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"Vielleicht gewinnt Leidenschaft gegen Talent"

Vergangene Saison Europacup mit dem FC Pasching, in dieser mit dem SKN St. Pölten. Martin Grasegger weiß, wie es sich anfühlt, Österreich mit einem Underdog international zu vertreten.

Am Donnerstag steht das Rückspiel der Europa-League-Qualifikation gegen Botew Plowdiw (ab 21:05 im Live-Ticker) aus Bulgarien an. Nach dem 1:2 im Auswärtsspiel dürfen die Niederösterreicher von einem Duell mit PSV Eindhoven in der nächsten Runde träumen.

„Ich denke, dass wir keine schlechten Chancen haben. Wir wissen natürlich, dass es ein schwieriges Spiel gegen eine sehr gute Mannschaft ist, aber wir haben uns mit dem Auswärtstor keine unmögliche Ausgangsposition geschaffen“, erklärt Grasegger im Gespräch mit LAOLA1.

„Wir werden uns nicht verstecken“

Wichtig wird die richtige Balance aus Offensive und Defensive. Man müsse hinten kompakt stehen, um sich den Vorteil des Auswärtstors nicht zunichte zu machen.

Der 25-Jährige ist jedoch guter Dinge, dass man vor heimischem Publikum mehr Druck als im Hinspiel erzeugen könne: „Wir werden uns nicht verstecken. Im Endeffekt müssen wir auch nach vorne spielen und das Tor, das wir brauchen, erzielen.“

Zweitligist aus Österreich gegen Erstligist aus Bulgarien – ein Leistungsunterschied, der möglicherweise am Papier größer klingt, als er auf dem Platz ist. Selbstvertrauen beziehen die „Wölfe“ aus dem Wissen, dass sie schon im Cup immer wieder höherklassige Vereine ärgerten.

„Dass man Unterschiede erkennt, ist zu erwarten. Aber nur weil sie erste Liga spielen, heißt das nicht, dass wir unsere Heimstärke nicht nutzen und ihnen Probleme bereiten können. Natürlich haben sie Qualität, Bulgarien hat eine gute Liga. Aber wir werden alles geben, vielleicht gewinnt Leidenschaft gegen Talent.“

Nicht schon an PSV Eindhoven denken

Nur einen Fehler dürfe man nicht machen. Schon vor dem Rückspiel gegen Plowdiw an die „Belohnung“ Eindhoven zu denken – wie gegen Botew traf sich St. Pölten kurioserweise übrigens auch mit dem PSV zu einem Kräftemessen in der Vorbereitung.

„Sicher ist dieses Duell eine Motivation, ich habe schon mit Ried einmal in der Europa League in Eindhoven gespielt – ein super Stadion, da will man wieder hin. Aber wir können noch nicht daran denken, was wäre, wenn wir gewinnen. Zuerst müssen wir einmal gewinnen. Das ist Motivation genug.“

Mit Pasching verpasste der Oberösterreicher vor einem Jahr die Sensation gegen Estoril. „Es war eine ähnliche Situation. Wir haben als Underdog im Cup die wichtigen Spiele gewonnen und uns verdient in den Europacup gespielt“, erinnert sich Grasegger, der St. Pölten jedoch in einer besseren Position sieht:

„Ich glaube, dass wir jetzt mehr Chancen im Europacup haben. Mit Pasching haben wir uns zu wenig zugetraut und sind verdient ausgeschieden. St. Pölten ist eine Spur weiter, wir können auch in der zweiten Liga gut mitspielen.“

Kein großer Unterschied zu Baumgartner

Ein Anknüpfungspunkt zwischen beiden Vereinen war Trainer Gerald Baumgartner, der 2013 Pasching zum Cupsieg und 2014 den SKN ins Finale führte, ehe er das Angebot von Austria Wien annahm.

Nachfolger Herbert Gager wiederum übersiedelte von den Veilchen in die niederösterreichische Landeshauptstadt. Große Unterschiede zwischen den beiden Coaches will die Defensivkraft nicht erkennen:

„Natürlich hat jeder Trainer sein eigenes System. Aber wir haben gegenüber der Vorsaison nur ein, zwei Positionen verändert, das ist eh ganz normal. Es sind im Vergleich keine groben Unterschiede, nur Feinheiten. Wir wollen unser Spielsystem durchziehen.“

Rechtsverteidiger statt Innenverteidiger

Eine dieser „Feinheiten“ ist, dass Grasegger unter Gager aus dem Abwehrzentrum rechts in die Viererkette gerückt ist. Eine Rolle, die er mitunter einst schon beim Stammverein SV Ried bekleidete, ehe er sich zuletzt als Innenverteidiger etablierte.

„Mir ist es eigentlich egal. Ich habe Rechtsverteidiger gelernt, bin dann nach innen gerückt. Ich habe immer beides gespielt“, will der Blondschopf die Rochade nicht überbewerten, „es war bei mir noch nie das Problem, dass ich gesagt hätte, ich will oder kann auf einer Position nicht spielen. Das kommt für mich nicht in Frage.“

Im Gegenteil, Flexibilität müsse man groß schreiben: „Ein Spieler, der variabel ist, ist immer gefragt. Das ist auch wichtig für eine Mannschaft. Fällt ein Spieler aus, musst du das kompensieren können.“

Voller Angriff auf die Bundesliga

Wie gefragt Grasegger in Zukunft in der Bundesliga ist, wird sich weisen. 25 Bundesliga-Spiele bestritt er in jungen Jahren für Ried. Nachdem es bei den Innviertlern jedoch nicht zum endgültigen Durchbruch reichte, ließ er sich 2010/11 erst zum SV Grödig verleihen und übersiedelte nach einem glücklosen Halbjahr in Ried Anfang 2012 nach Pasching.

Dort sei er auch als Persönlichkeit gereift: „Am Anfang war es in Pasching kein einfaches Projekt, aber wir haben uns gut etabliert. Man hat halt ein, zwei Jahre reinbeißen müssen, aber ich glaube, es ist besser, ein, zwei Schritte zurückzugehen und zu spielen, als nur zu sagen: Man ist in der Bundesliga, spielt aber nie. Ich glaube, das ist ganz schlecht für einen Jungen. Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung.“

Vergangenen Winter lotste Baumgartner seinen Pasching-Schützling nach St. Pölten: „Es gab ein, zwei Anfragen aus der Bundesliga, aber nichts Konkretes. Ich bin mit Trainer Baumgartner zusammengesessen. Er hat mir das vorgeschlagen, und es war die beste Lösung für mich, weil ich gewusst habe, in St. Pölten kann ich Spielpraxis sammeln und wieder einen Schritt machen.“

Von der Liga her soll es nur ein Zwischenstopp bleiben, denn das persönliche Ziel Graseggers ist klar: „Voller Angriff: In nächster Zeit möchte ich noch einmal den Schritt in die erste Liga wagen.“

Ein Aufstieg mit St. Pölten wäre so gesehen wohl das Idealszenario…


Peter Altmann

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