"Riesen-Kompliment - sie haben es perfekt umgesetzt"

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„Lasst uns diese Farben durch ganz Europa tragen.“

Die Anhänger der SV Ried gaben vor dem Spiel die Marschroute vor. Die Mannschaft setzte es während der Partie um. Und das ganze Innviertel war nach dem Schlusspfiff stolz.

Der 2:0-Heimsieg gegen Bröndby Kopenhagen im Drittrunden-Qualifikationshinspiel der Europa League geht als fulminantes Europacup-Comeback der „Wikinger“ in ihre Geschichtsbücher ein.

Freilich waren es erst die ersten 90 Minuten in einem KO-Duell. Sicherlich hatten die Gäste einige gute Chancen auf ein Auswärtstor.

Aber dennoch fährt nun der kleine österreichische Dorfklub als Aufstiegs-Favorit in die dänische Hauptstadt zum zehnfachen Meister.

„Waren unglaublich gut vorbereitet“

„Riesen-Kompliment an die Mannschaft, sie hat unsere Vorgaben heute perfekt umgesetzt“, schwärmte Co-Trainer Gerhard Schweitzer, der nicht nur einmal zuvor den Gegner live inhalierte.

„Gott sei Dank war ich zwei Mal in Kopenhagen, so dass wir genau die Informationen hatten, die wir brauchten. Wir haben uns zwei Tage mit sehr intensivem Videostudium unglaublich gut vorbereitet.“

Für den emsigen Assistenten und seinen Chef Paul Gludovatz, die beide abermals taktisches Feingefühl bewiesen, war es überhaupt die erste Europacup-Partie als Trainer - ein Debüt, das den beiden für immer in Erinnerung bleiben wird.

„Wenn du das Debüt gegen einen Klub wie Bröndby 2:0 gewinnst, dann kannst du nur stolz sein.“

Stolz – es war das Wort des Abends. Die Mannschaft konnte es sein, die Betreuer konnten es sein, die Fans konnten es sein.

Gebauer Mann des Spiels

Einer aber konnte es aber noch ein bisschen mehr sein: Thomas Gebauer. Der Schlussmann hielt mit Weltklasse-Paraden den Kasten sauber, gab sich nach dem Spiel aber – wie sollte es in Ried anders sein – bescheiden.

„Ich sehe mich nicht als Vater des Erfolges, es war eine sensationelle Mannschaftsleistung“, kommentierte der Deutsche, der noch „schwere 90 Minuten“ in Kopenhagen erwartet.

So sieht es auch sein Trainer, der – wie sollte es anders sein – auf die Bremse zu drücken wusste.

„Es ist ein tolles Resultat, wir dürfen aber nicht auf die Chancen des Gegners vergessen. Ich habe heute bei uns etwas die Spielfreude und Ballsicherheit vermisst. Wir hatten auch viel Glück“, resümierte Gludovatz.

Auch Glück dabei

Glück war etwa auch dabei, als der italienische Schiedsrichter Antonio Damato das Aufstützen Daniel Royers bei dessen Kopfball zum 2:0 eine Minute nach der Pause übersah - das Glück des Tüchtigen.

„Ich habe kurz zum Schiedsrichter geblickt und mich dann aber gleich wahnsinnig gefreut“, jubelte der 21-Jährige.

Seine Vertragsverlängerung bis 2014, die am Matchtag bekannt wurde, schien ihn augenscheinlich beflügelt zu haben.

Freude - ein scheinbar dehnbarer Begriff für die Innviertler nach dieser Partie.

Denn Gludovatz, der an der Outlinie des Öfteren verärgert in die Luft sprang, dachte schon wieder längst weiter.

„Es gibt keine Zwischenfreude, das Duell geht über 180 Minuten. Wir haben jetzt eine kurze Nachfreude, dann fokussieren wir uns aber schon auf das Spiel gegen Rapid am Sonntag."

„Kommen mit breiter Brust“

Nichtsdestoweniger schielten die Spieler auch schon ein wenig auf das Retourmatch in einer Woche. Im Bröndby-Stadion, das 26.000 Sitzplätze aufweist, wartet trotz 2:0 im Gepäck in jedem Fall ein heißer Tanz.

„Das ist mir aber bedeutend lieber, als wenn wir nur zu einem Ausflug hinfahren würden“, hielt Schweitzer verständlicherweise fest.

Royer: „Wir kommen mit breiter Brust, müssen aber auch intelligent ins Spiel gehen.“

Die Dänen haben trotz überraschender Niederlage ihren Mut nicht verloren.

„Wir haben Ried nicht unterschätzt, sie haben gut gespielt. Das 2:0 war vielleicht ein wenig zu hoch, aber wir haben noch ein Spiel. Wir können es umdrehen“, ist Kapitän Michael Krohn-Deli sicher.

Sein Trainer Henrik Jensen weiß allerdings: „Wir haben zwar noch eine Chance, jetzt wird es aber natürlich viel schwieriger.“

Ried ist nicht zu unterschätzen

Die vielen dänischen Fans, die untertags die Rieder Innenstadt belagerten und sich vor Anpfiff mit einem gelben Konfetti-Regen gen Rasen bemerkbar machten, hatten sich ihre Reise auch anders vorgestellt.

Doch was die österreichischen Fußball-Fans seit geraumer Zeit wissen, tun sie nun seit wenigen Stunden: Die SV Ried ist nicht zu unterschätzen.

Wieder einmal haben die Innviertler Selbstvertrauen getankt – und mit ihrem sechsten Heimsieg im sechsten Spiel in UEFA-Cup oder Europa League erneut ganz Österreich geholfen.

„Wir haben einen Sieg für die UEFA-Wertung geholt und da sind wir stolz drauf“, jubelte Schweitzer.

Das kann ein Klub wie Ried bei seinem Europacup-Comeback nach vier Jahren allemal sein.

 

Bernhard Kastler / Susanne Brunnmair

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