Wie viel ist der Aufstieg wert?

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Wieviel ist Rapids Aufstieg in der Europa League wert?

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„Dann rocken wir halt die Europa League.“

Das posaunte Präsident Michael Krammer nach dem Aus in der Champions-League-Qualifikation und wurde von vielen Seiten belächelt.

Selbstverständlich hatte sich Rapid vor dieser Europa-League-Saison viel vorgenommen. Anfangs wollte man nur ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden.

Dass nach vier Siegen aus vier Spielen der Sack bereits Anfang November zugemacht wurde und man weiterhin die Gruppe E anführt, überstieg aber jegliche Vorstellungskraft.

Beim Aufstieg mittendrin statt nur dabei

Mittendrin Sportdirektor Andreas Müller, der ein Team formte, das plötzlich international mithalten kann und bisher zwei Mal gegen Viktoria Pilsen und je einmal gegen Gruppen-Favorit Villarreal und Dinamo Minsk siegreich blieb.

Mittendrin auch Trainer Zoran Barisic, der sein Team optimal auf die Gegner einstellte und den Hunger in jedem einzelnen Spieler weckte.

Und mittendrin Steffen Hofmann, der Kapitän als verlängerter Arm auf dem Platz, der dem Team mit seiner Erfahrung die nötige Ruhe und den nötigen Halt verleiht.

LAOLA1 sprach nach dem Aufstieg in Pilsen mit allen drei Protagonisten.

Das sagt Sportdirektor ANDREAS MÜLLER zum historischen Aufstieg:

LAOLA1: Wieviele Nerven hat dieses Spiel heute gekostet?

Andreas Müller: Ich denke, dass wir insgesamt gesehen in allen Spielen halbe Dramen abliefern. Wir hätten sicher früher eine Entscheidung erzwingen können, teilweise waren wir leichtfertig mit unseren Chancen. Auf der anderen Seite ist auch klar, was auf dem Spiel steht. Wir hatten im richtigen Moment auch das nötige Glück auf unserer Seite und die Tore zum richtigen Zeitpunkt – wie das 2:1 in Pilsens Drangphase. Von daher sind wir einfach nur froh und glücklich, dass wir das so über die Bühne gebracht haben.

LAOLA1: So lange Dramen so ausgehen, ist es wohl zu verkraften. Wie ist diese Entwicklung der Mannschaft mit vier Siegen in vier Spielen zu erklären?

Müller: Es hat sich schon in den Quali-Spielen angedeutet, dass unsere Mannschaft einfach hungrig und heiß auf die internationalen Spiele ist. Wenn man dann sieht, wie wir die Spiele gegen Ajax und Shakhtar Donetsk bestritten haben, hat das schon sehr viel Vertrauen gegeben. Die Jungs haben gespürt: Wir können da mithalten, darüber hinaus haben wir nur ein Spiel international verloren. Den Rest haben wir auf Augenhöhe bestritten. Natürlich braucht man gute Momente, die hatten wir in vielen Spielen. Die Mannschaft hat sich das immer wieder erarbeitet. Das Vertrauen in die Mannschaft ist riesengroß, auch in das Trainerteam, das fantastische Arbeit geleistet hat. Jetzt geht es aber am Sonntag nach Grödig, das ist unser tägliches Brot. Da müssen wir den Hebel wieder umlegen können. Denn eines ist auch klar: In der Meisterschaft müssen wir wieder zulegen, der Sieg gegen Sturm war ein guter Auftakt. Ich denke, dass die Mannschaft auch genügend Selbstvertrauen besitzt, um bis zur Winterpause die nötigen Punkte zu holen, um dann wirklich auch oben in Schlagdistanz zu stehen, zu den Mannschaften, die noch vor uns stehen.

LAOLA1: Möglicherweise hat das Tor des Jahres den Aufstieg fixiert. Wie haben Sie diesen kuriosen Treffer wahrgenommen?

Müller: Es ist ja nicht das erste Mal in dieser Situation, dass sich Schobesberger auf den Arsch gelegt hat. Es gab Momente im Spiel, da ist er auch weggerutscht. Aber er hat einfach eine unglaubliche Schnelligkeit. Er ist ein Spieler, der Spiele entscheiden kann. Sicherlich hätte er sich heute noch mit dem einen oder anderen Tor mehr belohnen können, aber er ist einfach sehr schnell, kann gut mit dem Ball umgehen. Es war natürlich immens viel Glück dabei, aber das ist wurscht. Es ist passiert und wir freuen uns drüber.

LAOLA1: Man sieht, dass Schobesberger wieder auf dem Weg zurück ist und sich das Vertrauen bezahlt macht.

Müller: Er hat das auch schon in den letzten Bundesliga-Spielen angedeutet, dass er wieder zu der Stärke zurückfindet, die er in der Frühjahrssaison gehabt hat. Er hat noch eine Menge Luft nach oben und kann sich noch in vielen Bereichen verbessern. Aber er ist einfach ein Spieler, der in so einem Spiel den Unterschied ausmachen kann, einfach durch seine Wendigkeit und Schnelligkeit. Wenn er dann noch ein bisschen seriöser mit seinen Möglichkeiten umgeht, haben wir noch sehr viel Freude an ihm.

LAOLA1: Wie viel ist dieser Aufstieg wert – für Sie persönlich, die Mannschaft, den Verein?

Müller: Ich freue mich einfach für den ganzen Verein, für die Fans, die heute da waren und unglaubliche Stimmung gemacht haben. Es tut gut, dass Rapid in dieser überzeugenden Manier den Aufstieg geschafft hat. Das hat es in der Historie noch nie gegeben. Von daher ist es schon etwas, was man mit viel Freude und Anerkennung zur Kenntnis nimmt. Auf der anderen Seite warten weitere wichtige Aufgaben und Herausforderungen auf uns. Wir werden uns auch nicht ausruhen. Wir werden jetzt zusehen, dass wir in der Liga wieder weiter nach vorne kommen und dann freuen wir uns sicherlich, im nächsten Jahr international weiter dabei sein zu können.

LAOLA1: Dieser Erfolgslauf und der Aufstieg bietet Rapid sowohl finanziell als auch sportlich neue Möglichkeiten.

Müller: Also heute über Finanzen nachzudenken, kommt mir gar nicht in den Kopf - nur rein das Sportliche. Das ist ein Highlight, das die Mannschaft geschafft hat. Aber es ist nach wie vor auch für uns eine große Herausforderung, diese Leistung, die wir gezeigt haben, auch in allen Wettbewerben nachhaltig zu bestätigen.

Das sagt Trainer ZORAN BARISIC zum historischen Aufstieg:

LAOLA1: Wie viele Nerven hat dieses Spiel heute gekostet?

Zoran Barisic: Viele, so wie mich einige andere Spiele auch viele Nerven kosten. Vor allem deshalb, weil wir gewusst haben, dass wir uns einige Konterchancen herausspielen können und werden. Diese haben wir leider nicht eiskalt ausnützen können. Aber alles in allem zählt nur der Erfolg der gesamten Mannschaft. Dazu muss ich logischerweise gratulieren.

LAOLA1: 4. Sieg im 4. Spiel! Wie ist das für den Trainer in Worte zu fassen?

Barisic: Im Moment gar nicht für mich! Ich bin einfach nur überglücklich und sehr stolz darauf, Trainer dieses Teams sein zu dürfen. Ich kann einfach nur allen gratulieren – den Spielern, den Trainern, den Betreuern, unseren Fans und allen Mitarbeitern. Ich bin einfach stolz darauf, ein kleiner Teil dieses schönen großen Ganzen sein darf.

LAOLA1: Hat die Mannschaft vor allem in der hektischen Schlussphase wieder Nerven aus Stahl bewiesen?

Barisic: Es war generell nicht einfach für uns. Wir haben vor dem Spiel einige angeschlagene Spieler gehabt, das hat niemand gewusst. Wir wollten auch nicht, dass das irgendjemand erfährt. Jeder eigene ist über seine Grenzen gegangen. Sowohl physisch als auch psychisch. Es spricht auch für die Jungs, dass sie so einen unbändigen Willen und so eine große Einsatzbereitschaft und Leidenschaft an den Tag legen. Das ist eine Eigenschaft, die nicht alle Teams haben. Das zeichnet aber unsere Mannschaft aus.

LAOLA1: Schobesberger ist nach diesem Spiel wieder zurück, das Tor des Jahres hat er auch geschossen. Wie hat der Trainer von der Bank aus die kuriose Entscheidung miterlebt?

Barisic: Er war sehr müde, war von Krämpfen geplagt und ist einfach nur umgefallen und gestolpert, hat aber im Endeffekt das Richtige gemacht. Davor hat er doch die eine oder andere Möglichkeit gehabt, wo er noch fitter war. Die hat er nicht reingemacht. Vielleicht sollte er öfters stolpern vor dem Tor.

LAOLA1: Wollte man überhaupt eine Erklärung, wie das Tor zustande gekommen ist oder hat man es einfach so hingenommen?

Barisic: Wir haben es dann einfach nur hingenommen. Wir waren froh, dass er das Tor dann erzielt hat. Es war wieder einmal etwas, worüber wir uns vor dem Spiel unterhalten haben. Nämlich, dass es passieren kann, dieses Konterspiel, vor allem über Schobesberger und seine Schnelligkeit über die Contraseite. Diese Phase war sehr, sehr wichtig für uns, weil Pilsen irrsinnig viel Druck aufgebaut hat. Da war es einfach notwendig, dieses Tor zu erzielen. Sonst weiß ich nicht, wie es ausgegangen wäre.

Das sagt Kapitän STEFFEN HOFMANN zum historischen Aufstieg:

LAOLA1: 4 Spiele, 4 Siege. Wie ist dieser historische Aufstieg in Worte zu fassen?

Steffen Hofmann: Schwierig! Damit haben wir nicht gerechnet, um ehrlich zu sein, dass wir nach vier Spielen schon durch sind. Wir haben tolle Leistungen gezeigt in allen vier Spielen, haben uns das wirklich hart erarbeitet. Wir sind stolz auf uns und glücklich über den Sieg.

LAOLA1: Du hast bereits Champions League gespielt, für viele ist dies etwas ganz Neues. Wie hat die Mannschaft das aufgenommen?

Hofmann: Es ist sehr viel Freude dabei, auch bei mir. Auch ich habe das noch nicht erlebt, dass wir die Gruppe überstehen. Von daher ist es auch für mich ein ganz besonderer Sieg und ein ganz besonderer Tag.

LAOLA1: Ihr seid gut gestartet. Wie sehr hat dieses frühe Tor das Spiel erleichtert?

Hofmann: Es hat es schon erleichtert, Tore sind nun mal das Wichtigste. Aber wir haben gesehen, dass Pilsen eine gute Mannschaft hat, wir in der einen oder anderen Phase Glück gehabt haben. Aber wir haben auch die Qualität, Tore zu machen, hätten auch noch mehr machen können oder sogar müssen. Die zwei von Schobi haben dann aber gereicht.

LAOLA1:  Pilsen hat alles riskiert, und euch reingedrückt. Da war der Ausgleich schon abzusehen.

Hofmann: Das war uns klar, dass sie kommen werden. Uns war aber auch klar, dass wir Kontermöglichkeiten bekommen. Die haben wir zu Beginn nicht gut genug ausgespielt, sonst hätten wir früher die Entscheidung machen können. Pilsen hat aber nicht umsonst in den letzten Jahren in der Champions League gespielt. Wir haben es geschafft, sie zwei Mal zu schlagen. Deswegen war uns klar, dass es ein enges Spiel wird. Wir haben aber immer daran geglaubt, gewinnen zu können.

LAOLA1:  Hat die Mannschaft einfach einmal mehr Nerven aus Stahl bewiesen in der hektischen Schlussphase?

Hofmann: Zum einen schon, zum anderen haben wir eine gewisse Qualität in der Mannschaft. Es ist eine sehr ausgeglichene Mannschaft, die vieles mitbringt. Wir haben Spieler, die unglaublichen Speed haben, welche, die gut die Bälle halten können und welche, die sich 90 Minuten zerreißen. Das macht unseren Erfolg aus.

LAOLA1: Nach dem Spiel muss man sagen: Schobesberger ist zurück! Tor des Jahres.

Hofmann: Von der Bank hat man es nicht genau gesehen. Einerseits Tor des Jahres, andererseits Hoppala des Jahres. So etwas habe ich davor noch nicht gesehen. Aber das ist uns relativ egal, Hauptsache der Ball war drin.

LAOLA1: Welchen Stellenwert hat dieser Aufstieg und wie groß ist die Vorfreude, zu Überwintern und das erstmals zu erleben?

Hofmann: Wir freuen uns sehr, aber was dann im Frühjahr kommt, ist noch sehr weit weg für uns. Wir haben noch viele Spiele vorher im Herbst und werden wenn möglich in der Liga den Abstand nach vorne verkürzen. International wollen wir trotzdem auch die letzten zwei Spiele gewinnen. Wir wissen natürlich, dass es schwer wird, aber wir werden alles geben.

LAOLA1: Ist die Mannschaft so hungrig, um in allen Bewerben alles in die Waagschale zu werfen und trotz Aufstieg auch in der Europa League nicht nachlässt?

Hofmann: Ich denke schon. Wir wollen zeigen, dass wir nicht zu Unrecht da oben stehen. Dafür wollen wir uns auch in Villarreal, auch wenn das mit Abstand die beste Mannschaft in unserer Gruppe ist, gut verkaufen, um dann zu Hause gegen Minsk hoffentlich einen schönen Abschied vom Europacup-Herbst zu feiern.


Aus Pilsen berichtet Alexander Karper

LAOLA1: Ein Schobesberger in Bestform kann in den kommen Wochen sicher noch sehr nützlich werden.

Barisic: Natürlich, wir haben auch noch Louis Schaub, den wir heute nicht bringen konnten, aber der ein super Fußballer ist, der auch in Europa bewiesen hat, wie wertvoll er für uns ist. Wir haben da schon sehr viel Qualität.  Aber wir hatten einige angeschlagene Spieler vor dem Spiel, danach wird es den einen oder anderen mehr geben. Aber das war es wert. Es lohnt sich, wenn man über seine Grenzen geht und alles gibt. Ich freue mich einfach für unseren Klub und unsere Mannschaft.

LAOLA1: Wie viel Stolz und Freude ist dabei, wenn man die Spieler mit den Fans feiern sieht?

Barisic: Es ist ein unglaubliches Gefühl, auch für mich, wenn ich das von der Seite beobachten darf. Das haben sich die Jungs verdient, das haben sich die Fans verdient. Niemand hätte uns das vor knapp zweieinhalb Jahren zugetraut, dass wir irgendwann dorthin kommen können, wo wir jetzt stehen. Umso schöner ist es, dass wir es gemeinsam geschafft haben. Das sollte uns sehr viel Mut, Zuversicht und Selbstbewusstsein für die Zukunft geben.

LAOLA1: Es ist ein historischer Aufstieg! Welchen Stellenwert hat dieser Erfolg für den Verein, die Mannschaft, das Trainerteam?

Barisic: Für uns als Mannschaft, als Betreuerteam und den Verein hat es einen irrsinnig hohen Stellenwert. Man kann es nicht mit dem vergleichen, was wir damals als Spieler erreicht haben, weil wir damals international nicht so viele Spiele bis zum Winter zu bestreiten hatten, wie es heute der Fall ist. Deshalb ist es etwas Historisches und Einzigartiges für unseren Klub. Wir können alle stolz darauf sein.

Pilsen Rapid
Ballbesitz 67,7% 32,3%
Zweikämpfe 54,5% 46,5%
Passquote 84,8% 70,7%
Eckbälle 8 1
Torschüsse 18 10
Torschüsse außerhalb Strafraum 8 4
Torschüsse innerhalb Strafraum 10 6
Kopfballchancen 3 0
Abseits 2 0
Fouls 8 10
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