Mit dem Rücken zur Wand

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"Das ist ein sehr, sehr bitteres Ergebnis"

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Red Bull Salzburg steht international mit dem Rücken zur Wand.

Nach dem achten gescheiterten Versuch in die Champions League einzuziehen, wackelt nach der 0:2-Niederlage bei Dinamo Minsk im Playoff-Hinspiel auch die Teilnahme an der Europa League gewaltig.

„Das ist ein sehr, sehr bitteres Ergebnis, vor allem wenn man den Spielverlauf in der ersten Hälfte sieht, und dass wir in letzter Sekunde das 0:2 bekommen haben“, sagte Trainer Peter Zeidler.

Der Deutsche, der die vierte Niederlage im neunten Pflichtspiel hinnehmen musste, gibt sich freilich kämpferisch: „Wir sind noch nicht ausgeschieden und müssen die Mannschaft wieder aufrichten."

Um im Herbst nicht zuschauen zu müssen, sollten aber im Training und folglich im Spiel allmählich Lösungen gefunden werden.

  • Am Sechzehner ist Schluss

Salzburg war in der ersten Hälfte drückend überlegen. Der Gegner beschäftigte die Abwehr des Meisters nicht im Geringsten, doch auf der anderen Seite waren die Weißrussen auch nur bedingt gefordert. Denn die Gäste näherten sich zwar oft dem Sechzehner, doch dann war Schluss. In der Mitte reichte es für Dinamo, halbwegs kompakt zu stehen.

Von außen kamen zumeist nur deplatzierte Flanken. Einmal spielte Startelf-Rückkehrer Christian Schwegler einen klugen Pass in den Rücken der Abwehr, prompt hatte Naby Keita die Führung auf dem Fuß, vergab aber knapp. Die beste Salzburger Chance im Spiel.

Und sonst? Wie so oft in der Saison passierten zu viele Missverständnisse oder die Stürmer Yordy Reyna und Dimitri Oberlin liefen sich fest. Salzburg kann in dieser Konstellation keine Tore erzielen. Für diese Qualitiät waren sie in den vergangenen beiden Jahren eigentlich noch berühmt – halten sie doch etwa den Torrekord in der Europa-League-Gruppenphase.

Früher war es auch eine Seltenheit, in einem Spiel ohne Tor zu bleiben. Nun passierte dies international zum zweiten Mal in Folge. Hier müssen einfach neue Lösungen gefunden werden.

  • Die Hoffnung stirbt zuletzt

Auch für die aktuelle Salzburger Mannschaft. Ein 0:2 ist zu Hause alles, aber nicht unaufholbar. Auch gegen Malmö konnte Salzburg zu Hause mit diesem Ergebnis reüssieren. Es ist dem Meister auch deswegen zuzutrauen, zumal einige der am Donnerstag verletzten Spieler für das Rückspiel zurückkommen könnten.

Der im Angriff schmerzlich vermisste Kapitän Jonatan Soriano sollte wie der derzeit erkrankte Havard Nielsen wieder am Start sein. Auch bei Martin Hinteregger gab es am Rande des Hinspiels Entwarnung – Bauchmuskelzerrung statt Schambeinentzündung. Für die Austria am Sonntag wird das zwar noch nicht reichen, doch der größere Fokus liegt ohnehin nun auf die Partie gegen Minsk.

Marco Djuricin ist fraglich. Sicher nicht spielen werden Omer Damari und Reinhold Yabo, die auch auf der UEFA-Kaderliste nicht aufscheinen. Sollten Soriano, Hinteregger und Nielsen zurückkehren, wäre dies ein erheblicher Qualitätszuwachs für ein frühes Endspiel dieser Saison.

 

Bernhard Kastler

  • Die Defensive bleibt instabil

„Wir haben wieder feststellen müssen, dass kleinste Konzentrationsschwächen von erfahrenen Mannschaften ausgenutzt werden“, musste sich Zeidler nach der Niederlage wiederholen. In der ersten Hälfte kam Dinamo durch den sonst sehr blassen Stürmer Fatos Beqiraj nur per Zufall zu einer Halbchance – aus den Folgen eines Eckballs.

Nach der Pause nützten die Gastgeber dann ihre bis dahin einzig gute Möglichkeit. Joker Adamovic bediente über Umwegen Rassadkin, nachdem Goalie Alexander Walke den Ball vor seinen Kopf hin abprallen hatte lassen. Im Finish vergab der Torschütze die Riesen-Chance auf das 2:0, nachdem Duje Caleta-Car für einen schweren Schnitzer gesorgt hatte.

Paulo Miranda spielte erstmals nach seinem persönlichen Malmö-Desaster. Und trotz der Ungefährlichkeit von Minsk war der Brasilianer weiterhin ein Unsicherheitsfaktor. Eigentlich beängstigend. Vorne wie hinten arbeitet das Team weiter nicht als Mannschaft, so wie es das Salzburger Spiel bedingt.

Und die vielen jungen Spieler gelten auch nicht als Ausrede, blieben doch die Routiniers Walke (32), Ulmer (29), Schwegler (31) oder Leitgeb (30) in diesem Hinspiel aus unterschiedlichen Gründen hinter ihren Erwartungen.

  • Im Finish wieder ein unnötiges Gegentor

Wäre nicht schon eine 0:1-Niederlage ärgerlich genug gewesen, so war es das Gegentor zum 0:2 umso mehr. Aber es hat sich irgendwie angekündigt. Schließlich ist Salzburg im Finish anfällig. In dieser Saison kassierte man schon in Mattersburg ein völlig unnötiges Gegentor zum 1:2 – nicht das erste Mal, seit Salzburg diese Philosophie umsetzt.

Auch in einem Playoff-Hinspiel ist es nicht verboten, ein 0:1 in der Fremde „heimzuspielen“. Doch Minsk legte eben noch einen drauf. Dinamo-Trainer Vuk Rasovic hatte nach der Partie einen interessanten Satz parat: „Es ist genau wie geplant gelaufen.“

So gehörte die offensivlose erste Hälfte offenbar zum Plan, um nach der Pause gegen Salzburger, die vorne umsonst anliefen, zuzuschlagen. Adamovic, eigentlich in der Startelf erwartet, legte das 1:0 auf und erzielte das 2:0. Voronkov assistierte ebenfalls als Joker. Während Salzburgs Einwechselspieler nicht auffielen, wechselte Dinamo den Sieg ein.

„Zwei Tore sind gut“, meinte Rasovic wohlwissend, dass sich mit dem zweiten Treffer die Aufgabe für seine kompakte Mannschaft erheblich leichter darstellt.

Salzburg tut sich auswärts in K.o-Duellen indes weiterhin schwer.

Saison Bewerb Gegner Ergebnis
12/13 CL-Quali Düdelingen 0:1
13/14 CL-Quali Fenerbahce 1:3
13/14 EL-Playoff Zalgiris 2:0
13/14 EL-1/16 Ajax 3:0
13/14 EL-1/8 Basel 0:0
14/15 CL-Quali Qarabag 1:2
14/15 CL-Playoff Malmö 0:3
14/15 EL-1/16 Villarreal 1:2
15/16 CL-Quali Malmö 0:3
15/16 EL-Playoff D. Minsk 0:2
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