Aufmacherbild

Ausschreitungen trüben Hannovers Freude

Nach dem größten Erfolg seit 19 Jahren von Hannover 96 sind Flaschen und Fäuste geflogen.

Zwei Wasserwerfer fuhren auf dem Busparkplatz des Maurice-Dufrasne-Stadion in Lüttich vor, die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein.

Diese unschönen Ausschreitungen zwischen 96-Fans und belgischen Beamten passten zu einem merkwürdigen Fußball-Abend: Die Niedersachsen hatten vorzeitig und erstmals die K.o.-Runde der Europa League erreicht - doch die Stimmung war gründlich verdorben.

Keine Freude bei H96

Fröhliche Gesichter waren nicht zu sehen, die erhoffte Party fiel aus. Die erste Niederlage im siebenten Europa-League-Spiel, vor allem aber die Art und Weise des 0:2 (0:1) gegen Standard Lüttich hatte Spielern, Fans und Verantwortlichen des Cupsieger 1992 zugesetzt.

"Ich persönlich freue mich noch nicht so sehr, weil ich nicht einverstanden bin mit unserem Spiel in der zweiten Hälfte", sagte 96-Trainer Mirko Slomka.

"Das Zweikampfverhalten war unterirdisch, das geht natürlich nicht", kritisierte Slomka. "Gefehlt hat uns das Durchsetzungsvermögen im Sechzehner und rundherum."

Die fehlende Präzision beim Passspiel gehört seit einigen Wochen zu den größten Problemen. Es ist daher nicht beruhigend, dass es im letzten Gruppenspiel (Pool B) am 15. Dezember daheim gegen Worskla Poltawa um nichts mehr geht, da Standard als Gruppensieger feststeht.

Krawalle trüben Stimmung

Während die Spieler, zu denen Ersatzgoalie Samuel Radlinger und Innenverteidiger Emanuel Pogatetz, nicht aber dessen österreichischer Landsmann Daniel Royer (noch nicht einsatzberechtigt) zählten, in einem feinen Schlosshotel am Stadtrand von Lüttich das schwache Spiel noch einmal Revue passieren ließen, mussten einige Fans die Nacht zum Donnerstag in einer Arrestzelle verbringen.

"50 Randalierer sind aus dem Stadion rausgekommen, haben die Polizei provoziert und angegriffen", berichtete der Einsatzleiter. "Wir mussten Wasserwerfer einsetzen."

Außerdem sprühten die Beamten Reizgas und setzten Schlagstöcke ein. Vier Hannoveraner wurden festgenommen.

Hartes Vorgehen der Exekutive

96-Anhänger klagten über das harte Vorgehen der Polizei, der Einsatzleiter sagte dazu: "Es ist in Belgien so, dass wir eher einen Wasserwerfer einsetzen als einen verletzten Kollegen zu haben. Einige Fans waren einzig darauf aus, die Polizei zu provozieren."

Der Einsatzleiter sah sich auch bestätigt, dass die Stadtverwaltung im Vorfeld restriktive Auflagen erlassen, einen Sonderzug untersagt und das Tragen von Fan-Utensilien in der Innenstadt verboten hatte.

"Ich stelle mir das auf unserem Weihnachtsmarkt vor", sagte der Einsatzleiter der Polizei zu den Auseinandersetzungen: "Das wäre kein schönes Schauspiel gewesen."

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»