Aufmacherbild

"Wir haben alles versucht"

„Wenn es nach zwei Spielen 2:5 steht, dann hat man klar verloren.“

Martin Hinteregger brachte es nach dem Europa-League-Aus von Red Bull Salzburg gegen den FC Villarreal auf den Punkt. Die Spanier waren am Ende des Tages einfach die bessere Mannschaft.

„Sie waren heute effizienter, besser würde ich nicht sagen“, hakte Hinteregger nach dem 1:3 im Sechzehntelfinal-Rückspiel ein. Das machte aber letztlich vor 26.020 Fans in Wals-Siezenheim den Unterschied aus.

„Mit 120 Prozent verteidigt, eiskalt abgeschlossen“

„Sie haben in der Box mit 120 Prozent verteidigt und vorne eiskalt abgeschlossen. Das war das Entscheidende“, wusste ein zerknirschter Abwehrchef nach einer guten Partie seiner Truppe.

Salzburg, das ohne den gesperrten Stefan Ilsanker sowie verletzten Christoph Leitgeb einen Altersdurchschnitt von 23,3 Jahren aufwies, durfte sich bis Minute 75 Hoffnungen machen.

„Unsere Mannschaft hat bis dorthin ein ganz starkes Spiel gemacht. Aber mit dem Konter zum 1:2 war die Partie entschieden“, bestätigte der scheidende Sportchef Ralf Rangnick, dessen Salzburger Europacup-Ära mit der ersten Heimniederlage in dieser Saison endete.

„Ein unverdientes Tor“

In besagter Minute 75 erzielte Luciano Vietto seinen zweiten Treffer und versetzte Salzburg einen Stich ins Herz. Mehr weh tat allerdings der Ausgleichstreffer zum 1:1 nach 33 Minuten.

„Dieses Tor war heute das größte Problem für uns. Da hätten wir besser verteidigen müssen. Villarreal bestraft Kleinigkeiten sofort“, ärgerte sich Goalie Peter Gulacsi über das Standard-Tor.

„In so einer Situation ist uns sicherlich mit Stefan Ilsanker auch ein kopfballstarker Spieler abgegangen. Die großen Spieler wollten wir in den Griff bekommen. Der Ball war gut geschossen und der kleine Vietto hat sich in den gefährlichen Raum bewegt, er hat das gut gemacht. Das war sicherlich ein unverdientes Tor, weil wir am Anfang sehr gut gespielt haben“, sagte Adi Hütter.

„Wir waren nicht clever genug“

Für den Trainer, der mit Konrad Laimer („Hat das sehr gut gemacht“) und Takumi Minamino zwei Überraschungen in der Startelf parat hatte, war das 1:1 ausschlaggebend für das Ausscheiden.

„Es war heute eine Riesen-Chance für uns da, das haben wir in den ersten Minuten gemerkt. Wir haben Villarreal gar nicht herauskommen lassen und haben sie gut unter Druck gesetzt. Folgerichtig haben wir das Tor geschossen“, wies Marcel Sabitzer auch auf den guten Start hin.

„Das blöde 1:1 aus einer Standardsituation war entscheidend, dann hat Villarreal seine Klasse gezeigt“, fügte Marco Djuricin, der nach 18 Minuten erstmals im Salzburg-Dress traf, hinzu.

Christian Schwegler: „Wir waren als Mannschaft nicht clever genug und haben zu viele Fouls in der Nähe des Strafraums zugelassen. Wir hatten das Spiel im Griff, gegen Ende haben wir ein bisschen nachgelassen.“

„Zum schlechtesten Zeitpunkt das 1:2“

Da schlugen die „Gelben U-Boote“ eiskalt mit ihrem starken Konterspiel zu. „Wir waren gut im Spiel, waren agil, haben dann ein dummes Tor zum 1:2 bekommen. Auch zum schlechtesten Zeitpunkt. Wir hatten immer den Glauben, noch in die Verlängerung zu gelangen“, so Sabitzer.

Der hatte sich wie Hinteregger nach dem 1:2 das Trikot über den Kopf gezogen, weil die harte Arbeit am Ende nicht belohnt wurde. Das hatte aber eben auch mit dem Kontrahenten zu tun.

„Der Gegner war nicht irgendwer. Wir haben alles probiert und hatten auch gefährliche Szenen, speziell in beiden Spielen zusammen. Hätten wir in Spanien ein Tor mehr geschossen, wäre das für heute auch besser gewesen. Man muss einfach Villarreal gratulieren. Es ist ein starkes Team. Wir haben die schwerste Mannschaft erwischt, die werden noch weit kommen“, versprach Sabitzer.

„Diese Ausrede lasse ich nicht gelten“

Auch Hütter trauerte ein wenig den vergebenen Chancen in Spanien nach. „Vielleicht hätten wir die eine oder andere Möglichkeit dort verwerten müssen. Heute haben wir alles versucht. Man kann der Mannschaft nichts vorwerfen. Am Ende des Tages hat es einfach nicht gereicht.“

Auf verlorene Qualität nach Abgängen von Kevin Kampl und Alan wollte sich genauso keiner ausreden (Sabitzer: „Das will ich gar nicht diskutieren“), wie auf auf die Jugend. Hinteregger: „Die Ausrede lasse ich nicht gelten. Das Team war jung, aber wir hatten die Chance, es zu schaffen. Da müssen wir an Kleinigkeiten arbeiten, um solche engen Spiele für uns zu entscheiden.“

Hütter zeigte sich in diesem Kontext stolz: „Wir haben heute im Europa-League-Sechzehntelfinale gegen eine Top-Mannschaft mit einem Mittelfeld bestehend aus Konrad Laimer, 17 Jahre, Naby Keita, 20, Takumi Minamino, 20, Marcel Sabitzer, 20, gespielt. Ich glaube nicht, dass es in der Europa League annähernd eine Mannschaft gibt, die eine Mittelfeldreihe in diesem Alter hat.“

Marcelino mit dem „entscheidenden Faktor“

Einen plausiblen Grund für das Salzburger Ausscheiden nannte Hütters Pendant Marcelino: „Wir spielen Woche für Woche gegen starke Gegner, was bei Salzburg nicht der Fall ist. Das war der entscheidende Faktor für den Aufstieg.“

Das bestätigte auch Sabitzer, der eine gute Chance vor dem 1:2 ausließ: „Das sind starke Verteidiger, die clever spielen und das auch mit versteckten Sachen. Da ist es nicht immer einfach.“

Salzburg scheiterte in seinem vierten Europa-League-Sechzehntelfinale zum dritten Mal. Hinteregger: „Es ist eine Riesen-Enttäuschung, wir haben gedacht, dass wir sie biegen können.“

 

Bernhard Kastler

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»