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"Es war absurd"

„Es ist immer dasselbe. Ich verstehe es nicht. Es gibt überhaupt keinen Grund, sich so zu benehmen.“

Luka Modric verlieh seiner Resignation gegenüber „Sky Sport Italia“ Ausdruck.

Die kroatischen Spieler und Verantwortlichen nahmen mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis, was im San Siro geschah.

Zehn Minuten unterbrochen

Weil die Fans der Gästemannschaft beim 1:1 im EM-Quali-Spiel in Italien pyrotechnische Gegenstände aufs Feld geworfen und sich Schlägereien mit der eingreifenden Polizei geliefert hatten, wurde das Spiel in Mailand nach 71 Minuten für zehn Minuten unterbrochen.

Die Partie stand am Rande des Abbruchs, wurde letztlich aber doch über die Runden gebracht. Nach dem Schlusspfiff wurden laut "ANSA" 17 kroatische Fans festgenommen.

„Vergebt uns!“

Kroatien-Teamchef Niko Kovac bedauerte: „Ich entschuldige mich für das, was unsere Fans getan haben. Vergebt uns!“

Der Trainer weiter: „Ich bin zu den Anhängern gegangen und habe ihnen gesagt, dass sie mich im Stich gelassen haben. Wir müssen uns fragen: Ist das Fußball? Nein, das ist es nicht. Es waren Kinder im Stadion, es war absurd.“

„Es ist verrückt!“

Er rechne mit Sanktionen der UEFA, aber auch damit, dass der in Italien gewonnene Punkt nicht im Nachhinein wieder abgezogen werde. Der europäische Verband hat bereits eine Untersuchung der Vorfälle angekündigt. Dass auch Sprechchöre mit faschistischem Hintergrund („Auf geht’s Ustasa“) zu hören waren, wird der UEFA ebenfalls nicht entgangen sein. Zudem war – zumindest kurzfristig – ein Transparent mit dem „Ustasa“-Symbol zu sehen.

Ebensowenig Verständnis wie Kovac zeigte Modric: „Es ist verrückt! Ich kann nicht verstehen, warum sie so etwas immer wieder tun.“

Kovac stieß ins selbe Horn: „Es ist nicht das erste Mal und es ist nicht zufällig passiert. Ich schäme mich. Das zeichnet ein schlechtes Bild von Kroatien. Aber das ist nicht Kroatien, wir sind freundliche Menschen.“

Protest gegen Missstände

Dass die Aktion der Fans als Protest gegen die herrschenden Zustände im kroatischen Fußball zu sehen war, darüber sind sich Experten weitgehend einig. Dinamo Zagrebs Klub-Boss Zdravko Mamic ist seit Jahren das Feindbild der Anhänger – Bilder mit seinem durchgestrichenen Konterfei waren auch in Mailand zu sehen.

Auch sonst wettern die Fans vereinsübergreifend gegen die Missstände im nationalen Verband und auf Klub-Ebene. Korruption und Freunderlwirtschaft werden öffentlich angeprangert.

„Nicht gerade der beste Weg“

Die deutlichsten Worte in diesem Zusammenhang fand Ex-Profi Goran Vlaovic: „Wenn diese Aktion gegen den kroatischen Verband gerichtet war, war es nicht gerade der beste Weg, um den Unmut zu äußern. Am Ende des Tages leiden nämlich der Fußball und das Nationalteam.“

Abgesehen von den Szenen auf den Rängen litt Modric auch wegen Leistenproblemen. Der Real-Madrid-Profi hat sich in Italien verletzt und könnte laut „AS“ rund fünf Wochen ausfallen.

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