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"Das spricht ganz klar für Alars Reifeprozess"

Es sind schon gute Nerven von Nöten, um sich in der 91. Minute den Ball zu schnappen und zum vorentscheidenden Elfmeter anzutreten.

Vor allem im Wissen, dass ein Treffer zwischen Siegen und Fliegen entscheiden kann. Deni Alar war demnach bei Rapids Rückspiel in der Europa-League-Quali gegen Vojvodina Novi Sad alles andere als zu beneiden.

Dabei war der 22-jährige Offensivspieler gar nicht dafür vorgesehen. Nach einer kurzen Absprache mit Kapitän Steffen Hofmann wurde ihm aber die Verantwortung übertragen.

„Hau‘ ihn rein, Junge“, gab ihm der Elfer-Schütze Nummer eins mit auf den Weg. „Und das hat er gemacht.“

Alar glänzte als „Mr. Cool“

Hofmann hingegen hatte seinen verschossenen Strafstoß aus dem Hinspiel noch im Hinterkopf und wollte in dieser entscheidenden Phase kein Risiko eingehen.

„Es war nicht abgesprochen, aber Deni wollte schießen. Ich habe letzte Woche einen verschossen. Man muss das Glück nicht überstrapazieren. Es war gut so.“

Zur Enttäuschung Alars wurde er Opfer des Rotationsprinzips und musste die Partie lange Zeit von der Bank aus verfolgen. Nur zwanzig Minuten nach seiner Einwechslung hatte er dann seinen großen Auftritt.

„Ich war relativ ruhig und gar nicht nervös. Ich war mir relativ sicher, dass ich ihn verwandeln werde“, erwies sich der ehemalige Kapfenberger als „Mr. Cool“.

Kein Ersatz für Hofmann bestimmt

Teamkollege Terrence Boyd, der den Elfmeter herausholte, war von Alars Abgebrühtheit im Gespräch mit LAOLA1 begeistert.

„Respekt an Deni, er hat das eiskalt gemacht und die Nerven behalten.“ Auch Trainer Peter Schöttel war überrascht.

Erstens über die Nervenstärke des besten Torschützen der Vor-Saison und zweitens, dass dieser überhaupt die Chance aus elf Metern wahrnahm.

„Deni war nicht vorgesehen. Ich hätte nie geglaubt, dass ich einen Elferschützen bestimmen muss, wenn Steffen auf dem Platz ist.“

„Er war sicher enttäuscht“

Für den Steirer freute er sich aber besonders und scherzte bereits in der Kabine über sein glückliches Händchen bei der Einwechslung: „Ich weiß schon, wann ich welchen Spieler einsetze.“

„So ohne ist das nicht, diesen Elfer zu schießen. Da ist ein enormer Druck auf seinen Schultern gelastet“, zollte Schöttel seinem Schützling Respekt.

Schließlich hatte es der Youngster nicht immer leicht. Nach Startschwierigkeiten bei den Grün-Weißen mauserte er sich im Frühjahr zur fixen Größe. Nun war er nach dem Derby wieder nicht erste Wahl.

„Er war sicher enttäuscht darüber, aber das Programm war halt so, dass wir rochieren mussten“, rechtfertigt der Chefbetreuer seine Entscheidung gegen Alar und für Guido Burgstaller.

Alar übernimmt Verantwortung

Dass er dann auf diese Art und Weise entscheidend ins Spiel eingriff, untermauerte die Tatsache, dass er in dieser Saison bisher einer der auffälligsten Akteure bei den Hütteldorfern ist und Verantwortung übernimmt.

„Es ist toll, dass ein junger Spieler wie er zum Elfer hingeht. Das spricht auch ganz klar für seinen Reifeprozess“, sieht Schöttel Alar auf dem richtigen Weg.

Durch die Verpflichtung von Boyd bekam der technisch versierte Profi neue Konkurrenz an die Seite gestellt. Statt alleine an vorderster Front kommt er nun vermehrt hinter der Solospitze zum Einsatz.

Wichtige Tore auf dem Weg in Europa League

Mit seinem Auswärtstor beim 1:2 in Novi Sad und dem 1:0 im Rückspiel hat er bewiesen, wie wichtig er für die Hütteldorfer sein kann. Auch wenn er selbst stets bescheiden bleibt.

„Für einen Stürmer sind die Tore immer wichtig. Wenn es in so einem Spiel klappt, ist man natürlich umso glücklicher.“

Die nächste Bewährungsprobe steht im Playoff zur Gruppenphase gegen PAOK Saloniki auf dem Programm. Alar sei Dank.


Alexander Karper

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