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Die Basler Rakete

In der Schweiz nennen sie ihn einen „Spektakel-Spieler“.

Wer Mohamed Salah schon einmal auf seine flinken Beine geschaut hat, kann das nachvollziehen.

Wenn der Ägypter im Trikot des FC Basel zum Sprint ansetzt, bleibt einem schon mal der Mund vor Erstaunen offen. Dieser Mann geht ab wie eine Rakete.

"Er erläuft sich den Ball sowieso"

„Die Pässe auf ihn müssen nicht einmal sehr präzise sein. Er erläuft sich den Ball sowieso“, schmunzelt sein Mitspieler Marco Streller.

Seine Gegner haben indes weniger zu lachen. Zuletzt musste Brad Friedel, Tottenham-Goalie, nach dem 2:2 im EL-Hinspiel an der White Hart Lane zugeben: „Er hat uns eine Menge Probleme bereitet.“ Das Boulevard-Blatt „The Sun“ fand, dass er „das Gleichgewicht einer Ballerina aufwies“.

"Für jeden Gegner ein Stressfaktor"

Heiko Vogel, jener Coach, der den 20-Jährigen im Sommer von den Arab Contractors nach Basel geholt hat, sagt: „Mit seinem Speed ist er für jeden Gegner ein Stressfaktor. Und Geschwindigkeit ist im modernen Fußball sehr wichtig.“

Der Flügelspieler, der manchmal links, manchmal rechts zum Einsatz kommt, ergänzt: „Aber Schnelligkeit alleine reicht nicht, um es ganz nach oben zu schaffen.“

Absagen an Espanyol und Newcastle

Und das will der 20-fache Internationale, der sich im Sommer trotz Angeboten von Espanyol und Newcastle sowie den ägyptischen Top-Klubs Al-Ahly und Zamalek für einen Wechsel zum FCB entschieden hat.

Warum? „Weil das ein großer Klub ist. Ich habe die Spiele gegen Manchester United und Bayern schon in Ägypten im TV gesehen. Danach war für mich klar, dass ich so schnell wie möglich hin will“, begründet er.

"Mir fehlt die nötige Spielintelligenz"

Streller nennt den jungen Mann, der in seiner neuen Heimat schon nach ein paar Partien zu den großen Publikumslieblingen zählte, einen „Instinkt-Fußballer“.

Aus Salahs Sicht nicht unbedingt ein Kompliment: „Mir fehlt noch die nötige Spielintelligenz, um einzelne Situationen richtig einzuschätzen. Oft handle ich auf dem Feld intuitiv, statt das Spiel besser zu lesen, und entscheide mich ab und an für die schlechte Variante. In diesem Bereich muss ich mich verbessern.“

Den Ruf eines Chancentods

Tatsächlich spielt der Kopf von Afrikas Nachwuchsspieler des Jahres 2012 noch nicht immer ganz mit. Neben dem Attribut „Spektakel-Spieler“ geistert nämlich auch noch ein zweites durch die Medien: Chancentod.

„Ich bin im Abschluss manchmal ein bisschen unglücklich. Es ist eine Frage der Konzentration“, so Salah. Fakt ist, dass die Ausbeute aus den bisherigen 36 Pflichtspielen für den FC Basel weitaus üppiger ausfallen hätte können, als die sieben Tore, die er bisher verbuchen konnte.

Das sollte aber nicht überbewertet werden. Schweizer Medien führen neben Salahs geringen Alters auch die Umstellung vom afrikanischen Leben und Fußball auf europäische Verhältnisse als mindernden Umstand an.

"Ich habe mich hier zu integrieren"

„Es war schon immer ein großer Traum von mir, nach Europa zu gehen, und ich bin mir bewusst, dass ich mich hier zu integrieren habe. Ich respektiere und akzeptiere alle Menschen auf der Welt, egal ob arm oder reich, ob schwarz oder weiß, ob gläubig oder nicht.“

„Trotzdem möchte ich mir selber treu bleiben. Ich bin Muslim und werde meinen Glauben weiter leben“, sagt Salah, der fünf Mal am Tag betet und die Regeln des Fastenmonats Ramadan penibel einhält.

Die ersten Schritte in Europa sind also getan. Es wäre keine Überraschung, würde es für die Basler Rakete schnell weiter nach oben gehen.


Harald Prantl

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