"Der passende Satz ist: Ich war jung und dumm"

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Am Donnerstag hat Marcel Holzmann mit dem SKN St. Pölten die Gelegenheit, in der Europa-League-Qualifikation den PSV Eindhoven zu fordern.

Nicht sein erster Kontakt mit der großen Fußball-Welt. 2010 heuerte er von den Red Bull Juniors kommend bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern München an und stand bisweilen auch mit den Profis unter Anleitung von Coach Louis van Gaal auf dem Trainingsplatz.

Aufgrund von Schwierigkeiten mit dem damaligen Amateur-Trainer Hermann Gerland verabschiedete sich der Linksverteidiger nach nur einem halben Jahr in Richtung FC Lustenau – eine Entscheidung, die der 23-Jährige gerne rückgängig machen würde, wie er im LAOLA1-Interview verrät.

Nur aufgeschoben und nicht aufgehoben ist indes sein großes Ziel, das er seit dem Abschied aus München verfolgt, nämlich in der Bundesliga unterzukommen.

LAOLA1: Was macht dich zuversichtlich, dass es mit dem Wunder gegen PSV Eindhoven klappt?

Marcel Holzmann: Erstens das ausverkaufte Stadion. Das pusht uns enorm. Zweitens, dass wir im Hinspiel gesehen haben, dass wir mithalten können, genauso zu unseren Chancen gekommen sind. Wir haben leider ein blödes Tor bekommen. Aber im Rückspiel ist alles offen. Wenn wir an die Leistung von Eindhoven und vom Heimspiel gegen Plovdiv anknüpfen, jeder für den anderen kämpft und rennt, wir uns etwas zutrauen, ist alles möglich.

LAOLA1: Plovdiv verdient eliminiert, in Eindhoven eine gute Figur gemacht: Wie gelingt es euch, den Niveauunterschied, den es am Papier natürlich gibt, so gering wie möglich zu halten?

Holzmann: Das sind auch nur Menschen. Rennen und kämpfen kann jeder - das können wir auch. Wenn wir das abrufen, was wir können, können wir jedem Gegner das Leben schwer machen und ihm Schmerzen bereiten. Wichtig ist, dass wir voll an unsere Grenzen gehen. Das Spielerische kommt dann von alleine.

LAOLA1: Beim 0:4 in Mattersburg ist euch das nicht gelungen. Kann man diese Partie als Ausrutscher abhaken?

Holzmann: Das war sicher ein Ausrutscher, der so auch nicht mehr passieren wird. Der Trainer hat das Spiel bereits analysiert, darüber wird nicht mehr viel geredet. Die Doppelbelastung darf dafür auch keine Ausrede sein, denn dafür spielen wir Fußball. Wenn du jedes Jahr international spielst, hast du jedes Jahr solch einen Rhythmus.

LAOLA1: Du persönlich hast einen sehr interessanten Wechsel im Lebenslauf. 2010 hast du beim FC Bayern II angeheuert. Wie kam es zu diesem Engagement?

LAOLA1: Warum bist du eigentlich nur ein halbes Jahr bei den Bayern geblieben?

Holzmann: Wenn ich ganz ehrlich bin: Im Endeffekt bereue ich es, dass ich gegangen bin. Der passende Satz ist einfach: „Ich war jung und dumm!“ Heute würde ich es nicht mehr so machen. Es hat ein paar Probleme mit Trainer Hermann Gerland gegeben. Wie man weiß, ist sein Spitzname „Tiger“, und er ist wirklich ein Tiger. Ich bin nicht mehr so mit ihm zurechtgekommen und wollte nur noch weg, wobei das für mich persönlich kein guter Wechsel war, denn Gerland ist wenig später weggegangen. Ich kann es nicht mehr rückgängig machen. Unterm Strich war es eine super Zeit, aber wenn ich noch einmal 19 Jahre alt und bei den Bayern wäre, würde ich es anders machen.

LAOLA1: Du hast damals auf deiner Position als Linksverteidiger als großes Talent gegolten. Inwiefern ist für dich die Zeit reif, endlich in der Bundesliga zu spielen?

Holzmann: Ich will unbedingt in die Bundesliga kommen! Ob mit St. Pölten oder einem anderen Verein. Natürlich willst du immer mit dem eigenen Verein aufsteigen, das ist das Schönste. Seit ich von den Bayern weggegangen bin, ist es mein Ziel, dass ich in die Bundesliga komme. Bislang ist nichts daraus geworden. Aber ich gebe von Jahr zu Jahr Gas und schaue, dass ich meine Leistungen bringe. Mehr kann ich nicht machen. Ich hoffe, dass es irgendwann einmal klappt.

LAOLA1: Hat es nie konkrete Anfragen gegeben?

Holzmann: Es hat schon Anfragen gegeben, auch in diesem Sommer, aber es war im Endeffekt nichts Konkretes, sondern nur lockere Gespräche. Als ich in Lustenau war, gab es einmal Gespräche mit Kapfenberg, als sie noch in der Bundesliga spielten. Das waren schon konkretere Gespräche. Aber ein fixes Angebot hatte ich noch nicht.

LAOLA1: Umso besser, dass ihr euch derzeit international präsentieren und Werbung in eigener Sache betreiben könnt.

Holzmann: Für uns Spieler ist es die größte und beste Plattform, wenn du als Zweitligist international spielst, vor allem wenn wir solche Leistungen wie gegen Plovdiv oder in Eindhoven bringen. Da müssten ein paar Trainer aufmerksam werden, wenn du als Zweitligist gegen solche Mannschaften spielst und sie vielleicht raushaust.

LAOLA1: Was wäre der richtige Begriff dafür, wenn ihr Eindhoven tatsächlich eliminieren würdet? Wunder?

Holzmann: Wunder ist schon ein gutes Wort. Ich glaube, es wäre die größte Sensation, die es im österreichischen Fußball gegeben hat, wenn ein Zweitligist ins Europa-League-Playoff kommt. Das wäre ein Wahnsinn!


Das Gespräch führte Peter Altmann

Holzmann: Mit Niko Kovac war damals ein Ex-Bayern-Spieler mein Trainer. Wir wussten bereits, dass die Red Bull Juniors absteigen müssen. Mit Ludwig Kögl hatte ich einen deutschen Berater, der ebenfalls ein ehemaliger Bayern-Spieler war. Hermann Gerland hat eines unserer Spiele beobachtet. Er hat eigentlich einen Innenverteidiger gesucht, ich habe ihm aber anscheinend ganz gut gefallen. Dann hat mich Werner Kern (damaliger Nachwuchsleiter der Bayern; Anm.d.Red.) angerufen, ob ich Lust habe, zu den Bayern zu wechseln. Da sagst du natürlich nicht Nein. Im Endeffekt war es eine super Erfahrung für mich, ich habe extrem viel gesehen und erlebt. Das ist eine ganz andere Fußball-Welt. Das kannst du nicht vergleichen, was sich da alles abspielt. Wenn du dort als kleiner Österreicher hinkommst…

LAOLA1: Wie darf man sich den Kontakt mit der Profi-Abteilung vorstellen?

Holzmann: Im Sommer waren wir mit den Profis im Trainingslager in Trentino, haben die Vorbereitung fast nur mit ihnen absolviert. Trainer war damals Louis van Gaal. Das kann man nicht beschreiben, wenn du mit den Superstars, die du nur aus dem Fernsehen kennst, auf dem Platz stehst. Was mich beeindruckt hat, war, dass alle Spieler so nett und charakterlich in Ordnung sind und auch die Jungen super aufgenommen haben. Ich selbst war damals erst 19 Jahre alt. Es war das Beste, was ich machen konnte, zu den Bayern zu wechseln, dass ich das alles einmal sehen darf. Wenn zum Beispiel beim Trainingsstart an der Säbener Sraße 3000 Leute zuschauen - das gibt es sonst fast nirgendwo.

LAOLA1: Welcher Star war mit Tipps am offenherzigsten?

Holzmann: Ich habe natürlich viel mit David Alaba gemacht. Es gibt aber keinen Einzelnen, der dir Tipps gibt oder herkommt und sagt: „Mach das oder das.“ Im Training helfen dir eigentlich alle, alle sind mannschaftsdienlich. Ob das ein Franck Ribery ist oder ein Daniel van Buyten, mit dem ich viel geredet habe. Wir hatten beide Probleme mit einem Faserriss. Das sind alles super Typen.

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