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Alar: "Man kann sich nicht immer verstecken“

Wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde…

Zwei Spielerpersönlichkeiten vereint in einem Körper. Eine Konstellation, die Fragen aufwirft.

Setzt sich das Gute durch, ist Deni Alar Rapids uneingeschränkte Torgarantie, die mit ihrem Engagement und jugendlichen Elan die Mannschaft mitreißen kann.

Schlägt es im Offensivspieler um, ist er kaum ins Spiel integriert und nicht wiederzuerkennen. Seine Unsicherheit überträgt sich auf sein Spiel.

Mit seinen drei Toren gegen Ried zeigte er wieder das bessere seiner zwei Gesichter.

„Bei Deni merkt man es am Extremsten“

„Wenn er Selbstvertrauen hat, ist er für uns ein absoluter Führungsspieler. Bei ihm merkt man am Extremsten, ob er sich sicher fühlt“, muss auch Trainer Peter Schöttel gestehen.

Die Saison-Bilanz des 22-jährigen Steirers fällt zwiegespalten aus. Auf der einen Seite steht etwa der erfolgreiche Start, als er Rapid mit vier Toren fast im Alleingang in die Europa League schoss und so gut wie alles aufging.

Auf der anderen die Durchhänger in den vergangenen Monaten, als er im Spiel der Hütteldorfer nur unwesentlich Akzente setzen konnte.

„Bei Deni sieht man sehr viel. Er hat in dieser Saison schon viel erlebt. Nach dem Elfer gegen Novi Sad ist alles gelungen, nach dem verschossenen Elfer gegen Trondheim nichts mehr“, kennt der Chefbetreuer die Kehrseite der Medaille.

Alar strotzt wieder vor Selbstvertrauen

Alar wurde bei seiner Verpflichtung im vergangenen Sommer mit Vorschusslorbeeren überhäuft. Dass er Rapids Spiel auf eine andere Ebene heben kann, hat er schon öfters unter Beweis gestellt.

Die gestartete Siegesserie in den letzten drei Partien hängt auch besonders mit dem Aufschwung des Youngsters, der sechs Treffer beisteuerte und sich als großer Ankurbler innerhalb der Mannschaft in Szene setzte, zusammen.

„Zurzeit treffe ich halt fast alles, natürlich habe ich Selbstvertrauen. Aber die ganze Mannschaft hat mit den drei Siegen viel Selbstvertrauen getankt“, gibt Alar im Gespräch mit LAOLA1 das Lob weiter.

Die Suche nach einem Führungsspieler ist bei Rapid in vollem Gange, solange Kapitän Steffen Hofmann noch nicht bei vollen Kräften ist.

Alar am Weg zum Führungsspieler

Alar traut sich zu, mehr Verantwortung zu übernehmen und sieht diese Aufgabe trotz seines jungen Alters als Selbstverständlichkeit an.

„Ich glaube, jeder auf dem Platz muss Führung übernehmen. Man kann sich nicht immer hinter den anderen verstecken.“

Trotz allem stellt er die Wichtigkeit Hofmanns nicht in Frage und hofft, dass dieser schon bald wieder dauerhaft zur Verfügung steht.

„Steff hat lange pausieren müssen. Es ist klar, dass er noch nicht 90 Minuten spielen kann. Aber wenn er nur eine Halbzeit spielt, ist das wichtig für jeden Spieler. Das sieht man einfach.“

Noch mehr Wirkung hinter der Stoßspitze

Sein zweites Gesicht will der ambitionierte Offensivspieler in Zukunft gar nicht mehr aufblitzen lassen. Zu gerne würde er dort anschließen, wo er mit seinem Triple-Pack inklusive einem Traumtor gegen Ried aufgehört hat.

„Es war natürlich sehr schön und nicht so einfach zu machen. Ich habe nicht voll durchgezogen. Dass der Ball dann so passt, war wunderschön“, lässt Alar seinen Volleytreffer zum 4:1 ins Kreuzeck Revue passieren.

In einer Phase, wo selbst ein Kunstschuss den Weg ins Tor findet, ist der ehemalige Kapfenberger für Schöttel unverzichtbar. Der 45-jährige Wiener weiß, was er an seinem Rohdiamanten hat.

„In der Konstellation hinter einem Stoßstürmer ist er sehr wichtig für uns“, fordert der Trainer kreative Akzente aus dem Mittelfeld heraus und Torgefahr, allerdings nicht an vorderster Front.

In Zukunft nur mehr Dr. Jekyll statt Mr. Hyde?

Schließlich habe Alar die Qualität und Antrittsschnelligkeit, trotz zurückgezogener Position in die offenen Räume zu stoßen und Tore zu erzielen. Mit acht Saisontreffern in der Liga stellte er das bereits mehrmals unter Beweis.

„Er ist ein sehr schlauer Spieler und ein Instinktfußballer. Er kann Situationen sehr schnell antizipieren, ist durch seine Schnelligkeit rechtzeitig dort, wo es was zu holen gibt.“

Um sich nach einer „leichten Krise“ versöhnlich in die Winterpause verabschieden zu können, zähle für den Rapidler zur Zeit nicht, „schön zu spielen, sondern nur die Punkte.“

Auch am Weihnachtsfrieden könnte Alar großen Anteil haben. Und zwar, wenn Dr. Jekyll Mr. Hyde keine Chance mehr gibt, sein wahres Gesicht zu zeigen.

Alexander Karper

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