Der Alleinunterhalter wird Englands Bester werden

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Ganz England ist sich sicher: Wayne Rooney macht sich in Bälde zum Rekord-Torschützen der Three Lions.

Der Nationalteam-Kapitän hält im Moment bei 48 Treffern für England, ein Tor hinter Sir Bobby Charlton.

Seit über 45 Jahren haben die 49 Treffer der ManUnited-Legende als Bestmarke Bestand, da man im EM-Qualifikationsspiel in San Marino aber von einem Schützenfest ausgeht, könnte Rooney bereits am Samstag zum alleinigen Rekordhalter avancieren.

Zuletzt zeigte er sich im Team bestens in Schuss, traf in den vergangenen fünf EM-Quali-Partien jeweils einmal, insgesamt verbuchte er in den letzten zwölf Länderspielen neun Tore für sich.

Zudem ist San Marino ein dankbarer Gegner. Die Three Lions gewannen bei einem Torverhältnis von 31:1 alle fünf bislang ausgetragenen Pflichtspiele gegen die älteste bestehende Republik der Welt.

Rekord ist in aller Munde

England könnte mit einem Pflichtsieg in San Marino bereits das EM-Ticket buchen, sollte Slowenien wenige Stunden später in der Schweiz nicht gewinnen, das bestimmende Thema ist dennoch die Jagd nach dem Tor-Rekord.

"Wenn du um Rekorde spielst, ist das das Thema, worüber alle reden und worüber geschrieben wird. Umso schneller er es schafft, umso früher kann er sich wieder auf die Spiele konzentrieren. Er hat es verdient und es wird passieren", weiß Alan Shearer, selbst einer der erfolgreichsten Stürmer im England-Trikot.

Ein Ende der Fragen nach dem Rekord wünscht sich auch Rooney selbst, der sich Charlton gegenüber aber demütig zeigt. 

Gutes Verhältnis zu Charlton

"Ich spreche in Manchester oft mit ihm, vor allem nach Spielen. Aber ich erwähne den Rekord nicht. Er ist eine United- und England-Legende, da möchte ich das Thema nicht anschneiden und sagen: Ich bin kurz davor dich zu übertrumpfen", erklärt Rooney.

Charlton, der 1958 den Flugzeugabsturz der United-Mannschaft überlebte, sei ein Vertrauter, der ihm stets mit Rat zur Seite stünde, erzählt Rooney. "Er kommt herein und spricht über das Spiel. Ich rede mit ihm über meine Leistung, vor allem wenn ich im Mittelfeld gespielt habe. Da er selbst auf dieser Position gespielt hat, kann er mir da sehr helfen."

Rooney verhehlt nicht, dass das Knacken des Rekords ein besonderes Ereignis für ihn sein wird. "Es wird ein fantastischer, stolzer Moment für mich, wenn ich es schaffe. Hoffentlich passiert es eines Tages, und hoffentlich früher als später", so Rooney im vergangenen März.

Bobby Charlton

Wayne Rooney

Zeitraum

1958-1970

2003-Gegenwart

Länderspiele

106

105

Tore

49

48 

Der Unterstützung seiner Teamkollegen kann sich der 29-Jährige jedenfalls sicher sein. "Für mich ist er der beste englische Spieler in England", sagt Jonjo Shelvey, der ob einem starken Saisonstart und zahlreicher Ausfälle (u.a. Ryan Bertrand, Jordan Henderson, Jack Wilshere, Phil Jones, Danny Welbeck) ins Aufgebot rutschte.

Vergangenes Wochenede standen sich die beiden noch in der Premier League gegenüber, wobei Shelvey mit Swansea als 2:1-Sieger vom Platz ging. "Wayne ist ein gewaltiger Spieler und vor welchem Meilenstein er steht, spricht Bände. Wenn ich spielen werde, werde ich vesuchen, ihm zu helfen, die zwei Tore zu schießen, damit er hoffentlich den Rekord schafft", versichert Shelvey.

Hurst: Rooney nicht auf einem Level mit Charlton

Rooney mag unmittelbar davorstehen, Charlton als Englands Top-Torschütze abzulösen, auf einem Level mit dem Sir sehen ihn deshalb aber längst nicht alle.

"Wayne ist wirklich großartig, aber er hat noch ein kleines Stück vor sich, wenn man Rooney und Charlton als Spieler vergleichen möchte", glaubt Geoff Hurst. Der WM-Held und Dreifachtorschütze im Finale 1966 gegen Deutschland - Stichwort Wembley-Tor - sieht seinen ehemaligen Mannschaftskollegen Charlton in einer anderen Liga.

"Wenn er ihn überholt, hat er etwas Großes erreicht, keine Frage. Aber was ich sagen will ist, Rooney ist Angreifer, Bobby Charlton hat als Mittelfeldspieler 49 Tore gemacht. Das zeigt das erstaunliche Können von Sir Robert Charlton", erinnert Hurst, der selbst zum Sir geschlagen wurde, und fügt hinzu: "Es ist aber nicht nur das Können, sondern auch das, was sie im Spiel erreicht haben. Und natürlich war Bobby Teil des Weltmeister-Teams, das kann Wayne bislang nicht aufweisen. Es gibt diesen Unterschied, den ich immer anführen würde."

Trotz seiner Torgefährlichkeit haftet Rooney der eine oder andere Makel an. So etwa, dass er bis zum Turnier in Brasilien im vergangenen Jahr, auf seinen ersten Treffer bei einer Weltmeisterschaft warten musste.

"Es gibt das Argument, dass er bei den großen Turnieren nicht überzeugt", gibt auch Shearer zu. "Aber er macht die Tore, spielt auch, wenn er verletzt ist, er gibt einfach alles. Spieler wie er haben meinen Respekt", so der einstige England-Skipper.

Rooney, der Alleinunterhalter

Shearer weiß, was England an Wayne Rooney hat und über welche Ausnahmestellung er vor allem in dieser Stürmer-Generation verfügt.

"Es ist alarmierend. Zu meiner Zeit waren Jungs um mich herum wie Robbie Fowler, Andy Cole, Matt Le Tissier, Teddy Sheringham, Les Ferdinand, … Jetzt sehe ich nur Rooney", zeichnet der 30-fache Team-Torschütze das dunkle Bild im englischen Angriff nach. Daniel Sturridge und Danny Welbeck kämpfen immer wieder mit Verletzungen, weshalb Shearer seine größten Hoffnungen auch in einen anderen setzt.

"Harry Kane hat großes Potenzial, aber auch er muss sich nach einer starken Saison bei Tottenham nun beweisen. Er steht jetzt mehr im Fokus, denn jetzt ist er Harry Kane der Nationalspieler", meint der 45-Jährige und sehnt sich nach einem zweiten Klassestürmer neben Rooney: "Es ist hart, wir warten alle auf einen Jungen, der auf dieser Position überzeugt."

Ein wenig Zeit bleibt den Three Lions, einen solchen zu finden. Denn noch ist auf einen (fast) immer Verlass: Wayne Rooney.

 

Christoph Kristandl

Spiele

Tore

WM

11

1

EM

6

5

WM-Quali

22

16

EM-Quali

25

12

Freundschaftsspiele

41

14

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