"Es ist etwas Historisches und Einzigartiges für Rapid"

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Die Geschichtsbücher wurden neu geschrieben!

Erstmals in der Historie des SK Rapid steht der Verein im Sechzehntelfinale der Europa League, erstmals sind die Grün-Weißen in diesem Bewerb auch im Frühjahr noch dabei.

International über den Winter zu kommen, gelang zuletzt vor 20 Jahren, genauer gesagt 1995 – damals noch mit dem heutigen Trainer Zoran Barisic als Spieler.

„Im Moment kann ich es nicht in Worte fassen! Ich bin einfach nur überglücklich und sehr stolz darauf, Trainer dieses Teams sein zu dürfen. Ich bin einfach stolz darauf, ein kleiner Teil dieses schönen großen Ganzen sein zu dürfen“, so der 45-jährige Wiener gegenüber LAOLA1.

„Das ist für jeden das absolute Karriere-Highlight“

Nach dem 2:1-Erfolg bei Viktoria Pilsen, dem vierten Sieg im vierten Gruppenspiel, lagen sich Spieler, Betreuer und Fans in den Armen.

So richtig realisiert haben es möglicherweise noch die wenigsten, auch wenn bei lautstarker Musik gefeiert wurde. „In der Kabine ist es natürlich ein bisschen abgegangen“, verriet Mittelfeldmotor Stefan Schwab.

„Es ist unglaublich. Das ist für jeden das absolute Karriere-Highlight, nur Steffen Hofmann hat schon einmal Champions League gespielt. Aber ansonsten ist es für jeden das Größte, was bisher passiert ist.“

Trotz Erfahrungen in der Königsklasse ist es aber auch für den angesprochen Kapitän keine Selbstverständlichkeit.

„Der Sieg hat sehr viele Emotionen freigesetzt“

In irgendeiner Art und Weise ist es sogar für den Routinier mit der Nummer elf Neuland, das er mit viel Stolz betritt.

„Es ist sehr viel Freude dabei, auch bei mir. Auch ich habe das noch nicht erlebt, dass wir die Gruppe überstehen. Von daher ist es auch für mich ein ganz besonderer Sieg und ein ganz besonderer Tag.“

Für die großteils noch unerfahrene Mannschaft ging ein Traum in Erfüllung. Jegliche Vorstellungskraft wurde gesprengt.

„Der Sieg hat sehr viele Emotionen freigesetzt. Wir sind irrsinnig glücklich, haben uns den Sieg hart erkämpft. Es ist wunderschön, bei so einem Aufstieg dabei zu sein, weil es doch etwas Historisches ist“, war auch Florian Kainz überwältigt.

„Darauf eingestellt, Großes erreichen zu können“

Für den Steirer ist dieser Aufstieg „sehr weit oben einzuordnen“. Auch für Philipp Schobesberger, der von einer „ganz neuen Erfahrung“ spricht.

Wenn auch auf kuriose Weise, denn den Siegtreffer wird Schobesberger keiner so schnell nachmachen (hier geht’s zu den lustigen Reaktionen auf „Stolpersbergers Tor des Jahres“).

„Es war diesmal sehr wichtig, dass wir auch dreckig gewinnen können. Es war nicht unser bestes Spiel, normalerweise lassen wir uns nicht so weit hinten reindrängen. Zum Glück hat es gereicht“, atmete Florian Kainz auf.

Trotz der noch bevorstehenden Aufgaben in der Bundesliga, im ÖFB-Cup und in den letzten zwei Spielen der EL-Gruppenphase, schielen die Wiener mit Vorfreude in den Februar.

„Es ist etwas Historisches und Einzigartiges“

Für das Sechzehntelfinale könnten große Namen aus dem Lostopf gezogen werden, für den Aufstieg fließen weitere 500.000 Euro auf das Konto. Insgesamt belaufen sich die Prämien aus den bisherigen internationalen Auftritten auf rund 7 Millionen Euro.

„Wir haben tolle Leistungen gezeigt in allen vier Spielen, haben uns das wirklich hart erarbeitet. Wir sind stolz auf uns und glücklich über den Sieg“, gab Hofmann zu verstehen und Schwab ergänzte: „Wir haben international nur ein Spiel verloren, das waren alle keine Nasenbohrer.“

Trotzdem muss der Schalter trotz der großen Freude schon bald wieder auf den Liga-Alltag umgelegt werden. „Für Träume ist es jetzt noch zu früh. Bis ins Frühjahr sind noch viele Spiele. Wir können gute Gegner kriegen, das wäre eine große Herausforderung“, so Schobesberger zurückhaltend.

Das Schlusswort gehörte an diesem denkwürdigen Abend jedoch dem Trainer, der nach Worten für das Erreichte rang: „Es ist etwas Historisches und Einzigartiges für unseren Klub. Wir können alle stolz darauf sein.“


Aus Pilsen berichtet Alexander Karper

 

Rapid kannte die Ausgangsposition, stellte sich darauf ein und strafte alle Kritiker Lügen. Bereits Anfang November das Ticket für die nächste Runde zu lösen, wurde von keinem auch nur ansatzweise als realistisch eingestuft. Auch nicht von Schwab:

„Dass wir nach vier Spielen schon durch sind, ist natürlich unglaublich. Damit hat keiner rechnen können, wir selber auch nicht. Aber wir haben gewusst, dass wir es heute fixieren können. Wir haben uns schon darauf eingestellt, dass wir Großes erreichen können.“

Wieder einmal zeigten die Spieler Nerven aus Stahl, die schlussendlich der Schlüssel zum Erfolg waren.

Dem Druck standgehalten

Denn obwohl Rapid die frühe Führung von Schobesberger (12.) in die Karten spielte, war man sich bewusst, dass Pilsen alles in die Waagschale werfen würde.

„Pilsen hat wirklich Druck gemacht, in der ersten Halbzeit ist es noch mehr hin und her gegangen. Da haben wir super Nadelstiche setzen können. Wir haben gewusst, dass es für Pilsen schwer wird, wenn wir in Führung gehen, weil sie auf Sieg spielen mussten“, analysierte Schwab.

Dies äußerte sich vor allem nach der Pause in zahlreichen Angriffen der Hausherren, die Rapid weit in die eigene Hälfte zurückdrängten.

„Das war uns klar, dass sie kommen werden. Uns war aber auch klar, dass wir Kontermöglichkeiten bekommen. Die haben wir zu Beginn nicht gut genug ausgespielt, sonst hätten wir früher die Entscheidung machen können“, haderte Hofmann.

„Wichtig, auch dreckig gewinnen zu können“

Denn irgendwann war Jan Holendas Ausgleich (71.) nicht mehr zu vermeiden, die Partie schien in der Schlussphase zu kippen. Bis Rapid wieder einmal in dieser eindrucksvollen europäischen Saison die richtige Antwort gab.

Pilsen Rapid
Ballbesitz 67,7% 32,3%
Zweikämpfe 54,5% 46,5%
Passquote 84,8% 70,7%
Eckbälle 8 1
Torschüsse 18 10
Torschüsse außerhalb Strafraum 8 4
Torschüsse innerhalb Strafraum 10 6
Kopfballchancen 3 0
Abseits 2 0
Fouls 8 10
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