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Das können die "Gelben U-Boote"

Zum vierten Mal versucht der FC Salzburg ins Europa-League-Achtelfinale zu gelangen.

Bislang reichte es einmal zum Aufstieg unter die besten 16, zwei Mal kam das vorzeitige Aus.

Vor fünf Jahren war nach einer 2:3-Niederlage bei Standard Lüttich ein 0:0 zu Hause nicht gut genug. Metalist Charkiv erwies sich 2012 als viel zu stark: 0:4, 1:4.

Zweiter Aufstieg im vierten Versuch?

2014 folgte dafür die Sternstunde von Amsterdam: Ein glorreicher 3:0-Sieg der Salzburger in der Ajax-Arena, dem ein 3:1 zu Hause folgte. Im Achtelfinale folgte das bittere Aus gegen den FC Basel (0:0/a, 1:2/h).

Nun heißt der Gegner Villarreal C.F. - der Sechste in La Liga ist gegen Österreichs Meister Favorit.

Da macht etwa auch Sportchef Ralf Rangnick keinen Hehl daraus: "Ich denke, dass uns die Auslosung den schwierigsten aller möglichen Gegner gebracht hat."

Wie vor jedem Fußballspiel gibt es aber auch für die „Bullen“ gegen die „Gelben U-Boote“ Chancen. LAOLA1 checkt den Gegner und zeigt Stärken und Schwächen.

DER KLUB

Der Villarreal Club de Futbol liegt in der gleichnamigen Stadt in der Provinz Castellon im Osten Spaniens. Villarreal ist nach Castellon de la Plana (rund 175.000 Einwohner) dort die zweitgrößte Stadt (50.000) und liegt rund 45 Minuten von Valencia, der drittgrößten Stadt Spaniens (zirka 800.000 Einwohner) entfernt. Der Klub wurde 1923 gegründet und ob der gelben Stutzen, Hosen und Dressen wurde der Spitzname „Submarillo Amarillo“ („Gelbe U-Boote“) geboren. Der erstmalige Aufstieg in die höchste Spielklasse gelang 1998, dann ging es aber auch gleich wieder runter, 2000 wieder rauf und danach kamen die bisherigen Höhepunkte in der Klubgeschichte. 2006 scheiterte man in der Champions League erst an Arsenal im Halbfinale, im UEFA-Pokal kam 2003/04 bzw. in der Europa League 2010/11 ebenfalls erst in der Vorschlussrunde das Aus. 2012 ging es noch einmal überraschend abwärts, der Vizemeister von 2008 stieg aber gleich wieder in La Liga auf. In der Comeback-Saison wurde Rang sechs belegt, was zur Europa-League-Qualifikation berechtigte. Aktuell hält Villarreal auch diesen Platz. Im „Estadio El Madrigal“ kann es auch bei Platz für "nur" 22.000 Zuschauer sehr laut zugehen. Im bislang letzten internationalen Heimspiel im Herbst 2014 gegen Mönchengladbach (2:2) kamen 16.000 Fans.

 

DIE FORM

In den vergangenen vier Spielen setzte es drei Niederlagen, zwei Mal auswärts beim FC Barcelona (2:3 in der Liga, 1:3 im Copa-Halbfinale) und zuletzt ein 0:2 bei Rayo Vallecano, wo zu Beginn die Stars Denis Cheryshev und Luciano Vietto geschont wurden. „Dem Team hat die Intensität anderer Tage gefehlt. Das war eine Warnung für das Spiel gegen Salzburg", hatte Mario Gaspar danach allerdings keine gute Nachrichten für Österreichs Meister. Davor verlor Villarreal von November bis Dezember in allen drei Bewerben 18 Mal kein Spiel, spielte dabei elf Mal zu Null. "Villarreal spielt mit den schönsten Fußball in Spanien", streut auch Levante-Legionär Andreas Ivanschitz dem Liga-Konkurrenten Blumen. Damit ist der frühere Red-Bull-Spieler nicht alleine. LAOLA1.tv-Kommentator Tom Ole Mink, der in dieser Saison bereits viele Spiele der „Gelben U-Boote“ wie natürlich auch anderer La-Liga-Klubs beobachtete, schlägt in dieselbe Kerbe: „Villarreal zählt in La Liga derzeit zu den technisch stärksten und dynamischsten Teams.“ Salzburg hat den Gegner drei Mal beobachten lassen, Trainer Adi Hütter konnte das Heimspiel gegen Granada (2:0) wegen einer Terminrochade – das Spiel wurde auf jenen Tag, an dem RBS gegen Slovan Bratislava testete, verschoben – nicht live im Stadion verfolgen, war aber wie etwa beim Copa-Spiel in Barcelona via Livestream dabei und weiß: „Mit Villarreal treffen wir auf eine Topmannschaft, die nicht nur kollektiv stark ist, sondern auch außerordentlich gute Einzelspieler hat.“ In der Europa League wurde Villarreal hinter Gladbach (1:1/h, 2:2/a) Zweiter, kassierte beim FC Zürich eine 2:3-Niederlage (4:1/h) und schlug zwei Mal Limassol (4:0/h, 2:0/a). Mit 15 Toren erzielten die Iberer nach Salzburg (21) die zweitmeisten in der Gruppenphase.

DER TRAINER

Der Spanier Marcelino Garcia Toral ist seit Jänner 2013 Trainer von Villarreal, als der heute 49-Jährige den damaligen Zweitligisten nach dem 21. Spieltag – sprich zur Halbzeit – übernahm und mit einem glatten 0:5 bei Real Madrid Castilla startete, in weiterer Folge aber die nächsten 14 Spiele mit seiner Mannschaft nicht verlor und überhaupt nur noch eine Niederlage hinnehmen musste. Am Ende hievte Marcelino seine Mannschaft vom siebenten auf den zweiten Platz und die „Gelben U-Boote“ kehrten hinter Elche zurück in die Primera Division. Mit Villarreal scheint Marcelino, wie viele seiner Spieler, den richtigen Verein gefunden zu haben. Erst zuletzt beim Copa-Gastspiel in Barcelona machte er sein 100. Spiel für Villarreal – bei seinen Stationen zuvor (Sevilla 2011/12, Santander 2011, Saragossa 2008/09, Santander 2007/08, Huelva 2005-2007, Gijon 2003-2005) kam er nicht über 57 Spiele hinaus und auch nie auf einen besseren Punkteschnitt als 1,81. Seine Handschrift ist unschwer zu lesen. „Es ist eine Mannschaft mit einem ganz klaren Plan, mit einer ganz klaren Spielweise und einer Handschrift, die man jedes Spiel immer wieder erkennen kann“, sagt Ex-Trainer-Kollege Rangnick. Über die Niederlage bei Vallecano, die einen Abstand von sechs Punkten zum CL-Quali-Platz (Valencia) aufriss, meinte Marcelino zuletzt: „Der Trainer ist immer der Hauptschuldige für solche Niederlagen. Rayo war intensiver im Spiel und hat verdient gewonnen. Wir hoffen, dass es nur ein Ausrutscher war.“ Salzburg nicht...

 

DIE STARS

„Die Spieler sind vom Namen her vielleicht keine großen Stars, aber sie bringen immer sehr gute Leistungen. Villarreal hat eine sehr gefährliche Mannschaft und wir müssen sehr vorsichtig sein“, sagt Salzburg-Kapitän Jonatan Soriano. Der Stürmer, der sich über sein „Heimspiel“ in Spanien freut, wird wie Salzburg nicht auf Namensvetter Bruno Soriano treffen. Das Villarreal-Urgestein (30) - der Mittelfeldspieler spielte bislang für keinen anderen Klub - verletzte sich in Barcelona und fällt mit Wadenbeinbruch für beide Salzburg-Spiele aus. Salzburgs Soriano präsentierte sich einmal mehr als klasse Profi: "Ich finde es schade für ihn, dass er sich so schwer verletzt hat." Nachteil ist es für seine Mannschaft keiner. „Er ist der Dreh- und Angelpunkt von Villarreal. Manu Trigueros und Tomás Pina sind zwar zwei kampf- und auch schussstarke Spieler, jedoch fehlen ohne Soriano vermutlich die Überraschungsmomente aus der Mittelfeldzentrale“, sagt Mink. Ansonsten finden sich die Stars in der Offensive. Luciano Vietto (21) kam im Sommer aus Argentinien und traf in 32 Spielen 15 Mal. Nicht nur Liverpool hat Interesse. ÖFB-EM-Quali-Gegner Denis Cheryshev aus Russland ist von Real geliehen und kam auf sechs Tore und elf Assists. Dazu gibt es mit den Dos-Santos-Brüdern Giovani und Jonathan, beide beim FC Barcelona gescheitert, und Ikechukwu Uche sowie Copa-Spezialist Gerard Moreno weitere offensivstarke Spieler. Mehr dazu in „Villarreals kleiner Welt-Auswahl“ sowie in der Diashow (unten) mit allen Kaderspielern.

DIE AUFSTELLUNG

Die Spanier haben die Generalprobe mit dem 0:2 bei Rayo Vallecano in den Sand gesetzt. Dabei schonte Trainer Marcelino aber seine Stars. Etwa kamen Denis Cheryshev und Luciano Vietto erst nach der Pause. Im Normalfall sollte der Coach sechs „Neue“ im Vergleich zum Sonntag bringen. Jonathan dos Santos war muskulär angeschlagen, sollte allerdings spielen. Ikechukwu Uche, zuletzt zwei Mal wegen Knieproblemen nicht im Kader, ist für die vordere Position auch ein Thema. Bei Salzburg gibt es indes nur noch ein Fragzeichen (Hier zur Story).

DIE STÄRKEN

  • Umschaltspiel

Es ist offensichtlich und jeder hebt es auch auf Seiten der Spanier hervor, das Umschaltspiel. „Sie können bei Balleroberung rasch umschalten. Das kann gefährlich werden für Salzburg“, weiß etwa Ivanschitz. „Sie haben schnelle quirlige Spieler“, so der ÖFB-Legionär weiter. „Es ist ihre wohl größte Stärke, bei der insbesondere Cheryshev ein ganz wichtiger Spieler ist. Er spielt nach vielen Verletzungsproblemen eine überragende Saison und macht regelmäßig den Unterschied aus, da er im Dribbling nur schwer vom Ball zu trennen ist. Dazu ist der erst 21-jährige Vietto in starker Form und zählt zu den torgefährlichsten Stürmern der Liga. Ihn in den Griff zu kriegen, wird dabei eine Schlüsselaufgabe für die RBS-Defensive sein“, hält Mink fest. Salzburg ist für defensive Schnitzer bekannt, das führte vor allem international schon zu bitteren Momenten. Wie schnell es gegen Villarreal gehen kann, musste aber schon der große FC Barcelona am 1. Februar sehen. Ein Fehler und die „Gelben U-Boote“ tauchten erfolgreich auf. Bei Ballbesitz sind sie mit ihren schnellen Offensivspielern sofort da. Siehe dazu das VIDEO.

Kompaktheit

„Sie ist eine technisch und taktisch sehr gute Mannschaft, die sehr kompakt ist“, analysiert Rangnick. Marcelino lässt im 4-4-2 spielen, das in der Mitte einfach kaum Räume zulässt. Und sie stehen da nicht nur herum und verschieben. „Alle Spieler sind spielstark, auch die Innenverteidiger“, sagt etwa Ivanschitz. Nur bei den Gastspielen in Barcelona war Villarreal – verständlicherweise – defensiver eingestellt. Ansonsten spielt man in der Regel selbst mit – was Salzburg übrigens auch sehr entgegenkommt – und das vor allem zu Hause. Mink erinnert sich: „Selbst gegen Real Madrid waren sie im eigenen Stadion die bessere Mannschaft und haben spielerisch dominiert, wenn auch 0:2 verloren.“ Kurzum: Villarreal steht kompakt, will die Null halten (Keeper Arsenjo: „Das ist zu Hause auch gegen Salzburg sehr wichtig“) und aus dieser Kompaktheit heraus wird versucht, die Angriffe schnell wie möglich umzumünzen. Da kann es ganz schnell gehen: Cheryshev-Vietto und fast der Ausgleich bei Rayo. Siehe dazu das VIDEO.

DIE SCHWÄCHEN 

  • Die Außenpositionen

Jede Mannschaft hat ihre Schwächen, so auch Villarreal. Wie man sich ob obiger Ausführungen denken kann, braucht es Salzburg nicht stur durch die Mitte versuchen, auch wenn sie das oft und gerne tun. Der österreichische Meister muss es über die Außen probieren. „Linksverteidiger Jaume Costa ist defensiv anfälliger als Mario Gaspar rechts“, weist Mink hin. Und dann sei vieles möglich. „Villarreals Innenverteidigung ist zwischen Mateo Musacchio und Víctor Ruíz, auch wegen verschiedener Verletzungen, nicht gut abgestimmt.“ Rangnick fordert von seinen Spielern: „Wir müssen sie überraschen. Wir brauchen zwei Sahnetage und dann passiert vielleicht das, was Ajax Amsterdam passiert ist oder auch Bayern, auch wenn das nur ein Test war. Wir sind sicher nicht Favorit, aber ich halte es für möglich, letztlich für eine Überraschung zu sorgen.“ Salzburg kann als Underdog in diesem Duell mit der jugendlichen Frische drauf los spielen. Und über die linke Abwehrseite kann es eben auch schnell gehen. Nicht nur für Barca. Siehe dazu das VIDEO.

  • Standardsituationen 

„Das Spiel gegen den Ball ist dabei ebenso stark im Fokus wie das Üben von Standardsituationen und Torabschlüssen“, sagte Adi Hütter vor dem Trainingslager in Katar. Im Hinspiel bei Villarreal könnte sich die Arbeit idealerweise gleich bezahlt machen, vor allem auch, was die Standards betrifft. Nicht nur weil Kapitän Jonatan Soriano gleich wieder im ersten Spiel in Wiener Neustadt gezeigt hat, was er für ein Freistoß-Künstler ist. Das, aber auch Ecken könnten in so einem Spiel zu einem wichtigen Auswärtstor führen. Auch bei einer knappen Niederlage könnte man daheim vor vollem Haus (mehr als 21.000 Karten verkauft) das Duell noch drehen. Und Villarreal scheint bei Ecken anfällig. „Torhüter Sergio Asenjo ist zwar auf der Linie einer der stärksten, hat aber Probleme beim Rauslaufen“, bestätigt etwa Mink, der auf die kleineren Iberer hinweist. Alleine in den vergangenen beiden Spielen kassierten die Spanier zwei Tore nach Standards. Siehe dazu das VIDEO.

LAOLA1-Fazit

Ohne Kevin Kampl und Alan, die wie Sadio Mane bei der Sternstunde von Amsterdam vergangene Saison dabei waren, wird es gegen einen technisch und taktisch starken sowie dynamischen Gegner sicher nicht einfach, aber die Möglichkeit auf eine gute Ausgangsposition ist durchaus gegeben. In der Europa League gab es die letzte Auswärtsniederlage 2012 mit dem 1:4 in Charkiw. Sieben von acht Partien (0:0 in Basel) konnten seither im Hauptbewerb gewonnen werden. Salzburg hat sich mit Siegen in Amsterdam (3:0), Zagreb (5:1) und bei Celtic Glasgow (3:1) in der Europa League einen Namen gemacht und schon 2009 1:0 in Villarreal gewonnen. Auch wenn „fünf Jahre im Fußball Jahrzehnte sind“ (Zitat Schwegler). Salzburg ist Außenseiter und kann als solcher aufspielen. Sollte die Defensive ihren Job erledigen und der offensive Weg nicht stur über die Mitte führen, ist eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel möglich. Vor allem, wenn das Spiel gegen den Ball tatsächlich wieder ein früheres Level erreicht. Der Aderlass war groß, doch die Spielweise ermöglicht, solche Abgänge zu kompensieren. Es wird interessant zu sehen, ob „Salzburg neu“ dieser Aufgabe zu diesem Zeitpunkt gewachsen ist.

 

Bernhard Kastler

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