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"Das war schon beeindruckend"

Für ein Spiel um die Goldene Ananas gab es am Ende dann doch einiges zu besprechen.

Kein Wunder, bot das 5:1 des FC Red Bull Salzburg gegen Astra Giurgiu am sechsten und letzten Spieltag der Europa-League-Gruppenphase doch vor, während und nach den 90 Minuten vieles.

Etwa kam noch vor der Partie auf, dass Franz Schiemer am Freitag bei einer Pressekonferenz sein Karriereende bekanntgeben würde. In den Schlussminuten kam der Joker noch in die Partie. Da war der Europa-League-Torrekord aber schon längst gebrochen.

Die Startelf war im Durchschnitt lediglich 21,9 Jahre alt, dennoch endete die Partie mit einem Kantersieg. Ein weiterer Beweis dafür, dass die Europa-League-Gruppenphase einfach das Ding von Salzburg ist.

  • DAS SPIEL

Vor dem Spiel war klar: Salzburg ist fix Gruppensieger, Astra Giurgiu ist fix ausgeschieden. Die „Bullen“ überrollten die Rumänen, hätten auch viel höher gewinnen können. „Es war ein krönender Abschluss einer erfolgreichen Gruppenphase. Wir haben noch einmal richtig überzeugt, die Leistung der Mannschaft war von der ersten bis zur letzten Minute hervorragend“, lobte Trainer Adi Hütter.

Konrad Laimer, der mit 17 Jahren sein Startelf-Debüt im Europacup gab, hielt abgebrüht fest: „Wir sind super ins Spiel gestartet, haben gutes Pressing gespielt, hatten viele Chancen, gut kombiniert und eine gute Mannschaftsleistung gezeigt. Auch die Höhe des Sieges ist verdient. Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht.“ Und auch Kampl, mit 24 Jahren drittältester Startelf-Spieler, hatte nicht nur ob seines ersten Europacup-Doppelpacks Spaß: „Der Fun-Faktor war heute sehr hoch. Es war sehr schön, mit dieser jungen Truppe auf dem Platz zu stehen.“

Hütter hatte wie angekündigt rotiert. Im Tor stand Alexander Walke statt Peter Gulacsi, Benno Schmitz und Peter Ankersen waren die beiden Außenverteidiger, Duje Caleta-Car gab sein Salzburg-Debüt neben Ersatz-Kapitän Martin Hinteregger in der Innenverteidigung. Naby Keita durfte anstatt des Gelbsperre-bedrohten Stefan Ilsanker ran, Laimer rutschte für Christoph Leitgeb rein und Marcel Sabitzer (erstes Europacup-Tor für Salzburg) vertrat wie schon gegen die Austria Jonatan Soriano, der nach seiner Erkrankung in Hälfte zwei sein Comeback gab.

„Die Spieler, die heute gespielt haben, sind ja nicht alle Stammspieler hoch zehn. Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir da sind. Ich glaube, das haben wir geschafft“, sagte Sabitzer.

Mit Laimer (17) und Caleta-Car (18) standen zwei ganz Junge in der Startelf

  • DIE JUNGEN

Viel Lob gab es nach der Partie für den erst 18-jährigen Innenverteidiger Duje Caleta-Car und den noch jüngeren Mittelfeldspieler Laimer (17). „Mir hat besonders imponiert, dass der Trainer zwei sehr junge Spieler gebracht hat, die mir von der Bewegung und der Art, wie sie Fußball spielen, sehr gut gefallen haben“, sagte etwa der ehemalige russische Top-Stürmer und Giurgiu-Coach Oleg Protasov.

Auch Hütter lobte die beiden explizit: „Ich möchte der ganzen Mannschaft gratulieren, aber vor allem unseren beiden Youngsters, wie sie sie sich präsentiert haben.“ Nämlich sehr gut. Sie dankten es ihrem Coach. Für Laimer war bereits Weihnachten: „Es ist ein großer Traum für mich in Erfüllung gegangen. Das war ein Riesen-Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Ich habe mich sehr gefreut, dass mir der Trainer das Vertrauen gegeben hat, von Anfang an ran zu dürfen. Ich bin mit vollem Einsatz reingegangen. Mit einem 5:1, einem überragenden Sieg, da kann es nicht besser laufen.“

Auch die etwas älteren Kollegen waren begeistert, so meinte etwa Sabitzer: „Training und Spiel sind schon etwas anderes. Es war heute eine Wundertüte, was etwa bei Caleta-Car herauskommt. Er hat bislang hier nur mittrainiert, aber wir haben nicht gewusst, wie er sich im Spiel tut. Wenn man das heute gesehen hat, dann hat er das mit seinen 18 Jahren wirklich staubtrocken heruntergespielt“, gab es Lob vom Stürmer. Der ist mit 20 nicht wesentlich älter, „aber da fühle ich mich schon fast als Routinier“. Zumal mit Naby Keita ein 19-Jähriger mitspielte, Benno Schmitz ist wie Sabitzer 94er-Jahrgang, Massimo Bruno 93er. Mit im Durchschnitt 21,9 Jahren stand eine der jüngsten Salzburger-Startformationen am Feld, in der Bundesliga beim 4:1 gegen Wiener Neustadt war die zweitjüngste der Liga-Geschichte am Werk (21,5).

Sabitzer: „Man muss ja noch bedenken, Nils Quaschner und Valentino Lazaro sind verletzt. Ich denke, wir brauchen uns bei Salzburg um den Nachwuchs keine Sorgen machen.“ Doch Hütter warnte nicht zu Unrecht: „Man muss die Kirche auch im Dorf lassen. Caleta-Car und Laimer haben Entwicklungs-Potenzial, sind Spieler, die noch nicht am Ende sind. Einen Fehler dürfen wir nicht machen, zu glauben, dass sie mit 17 oder 18 Jahren Stamm- oder Schlüsselspieler sind, die wir für eine schwere Saison brauchen. Sie sind aber auf einem sehr guten Weg sind und werden sich mit den Aufgaben steigern.“

Steven Gerrard und sein FC Liverpool sollen es werden

  • DIE AUSLOSUNG

Am Montag findet um 13 Uhr in Nyon die Auslosung des Sechzehntelfinals statt. Salzburg ist als Gruppensieger gesetzt kann auf folgende Klubs treffen: Titelverteidiger Sevilla, Villarreal, AC Torino, Tottenham, PSV Eindhoven, Dnipro, Wolfsburg, YB Bern, Aalborg, Guingamp und Trabzonspor sind als Gruppenzweite wie Liverpool, AS Roma, Ajax Amsterdam und Anderlecht als schlechsteste Gruppendritte der Champions League möglich. Das Wunschlos ist klar, nicht nur wegen Ex-„Reds“-Keeper Peter Gulacsi.

„Liverpool ist sicher ein Wunschgegner. Es ist ein großer Traum gegen solch einen Gegner in solch einem Stadion zu spielen. Es wäre richtig geil“, erklärte Laimer, dessen Idol bezeichnenderweise Steven Gerrard ist. Marcel Sabitzer schlug in dieselbe Kerbe: „Leider ist es kein Wunschkonzert. Wenn man einmal an der Anfield Road spielen kann, sollte es klappen. Aber es ist egal wir kommt, wir wollen weit kommen.“ Für Hütter gibt es keine schwachen Gegner mehr. Und voreiliger Optimismus ist nach Malmö auch nicht mehr angebracht.

„Den Fehler sollten wir nicht mehr machen. Wir haben vielleicht auch in Übermut, da nehme ich mich nicht raus, bei Malmö geglaubt, dass wir einen Gegner gezogen haben, den wir schlagen können und in die Gruppenphase der Champions League kommen. Das ist uns nicht gelungen, deswegen möchte ich in diesem Zusammenhang auch nicht über ein Wunschlos diskutieren. Wenn es Liverpool ist, nehmen wir es gerne an der Anfield Road an. Wenn es Roma ist, ist es Roma. Wenn Ajax, dann Ajax. Das kann ich nicht beeinflussen, aber wir freuen uns sehr auf die Auslosung am Montag.“

Klar ist, dass die K.o.-Spiele wieder ein anderes Kapitel sein werden. Was verbessert werden muss? „In der Gruppenphase kann man sich nach einem 2:2 zu Hause über weitere fünf Spiele noch qualifizieren, in den K.o.-Spielen ist es so, dass man sich überhaupt keinen Fehler erlauben darf. Speziell zu Hause müssen wir versuchen, zu Null zu spielen. Wir sind, egal wo, auswärts für Tore immer gut. Wir werden alles daran setzen, dass wir uns im Spiel gegen den Ball, wo noch viel Luft nach oben ist, verbessern und dann gilt es speziell in Spielen wie gegen Celtic oder Zagreb auswärts diesen unbedingten Kampfeswillen zu zeigen. Das wird die Herausforderung sein. Ich mache mir sicherlich keine Sorgen, wenn wir nach Ballgewinn schnell nach vorne umschalten müssen. Da hat die Mannschaft absolute Klasse.“

Nachdem Schiemer im Frühjahr nicht mehr dabei sein wird, stehen bei Andre Ramalho die Zeichen auf Verbleib bis Sommer. Er selbst geht auch bereits davon aus. Sein Trainer sieht es genauso. „Wir haben im Sechzehntelfinale sicherlich einen schweren Brocken, da brauchen wir auch Spieler, die dann eine gewisse Erfahrung haben. Deswegen glaube ich auch, dass uns Andre Ramalho vielleicht noch bis Sommer erhalten bleibt.“ Im Frühjahr könnte ja noch die eine oder andere interessante Reise anstehen.

 

Bernhard Kastler

  • DER REKORD

Wenige Sekunden nach der Pause war er gebrochen, der Torrekord der EL-Gruppenphase. Zenit St. Petersburg, ZSKA Moskau (jeweils 2010) und RSC Anderlecht (2011) hatten jeweils 18 Treffer erzielt. Alan sorgte für Nummer 19 und später 20, Kampl dann mit 21 für den neuen Richtwert. „Wir haben einen Torrekord aufgestellt. Der bisherige wurde um drei übertroffen. Das Torschussverhältnis zeigt, welche große Klasse wir auf den Platz gezaubert haben“, lobte Hütter einmal mehr.

Auch der junge Laimer wusste schon: „Das ist nicht selbstverständlich. Da kann jeder auf sich und auf die Mannschaft stolz sein.“ Sabitzer ergänzte: „Das ist natürlich ein Zuckerl. Wir haben vor dem Spiel gesagt, dass wir das schaffen wollen. Wir haben eine super Leistung gebracht, dass wir das auch noch geschafft haben, macht diese perfekt.“ Salzburg hält überhaupt in allen Bewerben im Herbst bei unfassbaren 107 Toren – und ein Spiel gibt es ja gegen Rapid noch am Sonntag. Der Schnitt (3,4 Tore pro Spiel) überragt sogar jenen unter Hütter-Vorgänger Roger Schmidt im Vergleichszeitraum (3,0).

„Es sind Tormaschinen da. Und wir haben einfach den Hunger. Bei 2:0 oder 3:0 will keiner aus dem Spiel gehen und keinen Treffer gemacht haben. Wir sind hungrig auf Tore“, erklärte Sabitzer. Vergangene Saison wurde Jonatan Soriano mit acht Treffern Torschützenkönig der Europa League, diese Anzahl weist nun bereits Alan auf. „Meine bisherige Trefferausbeute freut mich natürlich. Wichtiger ist aber, dass wir als Mannschaft in der Europa League so weit als nur möglich kommen“, so der mit 25 Jahren älteste Startelf-Feldspieler gegen Giurgiu.

 

  • DIE BILANZ

Im sechsten Jahr des Bewerbs steht Salzburg zum vierten Mal im Sechzehntel-Finale. Zum dritten Mal als Gruppensieger. Zwei Mal blieb man gar ohne Niederlage, dieses Mal musste man das 2:2 zu Hause gegen Celtic als einzigen Punktverlust hinnehmen. „Wir sind nicht perfekt in die Gruppenphase gestartet, aber was wir danach gezeigt haben, das war schon beeindruckend“, resümierte Sabitzer.

Dynamo Moskau schaffte in dieser Spielzeit das, was Salzburg als einzige Mannschaft eben zwei Mal schon erledigte, nämlich mit weißer Weste aufzusteigen. Doch die Russen erzielten nicht einmal zehn Treffer, es waren neun. Salzburg fegte Zagreb auswärts wie Giurgiu jetzt zu Hause 5:1 weg, bezwang beide auch noch 4:2 bzw. 2:1 und sorgte mit dem 3:1 im Celtic Park für den ersten heimischen Sieg auf schottischem Boden. „Zu Beginn haben wir nicht vor Selbstvertrauen gestrotzt, die Mannschaft hat aber die Europa League sehr angenommen, sich zurückgefightet und steht heute hier mit 16 Punkten nach überzeugenden Auftritten in Europa“, analysierte Hütter.

Das große Ziel Champions League wurde verpasst, in der Europa League war man einmal mehr souverän. Bei der Frage, ob man für diesen Bewerb fast schon zu gut sei, muss Sabitzer grinsend verneinen: „Sonst wären wir wahrscheinlich in die Champions League gekommen.“ Zumindest konnte das CL-Aus positiv überlagert werden. Die Europa-League-Gruppenphase ist offenkundig das Ding von Salzburg.

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