LAOLA1: Trainer Roger Schmidt betont immer wieder: „Wir spielen anders als die anderen.“ Salzburg nimmt auch relativ viel Risiko. Wie faszinierend ist das aus Trainer-Perspektive?

Hoffmann: Es ist natürlich beeindruckend, wie sie das machen, da braucht man sich nur die Spiele anzuschauen. Ich habe unglaublich hohen Respekt davor, was sie in den letzten eineinhalb Jahren aus dieser Mannschaft gemacht und welche Philosophie sie generell reingebracht haben. Die Spieler sind physisch alle in einem Topzustand, das sieht man in jedem Spiel. Sie können das Tempo wirklich über 90 Minuten gehen. Es ist unglaublich beeindruckend und ich habe sehr großen Respekt davor.

LAOLA1: Salzburgs Vertreter äußern im Gegenzug auch großen Respekt vor dem FC Basel. Wie sehen Sie die Ausgangsposition? Hat Basel das Potenzial, Salzburgs Spielweise zu kontern?

Hoffmann: Bis jetzt hat sich jeder Gegner irgendeinen Plan zurechtgelegt, bis jetzt hat es nie funktioniert. Also ist es schwierig vorauszusehen, ob das, was wir uns vornehmen, umzusetzen ist, ob die Spieler mit dem Druck, den sie am Platz bekommen, umgehen können. Da wäre man ein Prophet, wenn man vorher sagen könnte, das wird funktionieren oder nicht. Es wird auf jeden Fall spannend. Ich höre und lese ja auch immer: Basel hat international mehr Erfahrung. Ich sage immer: Die Erfahrung, die du vor ein oder zwei Jahren gemacht hast, interessiert heute im Fußball niemanden mehr. Das ist alles vergessen, das ist vorbei. Nur der Jetzt-Zustand zählt, nicht was war. Jetzt ist Red Bull einfach in einer unglaublichen Euphorie, hat unglaubliches Selbstvertrauen.

LAOLA1: Der Jetzt-Zustand von Basel ist wiederum sehr interessant: Man ist Tabellenführer, hat in der Meisterschaft erst eine Partie verloren. Dennoch gab es zuletzt Pfiffe und Kritik. Ist es wirklich so schlecht, wie es teilweise gemacht wurde?

Hoffmann: Wenn man im Achtelfinale der Europa League, im Cup-Halbfinale und mit fünf Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze steht, sagt das alles darüber aus, dass nicht alles so schlecht sein kann. Natürlich sind wir in Basel diesbezüglich auch verwöhnt. Man muss immer schönen Fußball spielen und gewinnen, dann ist man zufrieden. Wenn das einmal nicht so ist, wird viel von außen reingetragen und gesagt: Es läuft nicht. Ich würde nicht behaupten, wenn man in so vielen Spielen nur ein Mal verliert, dass es nicht läuft. Vielleicht agieren wir zurzeit ein bisschen unglücklich. Wenn man das letzte Spiel vom Wochenende hernimmt: Wir haben gegen St. Gallen zu Hause 1:1 gespielt – bei einem Torschussverhältnis von 27:3. Bei Red Bull ist es oft so, dass jeder Freistoß oder Schuss im Winkel ist, bei uns im Moment eben nicht. Aber das kennt man ja im Fußball. Das ist etwas, das man sich einfach wieder erarbeiten muss. Aber schlecht laufen würde ich nicht sagen. Ich glaube, das ist Jammern auf hohem Niveau.

LAOLA1: Was sind die Grundpfeiler der Basel-Philosophie?

Hoffmann: Vor allem die gute Nachwuchsarbeit, wo immer wieder viele Spieler herauskommen. Diesbezüglich kommt natürlich dazu, was man in letzter Zeit auch bei Red Bull gesehen hat: Du musst einfach den Mut haben, junge Spieler spielen zu lassen. Das hat sich auch in Salzburg ausgezahlt. Vor eineinhalb Jahren hat kein Mensch einen Andre Ramalho gekannt, Martin Hinteregger teilweise auch nicht. Da hättest du viel gewinnen können, wenn du darauf gewettet hättest, dass sie dann wirklich das Innenverteidiger-Duo bilden. Damit hat keiner gerechnet. Es war vielleicht nicht immer so geplant, aber es ergibt sich halt. Man muss Spieler spielen lassen, sonst werden sie nicht besser.

LAOLA1: Basel ist bereits Serienmeister, international ist man auch schon weit gekommen. Wo kann die Reise noch hingehen?

Hoffmann: Das größte Ziel ist ganz einfach, dass der FC Basel heuer Schweizer Meister wird. Dann ist man fix für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert, was jedes Jahr ein Riesen-Schritt für den Verein ist. Man kann das fünfte Mal hintereinander Meister werden, was in der Schweiz noch nie jemand geschafft hat. International sind wir genauso ein kleines Licht wie viele andere Vereine, dessen muss man sich einfach bewusst sein – von den Mitteln und vielen anderen Dingen her. Aber: Man kann immer wieder große Mannschaften ärgern, wie wir letztes Jahr gezeigt haben, als wir ins Halbfinale der Europa League gekommen sind.

LAOLA1: In Österreich wird Basel immer wieder als Vorbild dafür hergenommen, wie man einen Verein aufstellen muss. Was kann sich ein österreichischer Verein abschauen?

Hoffmann: Wir sind zwar ein kleines Team, aber es wird täglich unglaublich professionell gearbeitet. Ich tue mir schwer zu beurteilen, ob Rapid, Austria Wien oder ein anderer Verein das oder das besser machen müssen. Ich habe da wie dort zu wenig Einsicht. Das kann und will ich auch gar nicht beurteilen. Ich will auch nicht beurteilen, ob irgendwer schlecht arbeitet. Ich kann nur sagen, was wir machen, und ich glaube, dass wir in den letzten Jahren vieles nicht so schlecht gemacht haben.

LAOLA1: Wie weit ist der Schweizer Fußball dem österreichischen  voraus?

Hoffmann: Als wir die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz hatten, hat man in der Schweiz vielleicht ein bisschen mehr richtig gemacht als in Österreich. Da wurde in Österreich ein bisschen etwas verabsäumt. Aber ich muss sagen, in den letzten zwei, drei Jahren hat das Nationalteam einen unglaublichen Schritt nach vorne gemacht, die Nachwuchs-Nationalteams ebenso. Der Unterschied wird mittlerweile von Jahr zu Jahr kleiner. Man ist in der Schweiz vielleicht ein bisschen früher dran gewesen als in Österreich.

LAOLA1: Generell verdient es riesigen Respekt, was beim FC Basel in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde. Jahr für Jahr werden Leistungsträger um gutes Geld ins Ausland verkauft. Dennoch hat man von außen den Eindruck, dass Ersatz umgehend parat steht.

Hoffmann: Das sind alles Sachen, die nicht einfach passieren. Erstens steckt eine Philosophie dahinter und zweitens nicht so wenig Arbeit. Man muss ja auch mit diesen Spielern arbeiten, um sie weiterzuentwickeln. Wenn du einen jungen Spieler aus dem Ausland holst, wird er nicht nur deswegen gut, weil er in Basel wohnt. Der ganze Verein arbeitet unglaublich gut. In den letzten zwei Jahren hat man sechs oder sieben Hochkaräter verkauft. Man muss natürlich sagen, dass es nicht immer so einfach ist, die eins zu eins zu ersetzen. Bei einem Mohamed Salah, der im Winter an Chelsea verkauft wurde, kann man nicht einfach sagen: Ich greife in die Schublade und ersetze ihn eins zu eins. So einfach ist es auch wieder nicht.

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