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Selbst die Politik macht sich Sorgen

Das enttäuschende 1:1 am Sonntag gegen Moldawien hat bei Österreichs kommenden EM-Quali-Gegner Russland für Unruhe gesorgt.

"Wir haben zwei Punkte verloren", erklärte Startrainer Fabio Capello nach dem Heimremis in Moskau. Schon vergangene Woche hätte sich sein Team für eine starke Leistung in Schweden (1:1) nicht ausreichend belohnt.

"Haben Moldawien nicht unterschätzt"

Die verlorenen Punkte wollen sich die Russen in einem Monat (15. November) in Wien zurückholen. Zwei Zähler fehlen dem WM-Starter ebenso wie Schweden (2:0 gegen Liechtenstein) auf Tabellenführer Österreich. Alle drei Teams sind nach drei Spielen in Gruppe G ungeschlagen, in den direkten Duellen gab es jeweils Unentschieden.

Österreich hat die Aufgabe Moldawien mit einem 2:1 am Donnerstag in Chisinau besser gelöst als Russland. "Wir haben gewusst, dass Moldawien nicht einfach zu spielen. Wir haben sie nicht unterschätzt", betonte Capello. Den Russen fehlte aber die Durchschlagskraft, um den moldawischen Abwehrwall zu durchbrechen.

Einzig Artem Dsjuba war per Elfmeter erfolgreich (73.) - und der war nicht frei von Kontroversen. Dsjuba war eigentlich nicht als Schütze vorgesehen, schnappte sich aber nach Foul an ihn selbst einem wild gestikulierenden Capello zum Trotz den Ball. Stürmer Alexander Kerschakow war bereits ausgewechselt, Innenverteidiger Sergei Ignaschewitsch fühlte sich als zweiter Schütze offensichtlich nicht ganz wohl.

Politik greift ein

"Artem hat Verantwortung übernommen, das muss man anerkennen", versuchte Capello zu beruhigen. Seine Beziehung zum Stürmer von Spartak Moskau ist aber nicht völlig friktionsfrei. Dsjubas Starrsinnigkeit habe dem Angreifer laut russischen Medien bereits seinen Platz im Kader für die WM in Brasilien gekostet.

Das Spiel in Moskau hat auch dem direkt von der Formel-1-Premiere in Sotschi angereisten Sportminister Witali Mutko missfallen. Der einflussreiche Statthalter von Präsident Wladimir Putin will kommende Woche ein ausführliches Gespräch mit Capello führen.

"Wir müssen das ganze Fußball-System in Russland überdenken. Wir haben wieder vier oder fünf Jahre verloren", meinte Mutko laut Angaben der Agentur Itar-Tass.

Rücktritts-Gerüchte irritieren Capello

Sorgen um die Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich macht sich Mutko noch nicht. "Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen. Aber was passiert dann? Wir müssen uns auf 2018 vorbereiten." Dann steht die WM im eigenen Land bevor.

Capellos Vertrag läuft bis zur Heim-WM. Unstimmigkeiten mit Verbandspräsident Nikolai Tolstych sollen laut russischen Presseberichten aber zuletzt so weit geführt haben, dass der 68-jährige Italiener sogar über einen Rücktritt nachgedacht habe. "Ich weiß nicht, woher das kommt", sagte Capello nach dem Moldawien-Spiel darauf angesprochen. "Ich lese selten Zeitung."

Die Tabelle wirft sein Team vor Schweden auf Platz zwei aus, der zur EM-Teilnahme berechtigen würde. Montenegro folgt einen Punkt dahinter auf Rang vier. Die Montenegriner empfangen in der nächsten Runde die Schweden. Diese hoffen auf eine Rückkehr von Zlatan Ibrahimovic. Das jüngste Doppel hatte der Superstar wegen seiner Fersenprobleme verpasst. "Das ist eine trügerische Verletzung, aber ich mache mir keine Sorgen", versicherte Schwedens Teamchef Erik Hamren.

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