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Fjørtoft: "Erfahrung ist Rosenborgs große Stärke"

156 Mal streifte er in Pflichtspielen das Trikot des SK Rapid über, 85 Mal traf der Stürmer für die Grün-Weißen ins Schwarze – und noch heute hängt sein Herz am Ex-Klub.

Jan Åge Fjørtoft prägte die frühen 90er Jahre und wurde in Hütteldorf zur Ikone. Von da an startete er seine Weltkarriere, heute arbeitet der 45-jährige Norweger in seiner Heimat und in Deutschland als TV-Experte.

Für LAOLA1 nahm sich der sympathische Sprücheklopfer Zeit, um seine Expertenmeinung zum Europa-League-Duell zwischen Rapid und Rosenborg Trondheim abzugeben.

Was blieb von Rosenborgs glorreichen Zeiten? Auf wen muss Rapid besonders aufpassen und was haben Trolle damit zu tun? Die Antworten gibt es im großen LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Rapid trifft am Donnerstag auf Rosenborg. Was erwartet deinen Ex-Klub?

Jan Åge Fjørtoft: Rapid erwartet eine Mannschaft mit sehr viel Erfahrung in Europa, die aber nicht mehr so gut ist, wie sie einmal war. Sie haben sich in letzter Zeit mehr gefunden und zuletzt 3:0 gegen Vaalerenga gewonnen. Da haben sie gut gespielt, das Spiel habe ich im TV gesehen. Die Stürmer schießen nicht genügend Tore, nur Rade Prica ist nach seinen zwei Toren gegen Oslo gut in Schuss.

LAOLA1: Was zeichnet die aktuelle Mannschaft von Rosenborg aus?

Fjørtoft: Rosenborg hat sich im Transferfenster gut verstärkt. Sie haben mit Tarik Elyounoussi einen norwegischen Nationalspieler geholt, der über Heerenveen und seinen Heimatverein Fredrikstad zu Rosenborg gekommen ist. Mit Mikkel Diskerud haben sie einen US-Norweger geholt, der ein guter Fußballer ist und ein bisschen das Spiel im Mittelfeld steuert. Sie haben sich gut verstärkt und können dieses Jahr wieder Meister werden, nachdem es letztes Jahr Molde war. Das werden sich drei Mannschaften ausmachen.

LAOLA1: In der EL-Quali musste Rosenborg vier Runden überstehen, kam zwei Mal nur mit Mühe weiter. Kommt da die internationale Erfahrung zum Tragen?

Fjørtoft: Erfahrung ist in Europa sehr wichtig. Es gibt genug Leute im Verein, die sich international gut auskennen. Man sieht auch in der Champions League, dass sich die Mannschaften mit besserer Erfahrung gut schlagen. Das ist die große Stärke von Rosenborg.

LAOLA1: Große Namen wie früher sucht man vergeblich. Wer sticht trotzdem besonders heraus?

Fjørtoft: Prica ist ein guter Stürmer, dazu Elyounoussi. Außerdem haben sie mit Jonas Svensson einen jungen Spieler – ein hervorragendes Talent in Norwegen. Er ist ein Kämpfer im Mittelfeld. Aus alten Zeiten kennt man noch Steffen Iversen, der aber auf der Bank sitzt und mit seinen 35 Jahren Joker für den Verein ist. Aber er ist im Kader immer dabei. Mit Mikael Dorsin haben sie außerdem noch einen schwedischen Nationalspieler.

LAOLA1: Die glorreichen Zeiten sind aber definitiv vorbei – oder täuscht das?

Fjørtoft: Natürlich sind sie vorbei, sie spielen jetzt nicht in der Champions League. Es ist eigentlich einmalig in der Geschichte der Champions League, dass eine Mannschaft wie Rosenborg dort war. Sie haben am Anfang nicht nur mit fast ausschließlich Norwegern, sondern vor allem mit Spielern aus der Region Trondheim gespielt. Das war einmalig und jetzt versucht man sich wieder langsam eine neue Mannschaft aufzubauen.

LAOLA1: Lebt Rosenborg trotzdem noch von dem Ruf, den man sich mit beeindruckenden Leistungen Ende der 90er erarbeitet hat?

Fjørtoft: Rosenborg hatte eine klare Spielphilosophie und mit Nils Arne Eggen einen Trainer, der diese Spielweise sehr klar umsetzte. Sie haben ein überragendes Offensivspiel gehabt. Trondheim hat 3:0 auswärts in Dortmund und auch in Mailand gewonnen. Real Madrid haben sie zu Hause geschlagen. Beeindruckend war, dass sie das mit ihrem eigenen Spiel geschafft haben. Das hat sie damals ausgemacht.

LAOLA1: Was ist speziell an diesem Klub und welchen Ruf genießt er?

Fjørtoft: Rosenborg ist einfach DIE große Mannschaft in Norwegen. Sie haben sich durch diese Leistungen in der Champions League einen super Namen in Norwegen gemacht. Man hat die Mannschaft dann auch immer international unterstützt und war sehr stolz, obwohl meine Mannschaft Lilleström war – der Hauptkonkurrent von Rosenborg. Eggen war gefühlte 50 Jahre im Verein und sitzt noch heute auf der Tribüne und folgt jedem Schuss.

LAOLA1: Wie verbreitet ist Rosenborgs Spitzname „Trollkinder“ (Troillongan)?

Fjørtoft: Dann und wann wird es schon verwendet, wenn sie Spiele und Meisterschaften gewinnen oder Lieder anstimmen. Aber der Spitzname wird sonst nicht so oft benützt.

LAOLA1: Ein Geisterspiel ist wohl auch für Rosenborg Neuland. Wie schade ist das für den Fußball?

Fjørtoft: Wenn es gut für den Fußball wäre, hätten wir das jedes Spiel gemacht. Rosenborg hätte sicher gerne volle Ränge im Happel-Stadion gehabt. Der Verein kennt es, viele Leute auf den Tribünen zu haben. Aber es ist sicher ein Vorteil für Rosenborg, dass die Rapid-Anhänger ihre Mannschaft nicht unterstützen können.

LAOLA1: Zu Rapid: Verfolgst du deinen Ex-Klub noch und pflegst alte Kontakte?

Fjørtoft: Ich verfolge natürlich die Ergebnisse und schaue mir die Spielberichte an. Ich habe Rapid, wo jetzt mit Peter Schöttel ein ehemaliger Teamkamerad und guter Freund Trainer ist, zum letzten Mal im Herbst gegen Salzburg gesehen. Ich kann nicht einschätzen, ob sie Chancen haben, da ich sie seitdem zu wenig gesehen habe. Aber natürlich hofft man das Beste für den Verein.

LAOLA1: Also hängt dein Herz noch immer ein wenig an Rapid.

Fjørtoft: Ja, klar. Ich habe ja bei vielen Vereinen im Ausland gespielt, aber bei Rapid war ich sehr jung und frisch verheiratet, als ich mit 22 Jahren nach Wien gekommen bin. Wien hat sozusagen meine Profi-Karriere sehr geformt. Ich habe auch das Glück gehabt, dass ich Hans Krankl als Trainer hatte. Als Stürmer war das sehr entscheidend für mich, da ich viele Tricks von ihm lernen konnte. Für das bin ich sehr dankbar.

LAOLA1: Du bist viel unterwegs – und bleibst dem Fußball als Experte erhalten.

Fjørtoft: Ich habe in Norwegen eine Kommunikationsfirma, die 50 Prozent - von dem was ich mache - einnimmt. Die anderen 50 Prozent sind Fußball im Fernsehen. Das mache ich in Deutschland und die Champions League in Norwegen.

LAOLA1: Wirst du das Spiel zwischen Rapid und Rosenborg verfolgen?

Fjørtoft: Ich werde mir das Spiel natürlich im Fernsehen anschauen, das reicht. Dann werde ich überlegen, ob es terminmäßig passt, dass ich zum Rückspiel in Trondheim sein kann. Das würde mich sehr freuen.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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