LAOLA1: Was war ausschlaggebend, dass euch mit etwas Verspätung in der Meisterschaft doch noch der Knopf aufgegangen ist? In den letzten zwei Monaten gab es abseits eines Ausrutschers ausschließlich Siege?

Dragovic: Wir haben uns zusammengesetzt und ein Teambuilding gemacht, das hat uns sehr geholfen. Wir haben uns in der Meisterschaft gefunden, jeder hat für den anderen gekämpft. Das hat sich am Platz mit den Erfolgen und Ergebnissen gezeigt. Das war sicher ausschlaggebend.

LAOLA1: Vor dem Hinspiel gegen Rapid warst du bezüglich Meistertitel skeptisch. Inzwischen habt ihr den Rückstand auf fünf Punkte reduziert. Gibt es eine Kampfansage an Shakhtar?

Dragovic: Wir waren elf Punkte hinten, jetzt ist es ein bisschen weniger geworden. Abgerechnet wird am Ende. Wenn man schon ein bisschen weiter über das wichtige Spiel gegen Rapid hinaus vorausblickt, steigt das erste Meisterschaftsspiel in der Rückrunde gegen Shakhtar. Aber es bringt nichts zu rechnen. Wir müssen uns von Spiel zu Spiel konzentrieren, in jeder Partie 100 Prozent geben und gewinnen, und keine Kampfansagen abgeben. Wir wissen, dass wir sehr große Qualität in der Mannschaft haben, aber das müssen wir auf dem Platz zeigen. Zuerst wollen wir aber gegen Rapid gewinnen. Es wäre wichtig, wenn wir mit einem guten Gefühl in den Urlaub gehen können.

LAOLA1: Du hast vorhin das Sprachen-Wirrwarr in der Kabine angesprochen. Wie schwierig ist es, so viele Sprachen unter einen Hut zu bringen?

Dragovic: Die meisten können Englisch. Ich sage aber ohnehin immer, Fußball ist eine Einheitssprache. Am Platz muss man nicht unbedingt dieselbe Sprache sprechen, um sich zu verständigen. Außerhalb des Platzes ist es sicherlich ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Aber mittlerweile geht es. Wir Nicht-Ukrainer lernen alle Russisch, die Ukrainer können alle ein bisschen Englisch. Mit der Zeit versteht man sich dann auch. Es wird von Tag zu Tag besser. Klar, dass nicht alles von Anfang an perfekt ist, aber das Gröbste am Spielfeld lernt man ja gleich, wenn man dazu kommt. Von dem her war es nie ein großes Problem.

LAOLA1: Du monierst, dass die ukrainische Liga in Österreich nicht so im Blickfeld steht. Inwiefern musst du immer wieder grundsätzliche Dinge über den Fußball in der neuen Wahlheimat erklären?

Dragovic: Man braucht nicht darüber zu diskutieren, dass Deutschland und England die besten Ligen der Welt sind. Trotzdem darf man nicht vergessen: Die Ukraine hat Shakhtar Donetsk, das die letzten Jahre gut gespielt und europäisch aufgezeigt hat, auch Dynamo Kiew ist ein Weltklub, der etwa Andrei Schewtschenko oder unseren Trainer Oleg Blochin hervorgebracht hat. Das sind Legenden. Mit Andriy Yarmolenko, Evgen Khacheridi und vielen anderen hat Dynamo Kiew auch viele aktuelle ukrainische Nationalspieler. Fast der ganze Kader besteht aus Nationalspielern aus der Ukraine, Portugal, Nigeria, Österreich oder den Niederlanden.

LAOLA1: Gibt es jemanden im Kader, mit dem du auch privat besonders gut harmonierst, so wie etwa David Alaba bei Bayern München mit Franck Ribery?

Dragovic: Wir haben zwei Kroaten in der Mannschaft, mit Domagoj Vida und Ognjen Vukojevic bin ich auch außerhalb des Platzes viel unterwegs. Aber im Großen und Ganzen verstehe ich mich eigentlich mit jedem in der Mannschaft super.

LAOLA1: Zuletzt machte das Gerücht die Runde, dass Veli Kavlak bei Dynamo Kiew ein Thema sein soll, du kennst ihn ganz gut. Wie sehr würdest du einen Wechsel von ihm begrüßen?

Dragovic: Ich habe das selber nur gerüchteweise gehört und will mich nicht irgendwelchen Spekulationen anschließen. Wenn etwas dran wäre und Veli tatsächlich zu Dynamo Kiew kommen würde, wäre das aber natürlich genial. Wir kennen uns aus dem Nationalteam und der Bundesliga, er ist ein super Typ und am Platz einer, der sich für die Mannschaft regelrecht zerreißt. Sein Kämpferherz ist wirklich beeindruckend, er ist ständig am Kurbeln, kann perfekte Pässe spielen und wäre sicher eine Bereicherung. Mich persönlich würde es wie gesagt extrem freuen, aber ob etwas dran ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen.

LAOLA1: Kommen wir zurück zum Duell am Donnerstag: Wie wurden Rapid und das Spiel in Wien eigentlich im Nachhinein in Kiew besprochen?

Dragovic: Der ganze Verein, sowohl der Trainer als auch wir Spieler waren unzufrieden. Das 2:2 war einfach zu wenig für uns, überhaupt nach einer 2:0-Führung.  Wir haben uns das intern angeschaut und kritisiert, was wir schlecht gemacht haben. Man hat jedoch gesehen, Rapid ist nicht zu unterschätzen. Wir sind sicherlich gewarnt und wissen, dass es sehr, sehr schwierig wird. Trotzdem müssen wir auf uns schauen. Der Trainer wird uns sicher super einstellen auf das Spiel. Wir müssen einfach unsere Qualitäten zeigen.

LAOLA1: Wie schlimm wäre es für dich persönlich, gegen eine österreichische Mannschaft zu scheitern?

Dragovic (schmunzelt): Ich denke gar nicht daran und möchte auch gar nicht daran denken.

Das Gespräch führte Peter Altmann

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