"Das hat schon niemand erwartet"

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Es ist wohl das Duell der Duelle für den SCR Altach.

Nur mehr Belenenses Lissabon trennt die Vorarlberger vom Einzug in die Gruppenphase der Europa-League.

Nach dem überraschend souveränen Aufstieg gegen Vitoria Guimaraes hat die Mannschaft von Trainer Damir Canadi jedenfalls Blut geleckt, um für den größten Erfolg im vorarlbergischen Fußball zu sorgen.

Im LAOLA1-Interview spricht SCRA-Kapitän und Routinier Philipp Netzer über den großen Showdown und verrät, dass man sich durchaus Chancen ausrechnet.  

LAOLA1: Philipp, ganz direkt gefragt: Ist das Duell mit Belenenses Lissabon das wichtigste in der Altacher Vereinsgeschichte?

Philipp Netzer: Ob es das Wichtigste ist, ist schwer zu sagen. Es ist aber jenes, mit der höchsten Bedeutung, mit dem höchsten Stellenwert. Das auf jeden Fall, denn man hat sich in Altach nicht erträumen lassen, dass solche Spiele vor einem stehen. Es ist eine Riesen-Aufgabe und macht uns stolz, dass wir die Gruppenphase der Europa League mit zwei Spielen erreichen können.

LAOLA1: Die Vorfreude ist bestimmt groß. Doch könnte der Gedanke, etwas Historisches zu erreichen, vielleicht hemmend wirken?

Netzer: Natürlich wollen wir die Gruppenphase erreichen, keine Frage. Es ist jetzt einfach greifbar. Ich glaube nicht, dass es hemmt. Durch das Überstehen der dritten Quali-Runde haben wir schon etwas geschafft, was eigentlich niemand erwartet hat. Wir wussten, dass wir mit zwei guten Tagen Chancen haben. Gleiches gilt für die kommende Aufgabe. Belenenses ist klarer Favorit, aber wenn wir geschlossen auftreten und wieder zwei gute Tage erwischen, ist es möglich. Druck verspüren wir jedoch keinen. Der liegt schon ganz klar bei den Portugiesen. Mit der Einstellung müssen wir ins Spiel gehen. Wir haben nichts zu verlieren.

LAOLA1: Nach der Auslosung haben die Verantwortlichen angesichts der anderen möglichen Gegner von einem guten Los gesprochen. Teilst du diese Meinung? Ist das machbar?

Netzer: Machbar? Wie definiert man das? Wie gesagt, Belenenses ist klarer Favorit. Man darf nicht mit der Einstellung in die Partie gehen, dass man schon einen portugiesischen Verein eliminiert hat, der in der Tabelle besser platziert war. Ich gehe nicht davon aus, dass Lissabon leichter zu packen ist. Es wird eine ganz andere Begegnung werden: Mit einer anderen Spielweise, einer anderen Spielanlage. Das zu vergleichen, wäre der falsche Ansatz. Es wird ein hartes Stück Arbeit werden. Wir haben 180 Minuten oder mehr Zeit, den Aufstieg zu schaffen. Es muss nicht gleich in Innsbruck erledigt sein. Von einem glücklichen Los zu sprechen, wäre zu viel und respektlos dem Gegner gegenüber. Mit dieser Einstellung gehen wir in die Partie, wobei wir uns nicht verstecken wollen. Wir werden versuchen, offensive Akzente zu setzen, wollen für Entlastung sorgen, um damit vielleicht den Gegner am falschen Fuß erwischen zu können.

LAOLA1: Glaubst du, dass euch Lissabon ein wenig unterschätzen wird oder ist das nach dem Erfolg gegen Guimaraes auszuschließen?

Netzer: Ich kann jetzt nur von Guimaraes sprechen. Sie hatten ein sehr selbstbewusstes Auftreten. Und ich denke, dass durch die zwei Spiele auch bei Belenenses kein großes Umdenken stattfinden wird. Sie werden jetzt nicht Angst oder großen Respekt vor einer österreichischen Mannschaft wie Altach, das noch keine großen internationalen Auftritte vorzuweisen hat, aufbringen. So etwas ist aus den Köpfen der Spieler schwer rauszubringen, auch wenn sie der Trainer bestimmt warnen wird. Vielleicht werden sie uns ein bisschen ernster nehmen, aber die Grundeinstellung, dass der portugiesische Fußball über dem österreichischen steht, wird beibehalten werden.

LAOLA1: Ist es für euch in der Vorbereitung ein Vorteil, bereits gegen einen portugiesischen Vertreter gespielt zu haben? Welche Infos habt ihr von Belenenses Lissabon?

Netzer: Der portugiesische Fußball ist technisch sehr versiert. Es gibt viele schnelle, flinke Spieler. Es wird viel über die Seite gespielt. Guimaraes und Belenenses sind jedoch nicht zu vergleichen. Wir werden uns gut auf den Gegner einstellen und dagegen halten.

LAOLA1: Roland Linz hat im Frühjahr 2014 bei Belenenses gespielt. Hat man sich von ihm ein paar Tipps geholt oder ist dafür zu viel Zeit verstrichen?

Netzer: Nein, das hätte auch keinen Sinn. Da liegt zu viel Zeit dazwischen. Die Mannschaft wird mittlerweile ein anderes Gesicht haben. Wir werden uns selbst ein Bild vom  Gegner machen. Schlussendlich entscheidet dann aber sowieso am Platz die Tagesform.

LAOLA1: Wie bedauerlich ist es, das Heimspiel in Innsbruck austragen zu müssen?

Netzer: Klar wäre es schöner, wenn wir in Altach spielen würden – so ehrlich muss man sein. Daheim sind wir eine Macht und Innsbruck ist doch ein Stück entfernt. Dennoch hoffe ich, dass noch mehr Zuschauer als das letzte Mal kommen. Schon damals war die Stimmung sehr gut. Einen großen Nachteil hat man nicht gesehen. Wir fühlen uns dort wohl, es ist ein schönes Stadion.

LAOLA1: Lenkt der Europacup-Aufritt ein wenig ab? Denn ihr seid nicht unbedingt gut in die neue Bundesliga-Saison gestartet.

Netzer: Das ist schwer zu sagen. Die Ergebnisse – nicht die Leistungen – lassen ein wenig darauf schließen. Wir haben uns in der Vorbereitung aber auf eine intensive Anfangsphase vorbereitet. Wir müssen uns noch besser auf die vielen Spiele einstellen. Vielleicht müssen wir auch ein bisschen ergebnisorientierter spielen. Ich möchte das dichte Programm aber nicht als Ausrede hernehmen, warum wir in der Liga schwächeln. Der Kader ist groß genug. Es muss sich jeder Spieler selbst an der Nase nehmen.

 

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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