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"Kreativität, Qualität und Passgenauigkeit fehlten"

Ob ein Flutlichtausfall, zwei unnötige Gegentore aus Standards oder Ferdinand Feldhofers Gehirnerschütterung:

Für Meister Sturm setzte es zum Auftakt der Europa-League-Gruppenphase Blackouts, wohin man schaute, weswegen sich die Grazer nach verheißungsvollem Beginn Lokomotiv Moskau mit 1:2 geschlagen geben mussten.

Der Europacup-Abend in Graz-Liebenau stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Mehrmals streikte die Flutlichtanlage in der UPC-Arena, tappten die 13.356 Zuschauer im Dunkeln.

Da man das technische Problem nicht rechtzeitig in den Griff bekam, entschlossen sich die Verantwortlichen, den Ankick zu verzögern. Es dauerte bis 21:46 Uhr, ehe der Ball rollen konnte.

Sturm lässt Chance auf Doppelschlag ungenutzt

„Es ist natürlich schwer, wenn man sich vorbereitet, spielbereit ist und sich dann alles verzögert“, erklärte Manuel Weber, während es Imre Szabics schmunzelnd hinnahm:

„Schön, dass ich immer noch neue Erfahrungen machen kann, auch wenn ich schon so lange Fußball spiele.“

Foda: „Man könnte es sich jetzt natürlich einfach machen und sagen, aufgrund der vielen Verletzten wäre nicht mehr drinnen gewesen, aber ich bin trotzdem der Überzeugung, dass wir auch mit dieser Mannschaft das Spiel hätten gewinnen können.“

Dass die Gäste aus Moskau über die qualitativ besseren Einzelspieler verfügen, wusste man schon vor der Partie. Das Gefühl, dass sie außer Reichweite sind, hatte jedoch keiner. Speziell in der Rückwärtsbewegung leisteten sich die Russen auch die eine oder andere Unsicherheit.

„Wenn man gesehen hat, wie wir begonnen haben, fehlt eigentlich nicht viel. Wir haben mithalten können. Wenn bei uns alle an Bord sind, können wir sicher konkurrenzfähig sein“, glaubte Weber.

Die nervende Teamchef-Frage

Wie 2009 beim erstmaligen Antreten in der EL-Gruppenphase ging der Auftakt für Sturm also daneben, damals unterlag man Dinamo Bukarest 0:1.

Ob es die letzte Europacup-Partie unter Trainer Franco Foda war, wird sich in naher Zukunft weisen. Der Deutsche gilt bekanntlich als Topfavorit auf den vakanten Posten des ÖFB-Teamchefs.

Während sich der 45-Jährige diesbezüglich wortkarg gibt und „auf Sturm konzentriert“, wäre es wohl für alle Beteiligten ratsam, dem Rätselraten möglichst zügig ein Ende zu setzen.

Denn bei Sturm kann man dieses Thema teilweise schon nicht mehr hören. „Es nervt, dass wir immer wieder auf diese Frage reagieren müssen“, gab Szabics zu.

Und mit dieser Meinung stand er tendenziell nicht alleine da.

Peter Altmann

Sturm erwischte nach der langen Wartezeit den besseren Start in die Partie und ging durch einen schön herausgespielten Treffer von Szabics nach Vorlage von Patrick Wolf in Minute 14 in Führung.

„Ich muss gleich danach jedoch auch die nächste Chance nutzen“, vermerkte der Ungar selbstkritisch, dass er die knapp eine Minute später folgende Topchance auf das 2:0 ausließ.

Ein Knackpunkt, wie sich letztlich herausstellen sollte. Denn während die „Blackies“ ihre Chance auf einen Doppelschlag ungenutzt ließen, erwiesen sich die Russen als umso eiskalter.

„In zwei Minuten das Spiel aus der Hand gegeben“

„Wir sind verdient in Führung gegangen, haben nach dem 1:0 wirklich sehr gut nach vorne gespielt und hätten das 2:0 machen können. Leider haben wir dann innerhalb von zwei Minuten das ganze Spiel aus der Hand gegeben“, ärgerte sich Trainer Franco Foda.

In Minute 28 netzte Victor Obinna nach einem Freistoß, eine Minute später staubte Dmitry Sychev nach einem Lattenknaller von Denis Glushakov ab.

„Auf diesem Niveau kann man eine Führung nicht so leichtfertig aus der Hand geben“, monierte Szabics, „es kann passieren, dass man ein Tor aus einem Standard kriegt, aber zwei Mal in zwei Minuten? Das sollte nicht passieren.“

Die restlichen Spielminuten sind relativ schnell zusammengefasst: Lokomotiv kontrollierte die Partie und wurde das eine oder andere Mal aus Kontern gefährlich. Sturm vermochte es nicht, mit Nachdruck auf den Ausgleich zu drängen.

Kreativität, Qualität, Passgenauigkeit und Tempo fehlten

„Wir hätten die Abwehr mehr unter Druck setzen müssen. Am Anfang hat man gesehen, dass einiges drinnen wäre“, forderte Weber. Szabics analysierte: „Nach dem 1:2 haben wir uns aus dem Konzept bringen lassen. Wir haben versucht, Druck zu machen, aber nach der Pause hat uns irgendwie das gewisse Etwas gefehlt. Wir sind nicht richtig zu Torchancen gekommen.“

Sein Trainer konkretisierte „das gewisse Etwas“ und fand dabei deutliche Worte: „Die Mannschaft hat alles versucht, aber uns hat in der zweiten Halbzeit einfach die Kreativität, Qualität, Passgenauigkeit und das Tempo im Spiel nach vorne gefehlt. Man hat einfach gesehen, dass der eine oder andere Spieler nicht in der Lage ist, 90 Minuten Tempo-Fußball zu spielen.“

Erschwerend kam hinzu, dass sich die ohnehin schon angespannte personelle Situation bei den Steirern während der Partie weiter verschlimmerte.

Roman Kienast, Jürgen Säumel, Christian Gratzei, Milan Dudic, Sandro Foda und Matthias Koch befanden sich schon vor Spielbeginn im schwarz-weißen Lazarett. Nach 20 Minuten musste Andreas Hölzl wegen einer Oberschenkelblessur das Feld verlassen.

Verletzungsprobleme „zu billige Ausrede“

Feldhofer ging in den ersten 45 Minuten zwei Mal k.o., musste zur Pause ausgewechselt und mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht werden.

„Es wäre zu billig, das als Ausrede herzunehmen. Die Spieler, die auf dem Platz standen, sind gut genug“, meinte Szabics. Wobei man nicht wegleugnen kann, dass es auf der einen oder anderen Position, speziell im zentralen Mittelfeld und in der Innenverteidigung, inzwischen sehr eng wird.

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