Aufmacherbild

"Also ich weiß, wie es unseren Gegnern geht"

LAOLA1: Vor 20 Jahren hat Salzburg schon einen Erfolgslauf in ein Europacup-Finale erlebt. Auch derzeit wird das Wort „Finale“ immer wieder in den Mund genommen. Ist das typisch österreichisch voreilig, oder kann man das mit dieser Mannschaft anstreben?

Ilsanker: Wie gesagt: Salzburg und ganz Österreich schreien danach, dass wir im Fußball wieder erfolgreich sind. Mit dem Nationalteam haben wir die WM-Qualifikation leider nicht geschafft, das hat uns weh getan. Die Leute wollen einfach internationalen Fußball sehen. Umso weiter wir kommen, umso schöner wäre es für alle.

LAOLA1: Spätestens nach der Gala in Amsterdam werdet ihr von der Konkurrenz vermutlich nicht mehr unterschätzt. War das eine der besten Leistungen, bei der du je am Platz gestanden bist?

Ilsanker: Das war ein ganz besonderes Spiel. 50.0000 Zuschauer, und wir haben von Anfang an ein unglaublich gutes Pressing gespielt. Sie sind von der 1. bis zur 90. Minute nicht damit zurechtgekommen. Es war schon richtig geil zu sehen, wie schwer sie sich tun und wie stark wir sein können.

20 Jahre ist es inzwischen her, dass die Salzburger Austria mit ihrem Erfolgslauf ins UEFA-Cup-Finale ganz Österreich begeisterte.

Inzwischen ist in der Mozartstadt die nächste Generation am Werk, bezüglich Stefan Ilsanker sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Papa Herbert erlebte 1994 als Ersatz-Goalie von Otto Konrad die Euphorie aus nächster Nähe mit.

Euphorie trifft nach der Gala im Auswärtsspiel bei Ajax Amsterdam sowie der Serie an Kantersiegen in der Bundesliga auch den derzeitigen atmosphärischen Zustand rund um die „Bullen“ ganz gut.

Ein Zustand, den Ilsanker als „Local Hero“ natürlich besonders genießt. So sehr, dass der defensive Mittelfeldspieler seinen Vertrag einen Tag vor dem Rückspiel gegen den niederländischen Traditionsverein bis 2018 verlängert hat.

Im LAOLA1-Interview verrät der 24-Jährige, dass er selbst kein Rezept hätte, das Salzburger Gegenpressing zu umspielen und glaubt, dass der aktuelle RBS-Weg die nationale Konkurrenz zum Umdenken zwingen wird.

LAOLA1: Erzählt dein Papa hin und wieder, was vor 20 Jahren in Salzburg abgegangen ist?

Stefan Ilsanker: Das erzählt mir nicht nur der Papa. Ganz Salzburg schreit ein bisschen danach, dass wir wieder ein sportliches Highlight erleben dürfen. Die Euphorie, die der Fußball damals ausgelöst hat, war etwas ganz Spezielles.

LAOLA1: Beim damaligen Erfolgslauf warst du knapp fünf Jahre alt. Im Erwachsenen-Alter, noch dazu als aktiver Spieler, nimmt man diese Euphorie natürlich viel bewusster wahr: Kann man sich vor Schulterklopfern noch erwehren, wenn man auf die Straße geht?

Ilsanker: Es gibt schon viele, die auf einen zukommen und schwärmen, welch schönen Fußball wir spielen, wie sehr ihnen das taugt. Es gibt auch einige, die speziell zu mir kommen und sagen, dass ihnen meine Entwicklung taugt und wie stolz sie sind, dass ein Salzburger im Team ist.

LAOLA1: Hat man als Local Hero noch einmal einen anderen Stellenwert?

Ilsanker: Ich glaube, hauptsächlich geht es ums Fußballerische. Ich weiß nicht, ob es so wichtig ist, dass ich ein Einheimischer bin. Vielleicht für ein paar, dass sie sich ein bisschen mehr identifizieren können. Aber ich denke, ihnen gefällt genauso, wie alle anderen spielen.

LAOLA1: Es wäre natürlich ein netter Zug, wenn du Licht ins Dunkel der Gegner bringst und hier Tipps gibst, wie man euer Pressing umspielen kann…

Ilsanker (lacht): Ich weiß es selbst nicht! Das ist nicht so leicht. Wenn wir im Training Elf gegen Elf spielen, pressen natürlich beide Mannschaften, und ich denke mir jedes Mal aufs Neue: Bist du wahnsinnig, das ist ja unglaublich! Du hast keine Sekunde Zeit. Es ist wirklich extrem schwer, dass du da irgendwie eine Lösung findest und einen geordneten Spielaufbau hast. Also ich weiß, wie es den Gegnern geht. Das ist wirklich brutal.

LAOLA1: Lassen wir das die Sorge der gegnerischen Trainer sein, kommen wir zu eurem: Wie hält Roger Schmidt nach dem deutlichen Auswärtssieg die Spannung für das Rückspiel hoch?

Ilsanker: Der Trainer braucht gar nicht so viel zu sagen. Gegen Ajax ist zum dritten Mal in dieser Saison das Stadion ausverkauft. Jeder spricht dich auf dieses Spiel an. Für uns steht sehr viel auf dem Spiel, denn wir müssen auch vor eigenem Publikum zeigen, dass wir diese Mannschaft schlagen können. Das will auch jeder.

LAOLA1: Über die fußballerische Qualität muss man ohnehin nicht diskutieren, auffällig ist jedoch auch diese gute Stimmung, die ihr vermittelt: Kommt die mit den Erfolgen oder habt ihr ein paar Spezialfälle in Sachen „Gute-Laune-Beauftragte“?

Ilsanker: Erfolge helfen auf jeden Fall. Auch wenn man nicht so viel spielt, aber sieht, die Mannschaft gewinnt immer wieder, kann man sich eher damit abfinden, dass man diesmal nicht eingewechselt wurde oder von Anfang an gespielt hat. Wir haben viele sehr junge Spieler, und das ist auch noch einmal wichtig. Unter jungen Spielern versteht man sich vielleicht noch etwas besser, man weiß, wie der andere tickt, hat denselben Schmäh. Wir haben einfach gute Typen. Auch die älteren Spieler in unserer Mannschaft sind jung geblieben. Wir haben untereinander einen extremen Spaß, jeder verarscht den anderen ein wenig, jeder kommt mit dem anderen aus. Genauso so, wie es bei uns ist, sollte es sein.

LAOLA1: Oder man kündigt es wie Martin Hinteregger nach dem Motto „Einmal Bulle, immer Bulle“ an und hofft darauf, mit Leipzig Deutsche Bundesliga zu spielen…

Ilsanker: Da gebe ich ihm absolut Recht. Die Möglichkeiten, die man bei Red Bull hat, sind ganz besondere. Er identifiziert sich genauso wie ich mit dem Verein und dem Partner Red Bull. Das kann durchaus auch mein Ziel sein, einmal im Red-Bull-Dress in der Deutschen Bundesliga zu spielen.

LAOLA1: Aber vorher müssen die ersten Titel her: Wird ja wirklich höchste Zeit…

Ilsanker: Es geht nicht nur mir so. Es sind viele in der Mannschaft, die jung sind und noch nicht wirklich etwas erreicht haben. Darum sind wir auch so hungrig, wollen unbedingt die Meisterschaft und den Cup gewinnen. International ist natürlich ein Traum, auch hier wollen wir versuchen, so weit wie möglich zu kommen.

LAOLA1: International ist die Motivation ohnehin hoch. Inwiefern zeigt sich euer Hunger vor allem national, da ihr in keinem Spiel locker lasst?

Ilsanker: Daran merkt man einfach, wie erfolgsgeil diese Mannschaft ist. Ich bin auch einer davon. Ich will das so sehr! Ich glaube, das sehen die Leute auch. Darum sind sie auch begeistert von unserem Fußball.

LAOLA1: Wenn es so weiter geht, wirst du ohnehin noch im März den Meisterteller in Empfang nehmen…

Ilsanker (lacht): Mir ist wurscht wann, aber ich will ihn heuer unbedingt in der Hand haben!


Das Gespräch führte Peter Altmann

LAOLA1: Euer Pressing bedeutet riesigen Aufwand. Plump gefragt: Wie fertig ist man nach einem Spiel?

Ilsanker (lacht): Ich muss sagen, nach Amsterdam war ich richtig tot. Ich habe zwei Tage gebraucht, bis ich wieder zu Kräften gekommen bin. Es war enorm, was jeder von uns geleistet hat – überhaupt die Offensivkräfte: Wenn die so nach hinten arbeiten, so viel laufen und so viel sprinten, und das alles quasi als Defensivarbeit, ist es für uns hinten natürlich leichter. Wir sind auch zu so vielen Torchancen gekommen, weil wir schon vorne so viele Bälle gewonnen haben.

LAOLA1: Kann man diesen Aufwand über eine komplette Saison Spiel für Spiel durchhalten?

Ilsanker: In der Hinrunde haben wir nicht ganz so viel durchgewechselt und fast in jedem Spiel dieselbe Formation aufgeboten. In der letzten Partie gegen die Admira haben wir acht Leute gewechselt, und es war eigentlich nicht wirklich ein Leistungsabfall zu erkennen, weil wir einfach so einen starken Kader haben, jeder das System verinnerlicht hat und darauf brennt zu spielen. Darum können wir auch immer wieder durchwechseln und mit anderen Leuten erfolgreich sein.

Ilsanker: Auf Abruf für ÖFB-Team nominiert

LAOLA1: Wo soll das bei euch in der Liga eigentlich noch hinführen, wenn selbst die sogenannte „B-Elf“ die Konkurrenz mit einem Debakel nach Hause schickt?

Ilsanker: Unser derzeitiger Schnitt ist wirklich unglaublich. Aber die Leute dürfen sich das nicht in jeder Partie von uns erwarten. Für mich ist es schon etwas Besonderes, wenn man ein Spiel 5:0, 6:0 oder 6:1 gewinnt. Da steckt extrem viel harte Arbeit dahinter. Wir tun sehr viel dafür, darum schaut zurzeit sehr viel für uns raus.

LAOLA1: Man kann schon von „Bayern-Zuständen“ wie in Deutschland sprechen. Die einen sagen, das macht die Liga langweilig. Der positive Ansatz wäre: Eure Dominanz zwingt die Konkurrenz, sich zu verbessern, was mit der Zeit das Niveau der Liga hebt.

Ilsanker: Ich glaube, wir bringen mit unserer Spielweise die anderen Mannschaften ein wenig zum Umdenken. Ich hoffe, dass das andere Mannschaften dann gut umsetzen werden. Grödig ist ein gutes Beispiel. Sie haben sicher nicht einen so starken Kader wie Rapid Wien oder Austria Wien, stehen aber trotzdem vor ihnen, weil sie ein unglaublich kompaktes System haben, extrem geschlossen auftreten. Sie spielen richtig guten Fußball. Wenn mehrere Mannschaften umstellen, wird eventuell die ganze Liga besser.

LAOLA1: Du stehst erstmals auf der Abrufliste von Teamchef Marcel Koller. Wie nah fühlst du dich inzwischen dem Nationalteam? Ist die Zeit langsam reif?

Ilsanker: Ich habe mich natürlich gefreut, dass ich auf Abruf dabei bin. Das zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich werde weiter Gas geben beim Verein und hoffe, dass ich die nächsten Male vielleicht wirklich dabei bin und einmal für Österreich auflaufen darf.

LAOLA1: Du warst 2007 Teil des U19-Nationalteams bei der Heim-EM. Mit dem größeren Durchbruch hat es bei dir ein wenig gedauert. Ist dafür die Genugtuung jetzt umso größer?

Ilsanker: Es ist zurzeit für mich eine ganz besondere Situation, weil einfach die Mannschaft so geil ist. Ich habe so einen Spaß darin zu spielen. Der Kader ist unglaublich stark, und ich muss jeden Tag 100 Prozent geben, damit ich nicht aus der Startformation rausfalle. Für mich ist das schon sehr speziell, als Salzburger in dieser starken Salzburger Mannschaft zu spielen.

LAOLA1: Die Geduld, vielleicht ein, zwei Jahre länger warten so müssen als so mancher Altersgenosse, hat sich also ausgezahlt.

Ilsanker: Schon. Ich habe damals darauf gebrannt, für die Erste aufzulaufen. Das ist mir immer wieder verwehrt worden. Dann habe ich mir gedacht, ich muss einen anderen Schritt wählen, muss woanders hin, muss einmal Bundesliga spielen und zeigen, dass ich etwas drauf habe. Ich denke, der Schritt nach Mattersburg war unglaublich wichtig für meine Laufbahn und für mich persönlich, weil ich mich auch menschlich weiterentwickelt habe, einmal nicht bei der Mama zu Hause gewohnt habe. Das hat mich noch einmal einen Schritt nach vorne gebracht.

LAOLA1: Du hast deinen Vertrag bis 2018 verlängert. Planst du, so lange wie möglich in Salzburg zu bleiben, oder schielst du mit einem Auge ins Ausland?

Ilsanker: Zurzeit fühle ich mich so wohl in Salzburg. Deshalb habe ich auch jetzt meinen Vertrag bis 2018 verlängert. Ich habe noch nichts erreicht in meiner Karriere, ich will jetzt einmal ein paar Titel gewinnen! Mit Red Bull Salzburg kann man zurzeit extrem guten und auch sehr erfolgreichen Fußball spielen. Ich möchte schon noch ein paar Jahre hier bleiben.

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»