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Ein Portugiese wird zum spanischen Helden

Der FC Sevilla bleibt in Europacup-Endspielen ein nicht zu bezwingender Gegner.

Die durch Ausschlüsse von Malaga und Vallecano einigermaßen glücklich in die Europa League gerutschten Andalusier verlängerten mit einem 4:2-Erfolg im Elferschießen gegen Benfica den Final-Fluch der Portugiesen - und durften sich nach 2006 und 2007 zum dritten Mal über die Trophäe im zweithöchsten UEFA-Bewerb freuen.

19 Spiele zum Sieg

Held der Spanier im Juventus-Stadion von Turin war am späten Mittwochabend ein Portugiese.

Torhüter Beto, der der Nachwuchsabteilung von Benficas Lokalrivalen Sporting entstammt, parierte in der Entscheidung zwei Elfer.

"Wir wussten, dass Benfica ein starkes Team hat. Wir haben es bis ins Elferschießen geschafft und dort hatten wir das glücklichere Ende", sagte der 32-Jährige. Trainer Unai Emery pries "die Bereitschaft des Teams, zu leiden". In der dritten Qualifikationsrunde gestartet, bestritt Sevilla bis zur Siegerehrung insgesamt 19 Spiele im Bewerb.

Final-Fluch dauert an

Benfica musste hingegen fassungslos zur Kenntnis nehmen, dass auch das achte Finalspiel in Folge verloren ging.

Seit der im Streit verabschiedete ungarische Ex-Trainer Bela Guttmann im Jahr 1962 nach zwei Triumphen im Meistercup eine Zukunft ohne Erfolg prophezeite, ging kein internationaler Pokal mehr an die "Adler" aus Lissabon.

"Im Fußball gewinnt nicht immer die bessere Mannschaft", war Trainer Jorge Jesus zerknirscht.

Benfica das aktivere Team

Portugals Rekordmeister ging bereits im Vorjahr gegen Chelsea im Europa-League-Endspiel nach einem Gegentor in der Nachspielzeit als Verlierer vom Spielfeld.

Am Sonntag hat Benfica nun immerhin noch die Chance, gegen Rio Ave das Double zu holen - für die Beteiligten nur ein schwacher Trost.

120 Minuten war Benfica die aktivere Elf und fand auch klare Torchancen vor. Beto und seine Vorderleute hielten die Torsperre mit Können und Glück aber aufrecht.

"Die Enttäuschung hat einen Namen"

"Die Portugiesen vergeben bei ihrer achten Niederlage in einem Europacupfinale unglaubliche Torchancen", erkannte das spanische Sportblatt "Marca".

Ihr portugiesisches Pendant "A Bola" fasste zusammen: "Die Enttäuschung bei Benfica hat einen Namen: Beto.

In Sevilla wird gefeiert

Nach dem Erfolg in Turin füllten sich in Sevilla die Straßen. Die Fans versammelten sich in der Nacht auf Donnerstag an der Puerta de Jerez, wo die Anhänger der Rot-Weißen traditionell die Titel ihres Clubs bejubeln.

Am Donnerstag standen die offiziellen Feierlichkeiten in der andalusischen Hauptstadt auf dem Programm.

Club-Boss Jose Castro kündigte vorab eine Überraschung an.

Rakitic-Verbleib weiter unklar

Neben der Verlängerung des auslaufenden Vertrags von Trainer Emery hofft die Anhängerschaft vor allem auf den Verbleib von Ivan Rakitic.

Der kroatische Teamspieler war die überragende Figur bei Sevilla in dieser Saison. Der seit 2011 für den FC spielende Kapitän wurde bereits mit Real Madrid, wo bereits Landsmann Luka Modric spielt, in Verbindung gebracht.

"Heute ist der Tag von Sevilla, nicht jener von Rakitic. Nun genießen wir einmal die Feiern, dann werden wir sehen, was passiert", meinte der zum "man of the match" ausgezeichnete Mittelfeldmann. Er trage Sevilla im Herzen, betonte der in der Schweiz geborene Rakitic weiter.

Ausverkauf droht

Unabhängig von dessen Verbleib droht Sevilla insgesamt wieder ein Ausverkauf. Bereits nach den Erfolgen 2006 und 2007 musste der Verein aufgrund finanzieller Probleme kürzertreten und Stars verkaufen.

Im Vorjahr kamen 14 neue Spieler zum Verein. Akteure wie Außenverteidiger Alberto Moreno oder der kolumbianische Torjäger Carlos Bacca könnten den Fünften der spanischen Primera Division nun als gewinnbringende Aktien verlassen.

"Dieses Team kann noch weiter wachsen. Wir sind eine junge Mannschaft, Spieler mit wenig Erfahrung, aber hoher Qualität", hoffte Torhüter Beto auf keine Abwanderungswelle.

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