Ist diese Mannschaft schon so weit?

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Heute geht es um die sprichwörtliche Wurst.

Im Rückspiel des Europa-League-Sechzehntelfinals will Red Bull Salzburg vor eigenem Publikum die hohe Hürde namens FC Villarreal nehmen und nach dem 1:2 in Spanien noch aufsteigen.

„Wir müssen in absoluter Topverfassung sein, um diesen Gegner zu bezwingen“, sagte Trainer Adi Hütter am Mittwoch (Hier zur Story). Normalform wird am Donnerstag definitiv nicht reichen.

Ist diese Mannschaft schon so weit?

Vor allem nach den Abgängen der Schlüsselspieler Kevin Kampl und Alan. Im Sommer bestand „Salzburg alt“ die Reifeprüfung im CL-Playoff gegen Malmö aus diversen Gründen nicht.

Nun ist es eine neue Art von Reifeprüfung: Kann die Mannschaft solche Abgänge tatsächlich im Kollektiv ersetzen? In Villarreal konnte diese Frage teilweise mit „Ja“ beantwortet werden, vor allem, wenn man bedenkt, dass es für Salzburg erst das zweite Spiel nach der Winterpause war.

Ist diese Mannschaft schon so weit, ein La-Liga-Kaliber wie Villarreal aus der Europa League zu werfen? Mit Peter Gulacsi, Andreas Ulmer, Martin Hinteregger, Christian Schwegler, Andre Ramalho und Jonatan Soriano werden sechs Spieler auflaufen, die schon 2013/14 dabei waren.

Hat Trainer Adi Hütter seinem Team den richtigen Plan auf den Weg mitgegeben? Das alles wird sich ab 19 Uhr klären. LAOLA1 nennt Faktoren für einen möglichen Aufstieg.

  • EISKALT SEIN

Salzburg kam in Villarreal zu guten Chancen und hat auch das eine, wichtige Auswärtstor erzielt. „Das stimmt mich zuversichtlich“, sagt Sportchef Ralf Rangnick, der meint: „Das Spiel hätte 5:5 ausgehen können.“ Zumindest drei Salzburg-Tore wären tatsächlich drin gewesen, Neuzugang Marco Djuricin scheiterte dabei zwei Mal aussichtsreich. „Wir haben dort klare Chancen nicht verwertet, das war unglaublich. Die müssen wir am Donnerstag machen“, spricht Rangnick klar an. Durch seine Ära zieht sich das Thema Chancenverwertung wie ein roter Faden. Gegen diesen dichten, kompakten Villarreal-Block müssen die wenigen Möglichkeiten eiskalt genützt werden, andernfalls ist in Europa Endstation. Von den „Fantastischen Vier“ der vergangenen Saison – Kampl, Mane, Alan und Soriano – ist nur noch „El Capitan Catalan“ übrig geblieben. Massimo Bruno, Marcel Sabitzer und Marco Djuricin sind in die anderen Fußstapfen getreten. Sie können beweisen, dass sie ihnen nicht zu groß sein werden. Dafür muss sich vor allem Bruno steigern.

  • CLEVER AGIEREN

Alle drei Mal konnte Red Bull in seiner bald zehnjährigen Fußball-Geschichte schon einen 1:2-Rückstand international zu Hause aufholen. Ansonsten war in K.o.-Duellen nach Niederlagen Endstation. Und das Wichtige: Es gelang auch schon in dieser Saison und das mit dem Gros des heutigen Kaders. In der Champions-League-Quali verlor man das erste Spiel bei Qarabag in Baku 1:2, um zu Hause 2:0 gewinnen. Martin Hinteregger, der Fels in der Salzburger Brandung, erzielte beide Treffer zum 2:0-Heimsieg. Gegen Villarreal reicht auch schon ein 1:0. Was bedeutet: Man könnte eigentlich Geduld haben. Doch der Salzburger Pressing-Stil lässt sich mit Geduld kaum vereinbaren. Nichtsdestoweniger heißt es, in manchen Situationen mehr Cleverness zu zeigen. Auch wenn das Pressing konsequent ausgeführt werden soll, muss man in manchen Phasen zur Ruhe kommen: „Wir müssen die Ausgewogenheit finden, ihnen auch einmal den Ball überlassen, um sie dann auch gezielt zu attackieren“, sagt Schwegler. Offensiv wird es erneut wichtig sein, es nicht stur durch die so dichte Mitte zu probieren. Sollte es für die Außenverteidiger möglich sein, kann der erfolgreiche Weg ruhig über die Außen führen. „Gezieltes Risiko“ (Hütter) trifft es ganz gut. Die Mannschaft ist jung, aber sie muss verstehen, dass es auch reicht, etwa in Minute 84 das 1:0 zu erzielen. „Wir haben 90 Minuten Zeit, das Ergebnis zu gestalten“, so Hütter. Heißt, nicht ins offene Messer Villarreals zu laufen. Die lauern auf den Konter. Es wird in jedem Fall interessant zu sehen, wie diese junge Mannschaft in solch einem „Finale“ gegen so ein Kaliber agieren wird.

  • KEINE BILLIGEN FEHLER

Es ist, wie es ist: Gegen so einen Gegner sind diese billigen Fehler abzustellen. Andre Ramalho sorgte im Hinspiel für mehrere solcher, die sich glücklicherweise nicht allzu sehr im Ergebnis niederschlugen. Ried nützte am Sonntag einen Bock von Youngster Duje Caleta-Car. Salzburg ist immer wieder für ein Tor gut, aber auch für ein Gegentor. In den internationalen Heimspielen kassierten die „Bullen“ in vier von fünf Heimspielen zumindest eines. Gegen Celtic (2:2) und Zagreb (4:2) deren zwei. Mit Villarreal kommt die gefährlichste Offensivmannschaft in dieser Saison nach Salzburg. Luciano Vietto und Denis Cheryshev haben im Hinspiel bewiesen, warum der eine etwa von Liverpool gejagt wird und der andere eine Real-Leihgabe ist. Im 1 gegen 1 kann diese Aufgabe nicht gelöst werden. „Wir müssen versuchen, sie gemeinsam als Mannschaft aus dem Spiel zu nehmen“, fordert Hütter. Das hat im Hinspiel nicht immer geklappt. „Wir müssen uns da steigern“, weiß auch Schwegler, der sich wieder mit Cheryshev herumschlagen darf. Wichtig: Keine unnötigen Ballverluste im Spielaufbau, sonst kann es ganz schnell nach hinten los gehen.

  • ALLES INVESTIEREN

An Einsatz wird es in diesem Spiel von Salzburger Seite sicherlich nicht mangeln. Doch sollte man sich besonders in diesem Spiel – wie von Hütter gefordert – wirklich in jeden Schuss werfen und sich gegen jeden Angriff mit allem, was man hat, zur Wehr setzen. Denn: Sollte es am Donnerstag vorbei sein, haben die „Bullen“ bis Juni „nur“ noch Bundesliga und ÖFB-Cup. Die europäischen Highlights wären vorbei und man wäre früher als vergangene Saison wieder TV-Zuseher. Die Katerstimmung wäre vorprogrammiert. Zudem kämpft Salzburg auch um Österreichs fünften Europacup-Startplatz. Um das Letzte aus der Mannschaft zu holen, dafür werden auch die 25.000 Fans im Stadion gefordert sein. Oft entscheiden in K.o.-Duellen Kleinigkeiten – und sei es die durch die Fans für wenige Minuten ausgelöste zweite Luft der Mannschaft. Ein Aufstieg wäre eine positive Überraschung. Wer den Sechsten aus La Liga eliminiert, darf sich dann bei entsprechender Auslosung aber Hoffnungen machen, noch eine Runde weiterzukommen. „Es ist schön, auf diesem Niveau zu spielen“, weiß Rangnick. Es warten 90 oder mehr hochintensive Minuten auf Salzburg, in denen man sich selbst belohnen und es den Kritikern beweisen kann. Denn nur die wenigsten rechnen damit, dass Salzburg mit dieser Mannschaft wirklich schon so weit ist, Villarreal zu besiegen.

 

Bernhard Kastler

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