keine noch so aussichtsreiche konnte genützt werden. "Ich habe ja auch eine sehr große Chance ausgelassen, von daher weiß ich, wie das Gefühl ist, wenn man den Ball nicht reinkriegt", rätselte Kapitän Hofmann. "Wir haben ein ganz ordentliches Spiel gemacht, nur leider haben wir es nicht geschafft, den Ball ins Tor zu bringen, obwohl wir uns viele gute Möglichkeiten herausgespielt haben. Von daher ist das sehr bitter." Schon gegen Rosenborg agierte man dominant, das Runde wollte aber bei zwei Gegentoren nur einmal ins Eckige. Dabei sind die Grün-Weißen der Überzeugung, dass ein Führungstreffer so viel bewirken könnte. "Wenn wir das erste Tor machen, gewinnen wir das Spiel, da bin ich mir hundertprozentig sicher. Aber wir haben es nicht gemacht und gehen mit hängenden Köpfen vom Platz", demonstriert Sonnleitner wie nah Freud und Leid beieinander liegen.

Null Punkte

Nach zwei Spielen ist der Blick auf die Tabelle ernüchternd. Null Punkte, Schlusslicht in Gruppe K. Obwohl man zwei Mal spielerisch überzeugen konnte, teilt man das Schicksal nur mehr mit zwei Teams. Bis auf die Young Boys Bern, AIK Stockholm und Rapid haben bereits alle Teams zumindest einmal angeschrieben. Schon nach der ersten Niederlage gegen Rosenborg begann das große Rechnen, dass nach der zweiten Niederlage in der Gruppenphase seine Fortsetzung findet. "Im Endeffekt zählen die Punkte. Man kann sich nichts davon kaufen, gut gespielt zu haben", bringt es Markus Katzer auf den Punkt. "Aber wenn wir so weiterspielen, werden wir hoffentlich noch den einen oder anderen Punkt machen." Ausgerechnet jetzt steht das Doppel gegen Bayer Leverkusen an. Der Druck steigt. Schließlich weiß jeder, dass spätestens im nächsten Duell erstmals etwas auf der Haben-Seite aufscheinen sollte, will man sich tatsächlich noch Hoffnungen auf ein Weiterkommen machen. Ansonsten verfolgt Rapid die Null weiterhin.


Alexander Karper

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