#MännerMüssenHer

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Es ist das Spiel des Jahres für Red Bull Salzburg.

Und so eines wollte der Meister eigentlich gar nicht. Denn zum einen geht es um den Einzug in die Gruppenphase der Europa League und nicht um jenen in die Champions League.

Zum anderen wollten es die „Bullen“ im Hinspiel nie so weit kommen lassen, um nun nach einem 0:2 bei Dinamo Minsk mit dem Rücken zur Wand zu stehen.

Dem ist nun aber so und die Salzburger müssen am Donnerstag (20:30 Uhr) im Rückspiel ihren Mann stehen. Internationaler Herbst oder nur Bundesliga und Cup?

LAOLA1 mit den Brennpunkten:

DIE FASZINATION EUROPA. So tituliert Trainer Peter Zeidler seit Beginn weg das Vorhaben, in einer Gruppenphase im Herbst zu spielen. Das oft zitierte Anmeldeformular für die Champions League war neuerlich ungültig, nun soll die von Salzburg eigentlich geliebte Europa League herhalten. Aber auch die Teilnahme an dieser wackelt nach der 0:2-Hinspiel-Niederlage von Brest gehörig, fingen sich die Gäste doch zwei unnötige Gegentore ein, vor allem jenes in der Nachspielzeit. „Wir haben noch alle Chancen“, spricht Zeidler seit einer Woche sein Team stark. Während Christian Schwegler von einem „Malmö-Wunder“ sprach (einem 0:2 auswärts ein 3:0 zu Hause folgen zu lassen, so wie Malmö eben gegen Salzburg), wollte Zeidler zu Recht nicht so weit gehen. Es wäre sicherlich kein Wunder, Minsk mit drei Toren Unterschied zu Hause zu schlagen. Schwierig wird es aber allemal. Zeidler und Tormann Alexander Walke gaben am Mittwoch einen interessanten, weil für Salzburg unüblichen Plan aus: „Wir sollten ein ruhiges Spiel machen und bei 0:0 in der Halbzeit nicht in Hektik verfallen.“ Der Double-Sieger könnte erstmals seit 2012 eine Gruppenphase verpassen. Damals scheiterte man unter Trainer Roger Schmidt an Düdelingen in der zweiten CL-Quali-Runde, es folgte ein großer Umbruch sowie eine titellose Saison. Diese diente allerdings als Fundament für die folgende, die beste in der RB-Ära.

DIE CHANCEN-KREATION. Zumindest drei Tore sind von Nöten. In dieser Saison gelang es bislang nur in zwei Spielen, mehr als zwei Tore zu erzielen. Im Cup in Deutschlandsberg (7:0) und bei damals inferioren Riedern (4:1). Dafür wurden in sechs von zehn Spielen zumindest zwei Tore erzielt. In Brest war Salzburg in der ersten Hälfte drückend überlegen, konnte sich aber keine Chancen herausspielen. Daran wurde gefeilt. „Wir haben daran gearbeitet. Es gab einen Schwerpunkt im Training, wie wir Chancen kreieren“, verriet Zeidler. Im Normalfall kehrt mit Jonatan Soriano der Top-Torjäger in die Startelf zurück. Vor seinem 150. Spiel als „Bulle“ hält der spanische Kapitän bei 131 (!) Toren. Jeder weitere Kommentar überflüssig. Dennoch sagt Andreas Ulmer auch zurecht: „Er kann die Bälle gut halten, das ist das, was wir brauchen.“ An seiner Seite werden Yordy Reyna, Smail Prevljak, Dimitri Oberlin oder Marco Djuricin spielen, der wieder fit ist und seine Abschiedsvorstellung geben könnte. Schließlich folgt am Freitag ein Gespräch über seine Zukunft (Vertrag bis 2018), die nach acht Monaten wenig überraschend zu Ende gehen könnte. Ob der 22-Jährige überhaupt im Kader steht, war am Mittwoch noch offen. Klar ist in der Offensive nur, dass Naby Keita von hinten keinen Dampf macht. Der ist gesperrt. Alternative Nummer eins ist Valon Berisha. Nummer zwei: Benno Schmitz. Beide könnten auch außen spielen. Für Valentino Lazaro kommt die Startelf nach seiner Verletzung noch zu früh, wie Zeidler zugibt. Yasin Pehlivan und Havard Nielsen stehen nicht auf der UEFA-Kaderliste, sind nicht spielberechtigt.

LASST DIE GESCHENKE WEG. „Wir wollen kein Gegentor“, spricht Zeidler das aus, was schwierig umzusetzen scheint. Wer an Salzburg denkt, denkt zumindest an ein Gegentor, für das der Meister in der aktuellen Verfassung immer gut ist. „Wir müssen einfach diese leichten Fehler abstellen“, fordert Walke. Nur drei Mal konnten die „Bullen“ in dieser Saison zu Null spielen. Gegen Deutschlandsberg (7:0), den nunmehrigen CL-Teilnehmer Malmö und Altach (beide 2:0). „Sie haben gefährliche Spitzen und um die Stärken von Adamovic wussten und wissen wir auch Bescheid“, sagt Zeidler. Bei einem möglichen Gegentor traut der Trainer seiner Mannschaft freilich auch vier Tore zu. Ob diese aber das kompakte Minsk auch zulässt? Zumindest ging am Wochenende die imposante Siegesserie von zehn Spielen mit einem 0:1 bei Torpedo-BelAZ Zhodino zu Ende. Aber sie bekamen in dieser Spielzeit kein einziges Mal drei Gegentore in einer Partie. Das wäre ebenso eine Premiere wie ein solcher Aufstieg für Salzburg. Denn wenn man das Hinspiel zu Null verloren hat, stieg Red Bull nie auf - gegen AEK Athen (0:3 in 2007), Sevilla (0:2 in 2008) und Düdelingen (0:1 in 2012) kam jeweils das Aus. Ein Elferschießen, das „per Zufall“ (Walke) trainiert wurde, gab es in der Red-Bull-Ära ein einziges Mal. Im Cup in Maria Lankowitz. Der Fußball-Gott war mit RBS.

MÄNNER MÜSSEN HER. Auch die Spieler sind nun gefragt. Nach dem Aus in der Champions League hagelte es interne Kritik: von „#MännerMüssenHer“ (Valentino Lazaro), über „Eier, wir brauchen Eier“ (Martin Hinteregger) bis hin zu einem Kinderfoto, das Jonatan Soriano nach dem 2:2 gegen die Admira postete (und später wieder löschte). Alle drei können mit mehr oder weniger Spielzeit beweisen, dass sie auch für Männer-Fußball stehen. Mit Walke (32), Schwegler (31), Miranda (27), Ulmer (29), Christoph Leitgeb (30) und Soriano (29) stehen am Donnerstag vermutlich mehr als die Hälfte Ü-27-Spieler auf dem Rasen, die Verantwortung übernehmen müssen. Vielleicht mag es am Ende ob der Hypothek aus dem Hinspiel nicht reichen, doch sollten vor allem jene Spieler, die die interne Kritik vom Stapel gelassen haben, auch eine Antwort auf dem Platz geben. Jüngere Spieler, denen es an Erfahrung fehlt, müssen in so einem Spiel an die Hand genommen werden. „Es fängt bei mir an, ich will keine Fehler machen, Bälle halten und meine Vorderleute dirigieren und motivieren“, geht Walke als positives Beispiel voran. „Lautstärke ist teilweise auch nötig“, weiß der Deutsche, der seiner Mannschaft auch zwei Dinge zu Gute hält. „Wir haben zwar Fehler gemacht, aber keinen doppelt. Wir kamen gegen die Austria zwei Mal zurück, das sagt etwas über den Charakter der Mannschaft aus. Ich glaube an ihre Stärke.“ Diesen Worten müssen am Donnerstag Taten folgen.

WAS EIN AUS BEDEUTET. An und für sich nichts Gutes. Das hat freilich weniger finanzielle Gründe. Die Währung der Salzburger heißt Entwicklung. Und da würde den Spielern einiges an Lehrgeld vorbehalten werden. Schließlich entwickelt man sich am besten weiter, wenn man gefordert wird. Das ist dieser Wochen auch in der Liga der Fall, doch es bleibt auf der europäischen Bühne etwas anderes. „Es geht mir um die Weiterentwicklung der Mannschaft und es wäre für alle Spieler toll, regelmäßig am Donnerstag Europa League zu spielen“, weiß Zeidler, der sich um seinen Job auch bei einem Aus nicht sonderlich fürchten muss. „Wir hatten diese Woche innerhalb des Vereins mit den Verantwortlichen sehr gute Gespräche, diesen Zyklus gemeinsam anzugehen“, gibt Zeidler preis und spricht auch von Ruhe im Verein. „Es geht natürlich besser, das ist klar. Aber wir haben die volle Unterstützung, den Weg weiterzugehen. Ein Erfolgserlebnis gegen Minsk hilft dabei natürlich.“ Sollte das Aus folgen, könnte Jonatan Soriano wieder das Ziel von größeren Klubs werden – ist er ohnehin schon. Auf die Frage nach seiner Zukunft bei einem rein nationalen Herbst gibt sich der Kapitän wie Robert Beric zurückhaltend: „Ich bin fokussiert, mich interessiert kein anderes Thema. Ich will nur von Minsk sprechen.“ Dieses "Finale" wird zeigen, wohin die Reise geht.

 

Bernhard Kastler

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