Von Terrys Finalfluch und unscheinbaren Titelhamstern

Aufmacherbild

Die Europa-League-Schlacht ist geschlagen, der König ist gekrönt.

Chelsea sicherte sich mit einem 2:1-Finalerfolg über Benfica Lissabon die zweitbegehrteste Trophäe im europäischen Klubfußball.

Die begehrteste, jene der Champions League, ist ebenfalls noch in Besitz der „Blues“, zumindest, bis am 25. Mai das Endspiel in der Königsklasse steigt.

Mit Chelseas Titelgewinn geht eine spannende EL-Saison zu Ende, die mit dem Finale ihren Höhepunkt erfuhr.

LAOLA1 hat 10 Fakten zum Duell Chelsea gegen Benfica zusammengetragen, die nicht gleich auf den ersten Blick ersichtlich waren.

  • Dass Chelsea ein Experte für Europacup-Endspiele ist, hat es heuer und vergangenes Jahr bewiesen. Die Frage ist jedoch, ob die Londoner den Titel auch mit John Terry gewonnen hätten. Dem englischen Verteidiger eilt mittlerweile ein ähnlicher Ruf wie Michael Ballack voraus, nur dass Terry zumindest passiv eine Trophäe gewinnen konnte. Im CL-Endspiel 2012 fehlte Terry aufgrund einer Rot-Sperre, im EL-Finale 2013 verletzungsbedingt. Im einzigen Endspiel, in dem er auf dem Platz stand, mussten sich die „Blues“ Manchester United im Jahr 2008 im Elfmeterschießen geschlagen geben. Trotzdem stemmte er dieses Jahr zum zweiten Mal einen europäischen Pokal.

  • Es ist schon interessant, welch schweren Stand fix angestellte Trainer beim FC Chelsea haben. Eigentlich müsste man sich bei den Vertragsverhandlungen gleich um einen Interims-Posten bewerben. Denn damit fährt man bei den „Blues“ scheinbar am besten. Im März 2012 wurde Andre Villas-Boas wegen Erfolglosigkeit entlassen. Der Rückstand in der Liga war zu groß, also musste Roberto di Matteo interimistisch einspringen. Dieser holte nicht nur den FA-Cup, sondern auch den ersten CL-Titel in der Geschichte des Vorstadtklubs. Ein Jahr später ein ähnliches Bild. Bereits im November wurde bei di Matteo die Reißleine gezogen, da die großen Titelträume in weite Ferne rückten. Nachfolger Rafael Benitez konnte zwar das CL-Aus im letzten Spiel nicht mehr verhindern, holte aber immerhin die EL-Trophäe.

  • Chelsea setzte eine Tradition fort. Einmal mehr gelang dem CL-Sieger nicht die Titelverteidigung. Das ist Fakt. Allerdings holte auch noch kein anderes Team die Champions League und die Europa League in aufeinander folgenden Jahren. Die „Blues“ sind bis zum 25. Mai sogar Titelträger in beiden europäischen Bewerben. Zwei europäische Titel in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu holen gelang mit Real Madrid, Bayern München und Co. mehreren Teams. Zuletzt brachte dieses Kunststück der FC Sevilla zustande. Die Andalusier holten in den Saisonen 2005/06 und 2006/07 zwei Mal in Folge den Vorgänger der Europa League, den UEFA-Cup.

  • Benfica Lissabon war in Europa einmal eine große Nummer. 1960/61 und 1961/62 gelang zwei Mal der große Coup im Meistercup. Seitdem legten die Portugiesen eine 51-jährige Durstrecke hin, was Titel auf europäischer Ebene betrifft. Auch Amsterdam hätte Glück bringen sollen, schließich besiegte man dort im ersten Europacup-Finale, das in der niederländischen Hauptstadt ausgetragen wurde, Real Madrid mit 5:3. „Nicht in 100 Jahren wird Benfica wieder einen Europacup gewinnen“, polterte der damalige Trainer Bela Gutmann bei seinem Abgang, und er sollte bislang Recht behalten. Denn im Europa-League-Finale kassierte man die siebente Final-Niederlage, der Fluch setzte sich fort.

  • Die Geschichtsbücher der Europa League haben noch viele Seiten frei, trotzdem wurde im vierten Bestandsjahr des noch jungen Bewerbes mit einer Tradition gebrochen. Denn Chelsea war es seit der Einführung der Europa League zur Saison 2009/10 als erstem Team vergönnt, die iberische Vorherrschaft zu durchdringen. Bisher ging der Titel an Atletico Madrid (2010, 2012) und den FC Porto (2011) und somit auf die iberische Halbinsel. Mit Benfica hätte ein weiteres Team die Möglichkeit gehabt, diesen Trend fortzusetzen. Doch Chelsea hatte was dagegen und holte als erstes nicht spanisches oder nicht portugiesisches Team die begehrte Trophäe.
  • Was musste Fernando Torres seit seinem Wechsel zu den „Blues“ nicht alles an Hohn und Spott über sich ergehen lassen. Knapp 59 Millionen Euro überwies Chelsea damals für den Stürmer, der aufgrund seiner Torquote Kritik einheimste, jedoch in den wichtigen Momenten stets zur Stelle war – wie im Finale. Etwas anders sieht es bei dessen Landsmann Juan Mata aus, der seit seinem Engagement als unumstößlicher Stammspieler gilt. Beide haben etwas gemeinsam: Mit dem Gewinn der Europa League halten sie derzeit alle großen Titel. Mit Spanien krönten sie sich nach dem WM-Titel auch zum Europameister, für zumindest eine Woche sind sie nun auch CL- und EL-Sieger.
  • Es gibt Spieler, die einem Titel alles unterordnen würden, ihr letztes Hemd geben und ihren Beitrag dazu leisten, um am Ende ganz oben zu stehen. Und dann gibt es Spieler wie Ross Turnbull. Der Ersatzkeeper des FC Chelsea ist mit seinen 28 Jahren zwar im besten Fußballeralter, kommt jedoch nicht oft dazu, seine Qualitäten auf dem Platz zu zeigen. Insgesamt bestritt er seit 2009 sieben Spiele für die Londoner. Trotzdem ist seine Trophäensammlung voller als von so manchem Fixstarter: 1x Premier League, 2x FA-Cup, 1x Community Shield, 1x Champions League, 1x Europa League. Keine schlechte Ausbeute für einen Torhüter, der so ein Schatten-Dasein fristet.

  • Für Spannung war zwischen Chelsea und Benfica Lissabon gesorgt. Als alle schon mit einer Verlängerung rechneten, schlug Branislav Ivanovic zu. Schon im Vorjahr strapazierte Chelsea mit einem Treffer von Didier Drogba in der 88. Minute des CL-Finales gegen Bayern die Nerven der Zuschauer. Diesmal zögerten es die „Blues“ noch ein Stück länger hinaus. Die Erlösung, wie damals per Kopfball-Treffer, ließ bis zur 93. Minute auf sich warten. Damit wurde erstmals seit langer Zeit wieder einmal ein Europacup-Finale in der Nachspielzeit entschieden. Zum letzten Mal war das 1999 im denkwürdigen Endspiel zwischen Manchester United und Bayern München der Fall, als sowohl Teddy Sheringham als auch Ole-Gunnar Solskjaer nach der 90. Minute zum 2:1-Sieg trafen.

  • Die Regel besagt, dass der Drittplatzierte der CL-Gruppenphase trotz Scheiterns noch eine Chance in der Europa League bekommt. Darüber, ob das System fair ist, kann man streiten. Zwei Teams haben ihre zweite Chance aber eindrucksvoll genützt. Denn sowohl der spätere Champion Chelsea als auch Finalist Benfica Lissabon fühlten sich in der Königsklasse nicht gut aufgehoben und wagten mit Platz drei in der jeweiligen Gruppe den Umstieg. Dort gaben sich beide keine Blöße und standen sich schlussendlich im Endspiel in Amsterdam gegenüber. Hat sich nicht jedes Team eine zweite Chance verdient?

  • Chelsea und Benfica Lissabon kannten sich nicht nur aufgrund der Recherchen vor dem Endspiel in- und auswendig. Nein, man kennt sich schon seit längerem. Man könnte schon fast sagen, dass sich im Endspiel von Amsterdam zwei alte Bekannte gegenüber standen. In der vergangenen Saison waren beide Teams eine Stufe höher in der Champions League angesiedelt und kreuzten bereits dort die Klingen. Die Portugiesen hätten somit gewarnt sein müssen, denn allzu viel hat sich seitdem nicht verändert. Im Viertelfinale der Vorsaison setzte sich Chelsea im Hinspiel mit 1:0, im Rückspiel mit 2:1 durch. Chelsea holte danach den Titel, während die Adler durch die Finger schauten. Dieses Jahr handelte es sich um ein Deja-vu.

Alexander Karper

Jahr Bewerb Gegner Ergebnis
1963 Pokal der Landesmeister AC Milan 1:2
1965 Pokal der Landesmeister Inter 0:1
1968 Pokal der Landesmeister Manchester United 1:4
1983 UEFA-Cup RSC Anderlecht 1:2
1988 Pokal der Landesmeister PSV Eindhoven 5:6 n.E.
1990 Pokal der Landesmeister AC Milan 0:1
Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen