Ried glaubt an Sensation

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Der 18. August war ein denkwürdiger Tag für die SV Ried.

Zuerst standen die Zeichen für die Oberösterreicher nicht gut, denn nur wenige Stunden vor dem Playoff-Hinspiel in der Europa-League gegen PSV Eindhoven mussten die Oberösterreicher mit Florian Mader einen Leistungsträger zur Wiener Austria ziehen lassen.

Trainer Paul Gludovatz konnte nach dem Spiel gegen PSV seinen Zorn über den Tiroler nur schwer verbergen: „Das ist eine absolute Enttäuschung. Ich habe drei Tage mit ihm die Vorbereitung auf dieses Spiel gemacht und dann muss ich innerhalb kürzester Zeit umstellen.“

Umso höher muss die Leistung der Innviertler gegen Eindhoven einzuordnen sein, die gegen den haushohen Favoriten mit einer beherzten Vorstellung ein 0:0 erreichten.

„Das war ein Fußballfest“

„Wir haben einige Zeit gebraucht, um uns auf diesen technisch hochstehenden  Fußball einzustellen. Aber dann hat meine Mannschaft kämpferisch, läuferisch und auch taktisch hervorragend agiert“, hatte Gludovatz viel Lob für seine Truppe übrig.

Die Fans in der ausverkauften Keine-Sorgen-Arena trugen wohl auch ihren Teil zu der tollen Vorstellung des Cupsiegers bei. „Das war ein Fußballfest, Emotionalität pur“, war Gludovatz von der tollen Atmosphäre angetan.

„Das war eine Traumstimmung heute“, ist auch Routinier Stefan Lexa von der großen Fan-Unterstützung beeindruckt.

Die Atmosphäre wurde durch einige gute Möglichkeiten der „Wikinger“ noch zusätzlich angeheizt.

Royer: „Es war mehr drinnen“

Vor allem Youngster Daniel Royer stellte die Abwehr von Eindhoven immer wieder vor große Probleme. „Es war heute mehr drinnen. Wir haben gesehen, dass wir gegen so einen Gegner mithalten können. Wir waren über einige Strecken der Partie die spielstärkere Mannschaft und hatten die besseren Möglichkeiten“, wirkte der 21-Jährige nach dem Spiel sogar ein wenig enttäuscht.

Was bis zum Rückspiel noch verbessert werden muss, weiß Royer: „Wir müssen vorne kaltschnäuziger werden. Wir hätten heute ein oder sogar zwei Chancen nützen müssen.“

Ein großer Gewinner des Abends ist SVR-Tormann Thomas Gebauer, der nach seinem schweren Patzer gegen Salzburg wieder eine gute Leistung zeigte: „Es war heute sehr wichtig, eine grundsolide Leistung abzuliefern, ohne irgendwie glänzen zu wollen. Ich wollte heute einfach nur die Arbeit machen, für die ich im Tor stehe. Ich bin froh, dass wir zu Null gespielt haben.“

PSV nicht überrascht

Die Gäste waren von dem starken Auftritt der Rieder nicht überrascht. „Es war das erwartet schwere Spiel. Ried ist eine richtige Mannschaft, die sehr kampfstark und sehr gut organisiert ist“, meinte PSV-Trainer Fred Rutten, der nach dem durchwachsenen Saisonstart in der niederländischen Liga stark unter Druck steht.

Dennoch hatte er sich mehr vom Spiel erwartet: „Das Ergebnis ist für uns enttäuschend. Wir wollten ein Tor machen, die eine oder andere Chance hätten wir verwerten müssen. Das 0:0 ist ein sehr gefährliches Ergebnis. Ich schätze Ried stark genug für einen Treffer ein. Aber ich habe Vertrauen in meine Mannschaft.“

Rutten unter Druck

Die Gründe, warum es bei seiner Mannschaft momentan nicht so läuft, kennt Rutten: „Früher hatte PSV große Namen. Zur Zeit spielen wir aber mit so vielen jungen Spielern, die müssen noch wachsen.“

Ob der Coach diese Zeit bekommen wird, ist mehr als fraglich. Die niederländischen Medien haben über Rutten momentan nicht die beste Meinung.

Und auch die mitgereisten Anhänger des Klubs verhielten sich während des Spiels wohl aus Protest auffallend ruhig.

Ried mit viel Optimismus ins Rückspiel

Sein Gegenüber, Paul Gludovatz, hat solche Probleme nicht.

Der Burgenländer rechnete sich vor dem Rückspiel am 25. August in Eindhoven realistische Chancen auf den Aufstieg aus: „Wir müssen uns sicherlich steigern. Aber wir haben eine gute Chance, in die Gruppenphase einzuziehen. Wir können in Eindhoven ein Tor machen. Und PSV muss uns erst einmal eines machen.“

Auch seine Spieler gehen mit einem guten Gefühl ins Rückspiel, das sie allerdings ohne Jungstürmer Markus Hammerer absolvieren müssen, da sich der 21-Jährige einen Adduktorenabriss zuzog und nun mindestens neun bis zehn Wochen ausfallen wird.

 „Eindhoven steht nächste Woche enorm unter Druck. Wir haben nichts zu verlieren und so werden wir dort auch auftreten“, meinte Stefan Lexa.

„Es war unser Ziel, dass wir keinen Ausflug nach Eindhoven machen werden, sondern dass wir wirklich noch was reißen können. Wir sind und bleiben aber klarer Außenseiter, aber vielleicht schaffen wir die Überraschung. Das wär natürlich ein Traum“, glaubt auch Thomas Gebauer an die Sensation.

Der „Dorfklub“ sorgte schon eine Runde zuvor mit dem Aufstieg gegen den dänischen Spitzenklub Bröndby Kopenhagen für großes Aufsehen.

Aber wenn die Innviertler den Vorjahres-Viertelfinalist PSV Eindhoven tatsächlich aus der Europa-League werfen, dann wäre das eine wirkliche Sensation…

Susanne Brunnmair

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