LAOLA1: Erwartest du Basel in Salzburg taktisch ähnlich wie im Hinspiel?

Klein: Ja. Wir erwarten schon, dass sie eher wieder so agieren wie in Basel und einmal darauf wert legen, dass sie kein Tor bekommen. Sie werden sich wahrscheinlich sagen, dass sie sicher aus einer Aktion, sei es aus einem Standard oder einem Konter, ein Tor machen. Man konnte ja auch sehen, dass sie bei Standardsituationen sehr stark sind. Wir hatten zwölf Eckbälle und keiner war richtig gefährlich.

LAOLA1: Basel war einerseits nicht unzufrieden mit dem 0:0, andererseits gab es auch Stimmen wie jene von Valentin Stocker, der meinte, dass man zu viel Respekt hatte, sich im Vorfeld zu sehr mit dem Salzburger Pressing beschäftigt hätte und man schon die Qualität habe, um durchzukommen. Für das Rückspiel gab er sich optimistisch. Ist er da zu optimistisch?

Klein: Denke ich nicht. Wie gesagt: Wir waren beim Pressing nicht ganz so konsequent, und sie haben sich dieses Pressing sicher noch stärker erwartet. Es wäre eigentlich ganz gut, wenn sie versuchen würden, mehr von hinten herauszuspielen. Das wäre für uns die Möglichkeit, mehr zu pressen.

LAOLA1: Kommen wir zu dir persönlich: Durftest du dich in den Trainings nach dem Wolfsberg-Spiel als Goalgetter feiern lassen…?

Klein: Ein bisschen schon. Es hat mich persönlich sehr gefreut, dass sich viele Spieler mit mir über mein Tor gefreut haben. Es war natürlich schon eine viel zu lange Zeit, in der ich nicht getroffen habe. Ein, zwei Mal war ich stark an Toren beteiligt – in einem Fall hat beispielsweise Fränky Schiemer den Ball noch abgelenkt und es wurde ihm zugesprochen. Dadurch konnte er mich natürlich immer häkeln, dass ich noch keines erzielt habe. Diesmal war keiner dazwischen und das Tor gehörte mir. Das ist für mich persönlich natürlich schön.

LAOLA1: Du wirst gegen Basel Christian Schwegler ersetzen. Geht es für dich in deiner Situation darum, speziell aufzuzeigen?

Klein: Natürlich ist meine Situation nicht einfach, teilweise war sie mental auch sehr anstrengend. Aber so ein Spiel ist für die ganze Mannschaft wichtig - natürlich auch für mich persönlich, denn ich weiß, was ich kann, und ich weiß, wie lange ich warten musste, dass ich wieder zum Einsatz komme. Ich werde das Spiel einfach dazu nutzen, alles, was in mir steckt, aus mir rauszuholen. Ich mache mir aber keine Gedanken darüber, dass ich etwas Herausragendes machen muss. Ich weiß, dass ich der Mannschaft mit meinen Qualitäten helfen kann. Das möchte ich unter Beweis stellen.

LAOLA1: Dein Meister-Timing in den vergangenen Jahren war recht kurios. Mit der Austria warst du knapp dran. Im Jahr nach deinem Abgang wurde sie vor deinem neuen Arbeitgeber Meister. Inwiefern muss man da selbst den Kopf schütteln?

Klein: Ich habe mich damit nach meinem Abgang von der Austria nicht mehr beschäftigt. Wenn man sieht, welche Topspieler von der Austria weggegangen sind – Nacer Barazite, Zlatko Junuzovic, Julian Baumgartlinger, Michael Liendl oder ich –, haben sie es voriges Jahr gut gemacht. Aber dem trauert man nicht nach. Ich hatte meine Ziele mit Red Bull Salzburg, und das hat sich in dieser Saison hinsichtlich Meistertitel gut entwickelt.

LAOLA1: Neben deinen Vereinsaufgaben stehst du im Kader des Nationalteams. Wie gut tut das Vertrauen von Teamchef Marcel Koller, auch wenn du beim Verein gerade weniger Einsatzzeit hast?

Klein: Zwischendurch gab es eine Phase, in der ich länger nicht gespielt habe und er hat mich trotzdem immer wieder dazugenommen. Es tut schon richtig gut, wenn einem der Teamchef vertraut, es ist aber so, dass man sich das auch erarbeiten muss. Ich denke, der Teamchef hat bei jedem Lehrgang gesehen, dass ich Qualität habe. Im Spiel gegen Uruguay habe ich es ebenfalls bewiesen. Es gibt einem jedoch sehr viel Kraft, beim Team dabei zu sein, wenn man auf Vereinsebene gerade keine so gute Zeit erlebt. Das hat mir auch Kraft gegeben, meine Leistungen im Verein wieder umzusetzen.

Das Gespräch führte Peter Altmann

LAOLA1: Wie schwierig ist der Spagat zwischen persönlichem Ehrgeiz und dem Hintenanstellen um des Erfolgs Willen? Man hat ja durchaus den Eindruck, dass der Kader von Red Bull Salzburg eine verschworene Einheit ist, auch wenn nur elf Spieler auflaufen können.

Klein: Natürlich ist es nicht einfach, gerade in meiner Situation als Nationalspieler, wenn man bei seinem Verein längere Zeit nicht spielt. Noch dazu, wenn man hernimmt, dass die Spiele, die ich machen durfte, absolut auf einem Top-Niveau waren. Aber das trifft genauso auf die Leistungen der anderen Kadermitglieder zu. Deshalb musst du als Trainer nicht unbedingt wechseln. Ich bin trotzdem positiv geblieben, habe im Training jeden Tag alles gegeben, und wenn ich gespielt habe, habe ich es genutzt und gut gespielt. Deswegen kommen solche Leistungen von der ganzen Mannschaft heraus, weil wir nicht nur elf hervorragende Spieler in unserem Kader haben, sondern viel mehr. Das zeigen wir auch immer wieder: Wir tauschen sehr viel und gewinnen trotzdem 6:1 oder 5:0. Da gibt es keinen Qualitätsverlust.

LAOLA1: Welchen Zeithorizont setzt du dir bezüglich Zukunftsentscheidung?

Klein: Ich gebe mir schon noch ein bisschen Zeit. Ich schaue natürlich, was für mich das Beste ist. Aber in der aktuellen Phase möchte ich ohnehin nicht zu viel darüber reden, weil diese Spiele einfach zu wichtig für uns sind.

LAOLA1: Ist Salzburg noch eine Option oder stehen die Zeichen auf Abschied?

Klein: Im Fußball weiß man nie, da kann alles schnell gehen. Aber natürlich ist es so, dass Christian Schwegler verlängert hat, zudem ein Däne (Peter Ankersen, Anm.d.Red.) und ein junger Deutscher (Benno Schmitz; Anm.d.Red.) geholt wurden. Wenn man eins und eins zusammenzählt, weiß man ungefähr, was das bedeutet. Aber man kann nie wissen. Es kann sein, dass ich jetzt überragend spiele und es sich Red Bull Salzburg überlegt.

LAOLA1: Als Alternative hört man deinen Namen immer wieder im Zusammenhang mit der Austria. Dort hattest du bekanntlich eine schöne Zeit…

Klein: Richtig, es war eine sehr schöne Zeit bei der Austria. Es war für mich dann auch logisch, dass ich nach der Austria einen super Verein finden möchte, das war Red Bull Salzburg. Die Spiele, die ich hier gemacht habe, waren super, aber als Gesamtsituation war es noch nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber man wird sehen, was sich alles entwickelt. Zu allem anderen, ob ich woanders hingehe, kann ich noch nichts sagen.

LAOLA1: Das ist ohnehin Zukunftsmusik. In der Gegenwart kannst du neben der Europa League ein anderes Ziel abhaken: Läuft alles papierformgemäß, wirst du am Sonntag erstmals Meister sein. Zeit wird’s, oder?

Klein: Das ist richtig! Es wäre mein erster Meistertitel in der höchsten Liga, bislang war der Aufstieg mit dem LASK mein größter Erfolg. Das war auch unglaublich schön. In dieser Saison ist es eigentlich schon seit längerer Zeit klar, dass wir Meister werden. Es geht nur noch um den Zeitpunkt. Ich bin eigentlich ganz froh, dass es noch nicht letzten Sonntag so weit war, weil jetzt die Spannung mit dem Spiel am Donnerstag gegen Basel sehr hoch ist. Es wäre perfekt, wenn wir diese Woche wirklich so abschließen könnten, dass wir zuerst gegen Basel aufsteigen und am Sonntag Meister werden. Das wäre toll für die Mannschaft, weil es eine unglaubliche Leistung wäre, so früh den Titel zu gewinnen.

LAOLA1: Und den Titel vor heimischem Publikum bei idealerweise gutem Zuschauerzuspruch zu fixieren, wäre auch ein würdiger Rahmen, oder?

Klein: Das wäre vollkommen im Interesse der Mannschaft. Wir wollen zuerst am Donnerstag eine super Leistung abliefern, so wie wir das eigentlich immer gemacht haben, wenn das Stadion ausverkauft war. Für uns wäre es aber natürlich auch extrem wichtig, wenn am Sonntagnachmittag, um 16:30 Uhr, viele Fans kommen. Denn ich kann mir vorstellen, wenn wir Meister werden, wird es eine richtig lässige Geschichte mit den Fans zu feiern. Für uns wäre es super, wenn möglichst viele Zuschauer ins Stadion kommen.

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