Salzburg nach EC-Aus: Was war, was ist, was sein wird

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232 Tage dauerte die Salzburger Europacup-Saison 2013/14.

Eine Spielzeit später waren es auch immerhin 211 Tage – oder eine Runde weniger.

Im vergangenen Jahr reichte es erstmals für das Achtelfinale der Europa League, diese Saison musste man sich dem spanischen Top-Klub Villarreal per 2:5-Gesamtscore geschlagen geben.

Es war eine zwiespältige Europacup-Saison für die Salzburger. LAOLA1 wirft einen Blick zurück, aber auch nach vor:

WAS WAR

Die Europacup-Saison ist für Salzburg also nach 211 Tagen zu Ende. Alles begann mit dem 1:2 im Hinspiel der dritten Runde der Champions-League-Qualifikation bei Qarabag in Baku und alles endete mit dem 1:3 im Rückspiel des Europa-League-Sechzehntelfinals gegen Villarreal. Zwölf Spiele, sieben Siege, ein Remis, vier Niederlagen und ein Torverhältnis von 26:19 stehen zu Buche. Zu Hause wurden vier der sechs Partien gewonnen, eine Remis gespielt. Die Null stand in allen Spielen aber nur einmal, beim 2:0 gegen Qarabag. Generell fällt die Bilanz zwiespältig aus: Gruppenphase hui (5-1-0), K.o.-Duelle pfui (2-0-4). Das Saisonziel Champions League haben die Salzburger Ende August mit einem 0:3 im Playoff-Rückspiel in Malmö klar verpasst. Man wollte nicht nur in die „Königsklasse“ kommen, sondern auch eine Rolle spielen. So wurde es proklamiert. Am Ende muss man festhalten, dass die Mannschaft doch noch nicht so weit war. Unvergessen bleibt in diesem Kontext das Tohuwabohu um Sadio Mane, der Salzburg vor dem „wichtigsten Spiel seiner Vereinsgeschichte“ in Malmö im Stich ließ und wenig später für die Bundesliga-Rekordablöse von 15 Millionen Euro nach Southampton wechselte.

Nach der großen Leere und einer Krise kamen die Salzburger in „ihrer“ Europa-League-Gruppenphase wieder in die Spur und schlossen sie zum dritten Mal im fünften Versuch als Erster ab. Nach zwei perfekten Gruppenphasen mit je sechs Siegen, waren es dieses Mal „nur“ fünf, dafür schnappten sich die „Bullen“ den Torrekord (21). Nach Abgängen von Kevin Kampl und Alan im Winter reichte es im vierten Versuch, ins Achtelfinale zu kommen, zum dritten Mal nicht. Trainer Adi Hütter: „Red Bull Salzburg hat vor einem Jahr ein Top-Spiel gemacht und Ajax Amsterdam ausgeschaltet. Von dieser Mannschaft waren heute fünf Spieler nicht mehr oder nicht dabei. Unser Weg ist, junge Spieler heranzuziehen. Es war auch ein toller Erfahrungswert für die Burschen. Es war auch meine erste Europa-League-Saison. Ich würde positiv bilanzieren, weil wir auch einen Torrekord in der Gruppenphase erzielt sowie fünf Siege und ein Remis erreicht haben. Jetzt haben wir zwei Mal den Kürzeren gezogen, gegen eine Mannschaft, die, glaube ich, noch weit kommen wird.“

 

WAS IST

Die Reise durch Europa ist vorbei, Hausmannskost heißt die Devise bis zum Ende der Saison. Nach dem Aus in der Europa League geht es nun „nur“ noch darum, das Double zu verteidigen. Das ist insofern ein ehrenwertes Ziel, als dass die „Bullen“ dieses noch nie verteidigt haben, sowie den Meistertitel auch nur einmal. Vergangene Saison kamen die Salzburger erstmals ins Europa-League-Achtelfinale und machten dennoch die Meisterschaft so früh wie noch nie klar (März). 2014 hatten die „Bullen“ nach 21 Spieltagen 49 Punkte, nun “nur“ 42, der aktuelle Vorsprung von neun Punkten auf den Zweiten Rapid bzw. sechs Verlustpunkte auf den WAC darf dennoch als komfortabel bezeichnet werden. Mangels anderer Ziele für den Rest der Saison, sollte sich die Konkurrenz auch keine allzu großen Hoffnungen mehr machen.

„Es geht auch in der Liga um viel. Wir wollen Meister werden und das mit einem guten Stil“, sagt Marcel Sabitzer, für den es wie für einige andere - auch Trainer Adi Hütter - um den ersten Meistertitel in seiner Karriere geht. Am Sonntag gastiert Grödig in der Red-Bull-Arena. Salzburg konnte im Herbst und nun auch im Frühjahr nur ein Spiel nach einer Europa-League-Partie gewinnen. Martin Hinteregger will das Thema Europacup deswegen so schnell wie möglich abhaken: „Die Statistik sagt nichts Gutes. Grödig kommt hoffentlich gelegen, haben sie doch erst ihr erstes Spiel. Wir wollen unseren Fluch ablegen." Im Cup-Viertelfinale wartet im April mit Altach eine unangenehme Aufgabe im Ländle.

 

WAS SEIN WIRD

Nach dem Europacup-Aus ist vor dem Versuch, in die Champions League zu kommen. Im Normalfall wird der achte Versuch, es in die Königsklasse zu schaffen, in fünf Monaten über die Bühne gehen. Da ist also noch ein wenig Zeit hin. Manche Spieler werden die auch brauchen. Konrad Laimer und Felipe Pires etwa, vor allem aber Duje Caleta-Car. Der Innenverteidiger muss als Nachfolger von Andre Ramalho Spielpraxis bekommen, um für diverse Aufgaben kommende Saison bereit zu sein. Schließlich ist es alles andere als gewiss, dass Salzburg im Sommer einen Innenverteidiger holt. Auch jetzt im Winter kam keiner. Der scheidende Sportchef Ralf Rangnick, dessen Salzburger Europacup-Ära ohne Champions-League-Teilnahme als unvollendet bezeichnet werden darf, deutete diesbezüglich schon an, dass durchaus auch wieder die Jugend (Asger Sörensen, Lukas Gugganig, Luan) die Lösung sein könnte. Trainer Adi Hütter, der beim EL-Aus Sprechhöre bekam, meinte allerdings unlängst, dass mit dem Abgang Ramalhos (nach Leverkusen) „mindestens einer, wenn nicht zwei“ geholt werden. Man darf gespannt sein.

Gespannt sein darf man überhaupt schon wieder auf die Transferzeit der Salzburger hinsichtlich des Europacups sein. Dass der Kader für die Bundesliga reicht, ist offensichtlich, aber für die Champions League oder größere Europa-League-Ambitionen eben offenbar nicht. Braucht es erfahrenere Spieler? „Mit Stefan Ilsanker und Christoph Leitgeb wären zwei erfahrene Spieler gegen Villarreal dabei gewesen. Die Mischung ist wichtig, die passt bei uns auf alle Fälle. Im Sommer muss man die Augen offen halten, wo man die eine oder andere Verstärkung holen kann, die uns weiterhilft“, so Hütter, der weiß, das „Alter ein Kritierium“ ist und sich nicht darauf einlässt zu sagen, Salzburg holt ältere Spieler als 23 Jahre. Das ist nämlich Usus. Auf der anderen Seite könnten einige Spieler im Sommer wieder weg sein. Massimo Bruno, der noch hinter den Erwartungen blieb und es gegen Villarreal nicht in die Startelf schaffte, sowie Marcel Sabitzer könnten nach Leipzig „zurückkehren“, weil der Leih-Vertrag endet. Peter Gulacsi wäre einer der nächsten Kandidaten, der sich für eine Ablöse verabschiedet. Martin Hinteregger eigentlich auch, doch der heimatverbundene Kärntner hat erst zuletzt einen Treueschwur geleistet und kann sich eine Karriere ausschließlich in Salzburg vorstellen.

 

Bernhard Kastler

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