Ausgebootet aufgrund der "Pistolen-Affäre"

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Plötzlich stürmen zwei dubiose Typen ins Hotelzimmer von Hakan Calhanoglu und Ömer Toprak.

Den einen kennen sie. Es ist ihr türkischer Teamkollege Gökhan Töre. Der andere, ein Freund von Töre, richtet eine Waffe auf die beiden.

"Ich lag in einer Ecke, er ist zu mir gekommen und hat zu mir gesagt: Beweg dich nicht, sonst erschieß ich dich", erzählt Calhanoglu im „ZDF-Sportstudio“.

Die brenzlige Situation am 15. Oktober 2013 ging Gott sei Dank glimpflich aus. Niemand wurde verletzt. Sportlich hat die „Pistolen-Affäre“ jedoch bis heute ihre Konsequenzen.

„Hat Terim denn keine Kinder?“

Die Geschichte wurde lange Zeit unter Verschluss gehalten. Vor einem Monat sorgte ein Interview mit Calhanoglus Vater aber für mächtigen Wirbel. Den besorgten Papa erregte die Nationalteam-Nominierung Töres durch Teamchef Fatih Terim. Damit wäre sein 20-jähriger Sohn erstmals seit dem Waffen-Vorfall wieder dem Übeltäter begegnet.

In einem emotionalen Interview mit der Zeitung „Hürriyet“ bestätigte Hüseyin Calhanoglu die Gerüchte, die davor nur in den Zeitungen kursierten. Zudem kritisierte er Terim für die Entscheidung, Töre, der zusätzlich im April in einer Disko angeschossen wurde, zurück zur Nationalmannschaft zu holen.

„Hat Terim denn keine Kinder?“, fragte Calhanoglus Vater im Interview mit der Zeitung „Hürriyet“.

Keine Nominierung für Toprak und Calhanoglu

Während Töre bei seinem Comeback mit der Nationalmannschaft ein 1:2 gegen Tschechien und ein 1:1 gegen Lettland hinnehmen musste, sagten die Leverkusen-Spieler aus fadenscheinigen Gründen ihre Teilnahme ab. Offiziell fielen Toprak und Calhanoglu verletzungsbedingt aus. In Wirklichkeit konnten sich aber alle zusammenreimen, warum die beiden nicht für die Türkei spielen wollten.

„Wir hatten mit der Sache eigentlich gar nichts zu tun, waren zur falschen Zeit am falschen Ort", beteuert Calhangolu bei seinem Interview im deutschen TV. Grund für den Streit mit Töre sei das Verhältnis eines Freundes von Toprak mit Töres Ex-Freundin gewesen.

Für das Freunschaftsspiel gegen Brasilien, das die Türkei am Mittwoch 0:4 verlor, sowie die EM-Quali-Partie gegen Kasachstan am Sonntag wurden Toprak und Calhanoglu gar nicht erst nominiert. Teamchef Terim hält lieber Töre die Stange, hat der Besiktas-Profi als Star eines Istanbuler Top-Klubs doch eine nicht zu verachtende Medien-Lobby hinter sich.

Laut Terim hat sich Ex-Gangster Töre zum Positiven verändert

Den Deutsch-Türken fehlt dagegen nicht zum ersten Mal die öffentliche Rückendeckung im Land am Bosporus. Man denke nur an Nuri Sahins Nationalteam-Karriere, die von Nichtberücksichtungen und Rücktritten geprägt ist.

Team könnte Leverkusen-Duo gut gebrauchen

"Ich bin traurig, dass ich nicht eingeladen wurde. Jetzt bleibe ich eben hier und regeneriere", sagte Calhanoglu zu seiner Ausbootung. Toprak will zu dieser Causa gar keinen Kommentar abgeben.

Dabei könnte das türkische Nationalteam die beiden Leverkusen-Legionäre gut gebrauchen. Denn die "Milli Takim" befindet sich seit einigen Jahren in der Krise. In der Weltrangliste ist man auf Platz 46 abgerutscht. Der Start in die EM-Qualifikation wurde total verpatzt. Mit nur einem Punkt nach drei Spielen liegt man noch hinter Kasachstan auf dem letzten Platz der Gruppe A.

Gegen die ehemalige UdSSR-Teilrepublik muss Terims Mannschaft am Sonntag gewinnen, um zumindest noch theoretisch die Chance auf eine EURO-Teilnahme aufrecht zu erhalten.  Der Coach steht vor einem Entscheidungsspiel. Eigentlich wurde er  im August 2013 als Retter geholt. Angeblich sogar auf Geheiß von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Mittlerweile steht ihm das Wasser in seiner dritten Amtszeit als Teamchef bis zum Hals.

In den nächsten Spielen muss Terim beweisen, das sein Weg ohne Calhanoglu und Toprak der richtige ist.

 

Jakob Faber

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