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Frankreich sucht noch nach EURO-Euphorie

Ein Jahr vor dem ersten Anstoß bei der Fußball-EM ist von Vorfreude in Frankreich noch wenig zu spüren.

Das liegt nicht nur an der sportlichen Misere der "Equipe tricolore". Ausgerechnet im Stade de France, wo am 10. Juni 2016 das Eröffnungsspiel ausgetragen wird, erhielt die Stimmung im Land des zweifachen Europameisters am Sonntag mit der 3:4-Pleite gegen Belgien einen weiteren Dämpfer.

Blatter-Wahl sorgt für Erklärungsbedarf

Auch jenseits des Rasens gibt es atmosphärische Störungen. Noel le Graet, Präsident des französischen Fußballverbandes (FFF), votierte bei der Wiederwahl des skandalumwitterten FIFA-Präsidenten Joseph Blatter für den Intimfeind seines Landsmanns Michel Platini. Als UEFA-Chef ist Platini für die EM in seinem Heimatland verantwortlich.

Nach Blatters Rücktrittsankündigung sah etwa die Zeitung "Liberation" Klärungsbedarf bei denen, die für den Schweizer gestimmt hatten, "angefangen beim Franzosen Noel le Graet".

An diesem Mittwoch, ein Jahr vor dem EM-Start, will Platini den Fokus ganz auf das Kontinentalturnier richten. Die Mammut-EM mit erstmals 24 Mannschaften erfordert ein gutes Zusammenspiel bei Sportlern und Organisatoren. Bei der ersten Endrunde waren es 1960 - ebenfalls in Frankreich - noch vier Teams und vier Begegnungen gewesen. Diesmal stehen 51 Spiele an 32 Tagen auf dem Turnierprogramm.

Ebenfalls am Mittwoch startet der Verkauf der Tickets. Von den etwa 2,5 Millionen Eintrittskarten stehen im Internet auf euro2016.tickets.uefa.com zunächst etwa eine Million Tickets zur Verfügung. Nach der Gruppenauslosung am 12. Dezember kommen weitere 800.000 hinzu. Die Preise sind von 25 bis 895 Euro kalkuliert.

Politische Rückendeckung

Die zehn Stadien in Paris und Saint-Denis sowie in Marseille und Nizza im Süden, Bordeaux und Toulouse im Südwesten, Lille und Lens im Norden sowie Lyon und Saint-Etienne im Südosten sind entweder bereits spielerprobt oder stehen planmäßig vor der baldigen Fertigstellung. Erst Ende Mai wurde das neue Stadion in Bordeaux eingeweiht.

Auf politischer Ebene können die EM-Verantwortlichen um Organisationschef Jacques Lambert mit voller Rückendeckung rechnen. Der damalige Präsident Nicolas Sarkozy begleitete bereits offensiv die Bewerbung bei der knappen Vergabe 2010 mit einer Stimme Vorsprung gegen Konkurrent Türkei.

Sein Nachfolger Francois Hollande, regelmäßig bei Länderspielen auf der Tribüne dabei, demonstriert mit einem Empfang für Platini und Lambert an diesem Mittwoch seine Unterstützung.

Glorreiche Erinnerungen an 1984

Während der WM in Brasilien agierte die damalige Sportministerin Najat Vallaud-Belkacem als Kommentatorin in Spielpausen der Nationalelf. Regierungschef Manuel Valls sorgte jetzt für Ärger bei seinen Genossen, als er vom Parteitag der Sozialisten nach Berlin flog, um einer Einladung von UEFA-Chef Platini zum Champions-League-Endspiel zu folgen.

Die dritte EM in Frankreich nach 1960 und 1984 soll ein Erfolg für das Land werden. Gern blicken "Les Bleus" bei den Vorbereitungen auf 1984 zurück. Der Europameister hieß damals Frankreich. Torschützenkönig und bester Spieler des Turniers: Michel Platini.

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