Der Heimkehrer und das Fragezeichen

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Es muss ja nicht gleich ein schlechtes Omen sein.

Der Salzburger Ersatz-Mannschaftsbus, der echte war schon in Spanien, wollte am Mittwoch einfach nicht anspringen, so mussten die Kicker und Betreuer nach dem Training mit ihren Privatautos zum Flughafen fahren.

Am Donnerstag soll der Motor freilich nicht stottern, wenn der Meister im Hinspiel des Europa-League-Sechzehntelfinals beim spanischen Sechsten aus Villarreal (21:05 Uhr) gastiert.

Vor allem bei einem nicht, bei „El Capitan Catalan“. Jonatan Soriano, Anfang 2012 von FC Barcelona B nach Salzburg gewechselt, kehrte in seine spanische Heimat zurück.

Der Katalane wurde auch prompt von einem Autogrammjäger empfangen. Immerhin.

Besonders macht die Rückkehr der Umstand, dass seine Frau und deren Familie aus dem 45 Autominuten entfernten Valencia, wo die Mannschaft samt Tross landete, stammt.

Sorianos Heimkehr

„Ich freue mich, meine Familie wieder zu sehen. Aber um das geht es nicht. Ich habe viel Lust auf das Spiel, die ganze Mannschaft hat viel Lust drauf“, geht der Kapitän standesgemäß voran.

Nach den Abgängen von Kevin Kampl und Alan sind die „Bullen“ bei den „Gelben U-Booten“, die nur drei ihrer letzten 22 Pflichtspiele verloren, Außenseiter und zeigen selbstredend auch Respekt.

„Villarreal hat bewiesen, dass es eine großartige Mannschaft hat. Sie kamen aus der zweiten Liga, wo es sehr schwierig ist, erfolgreich zu sein. Obwohl Castellon eine kleine Region ist, haben sie dennoch ein wettbewerbsfähiges Team geschaffen und immer wieder Spieler hervorgebracht.“

Soriano sieht freilich aber auch Chancen für den Gruppensieger aus Österreich. „Wir haben klar unseren Stil und klar unser System. Wir sind bereit für dieses Spiel, wir haben dafür gearbeitet und der Trainer hat uns darauf vorbereitet. Egal gegen wen es geht, wir wollen eine Runde weiter.“

Das Salzburger Spiel spielen

Das Rezept ist für ihn klar. „Wir müssen genau das tun, was wir in den letzten Jahren auch gemacht haben. Wir müssen zweikampfstark sein, besonders viel Druck machen, gegen den Ball arbeiten, versuchen, ihn so früh wie möglich zu erobern und schnelle Konter einleiten. Genau das sind unsere Stärken und unser Stil. Immer wenn wir in der Europa League spielen, kommt die Motivation von ganz alleine. Wir werden gegen Villarreal alles geben und das wird sicherlich auch notwendig sein.“

Soriano vertraut dabei voll und ganz seinem „neuen“ Team.

„Wir müssen es als Mannschaft richten. Wir haben junge Spieler, die viel Qualität haben und wir erwarten viel von ihnen“, so Soriano, der mit seiner Vertragsverlängerung auch ein Zeichen setzte.

Soriano ist und wird mit seinen Leistungen die Gallionsfigur bleiben. Vielleicht bis zu seinem Karriereende? „Das weiß ich noch nicht, aber ich werde nicht jünger. Warum nicht?“, grinst er.

Hütter hat Aufstellung im Kopf

Trainer Adi Hütter hat eine andere Frage für sich schon geklärt. „Die Aufstellung habe ich im Kopf, aber die werde ich erst am Donnerstag bekanntgeben“, meinte der 45-Jährige vor dem Abflug.

18 Mann machten sich auf den Weg nach Spanien. Im Gegensatz zum Kader in Wiener Neustadt (2:0) fehlt neben Konrad Laimer, der für den Frühjahrsauftakt von Liefering in einem Test gegen Bayern II Spielpraxis sammeln wird, auch Neuzugang Takumi Minamino (Adduktorenverletzung).

„In so einem wichtigen Spiel können nur Spieler, die zu 100 Prozent fit sind, mitkommen“, sagt Hütter, der sich offenbar schon entschieden hat, wer anstelle des Japaners auflaufen wird.

Klar ist, Andre Ramalho und Christoph Leitgeb („Bin wieder voll fit“) werden in die Startelf zurückkehren. Auch ob der Kompaktheit des Gegners im Zentrum wird das System wohl wieder auf ein 4-2-2-2 hinauslaufen. Links offensiv ist Massimo Bruno gesetzt, und wer spielt rechts?

Einige Kandidaten für vakante Position

Einige Kandidaten gibt es: Valentino Lazaro wäre ein logischer Kandidat, der aber nach seiner Bundesheer-Zeit noch Aufholbedarf hat, auch wenn er (verständlicherweise) meint: „Ich bin bereit, habe ja auch nicht viel versäumt und fühle mich fit.“

Der physisch starke Marcel Sabitzer könnte zurückgezogen werden und an seiner Stelle Neuzugang Marco Djuricin im Sturm sein RBS-Startelf-Debüt geben. Die wohl wahrscheinlichste Variante.

Außenseiter-Chancen haben Valon Berisha und auch Felipe Pires, „Seine Schnelligkeit ist seine große Stärke“, sagt Hütter, der den 18-Jährigen aber wohl nicht in diesem wichtigen Spiel ins kalte Wasser werfen wird, außer Villarreals anfällige linke Abwehrseite mit Jaume Costa ist es ihm wert.

Eine Aufstellung Naby Keitas, der in Wr. Neustadt überzeugte, könnte das System verändern.

„Wir haben die Stärken und Schwächen Villarreals analysiert“, sagt Hütter, der vor allem auch defensiv eine gute Leistung sehen will. „Wir waren in Wiener Neustadt sehr kompakt und haben dort wenig zugelassen. Das wird auch am Donnerstag sehr wichtig sein.“

Ein Tor tut in der Regel nicht nur dem Spiel gut, sondern auch Salzburg auswärts im Hinspiel einer K.o.-Phase. Das wird sich schwierig erweisen, hat Villarreal doch zu Hause eine über 700 Minuten andauernde Torsperre.

„Sie sind zu Hause irrsinnig stark, haben zuletzt nur ganz wenige Spiele verloren und kriegen kaum Gegentore. Wir versuchen eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel zu erlangen.“

Hütter weiß um jene vor dem Hinspiel Bescheid: „Villarreal hat vielleicht den Vorteil, dass es mehr Pflichtspiele hatte. Aber sie spielen zu Hause, sind Favorit und unter Druck.“

 

Aus Valencia berichtet Bernhard Kastler

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