Quali-Endspurt: Brennpunkte & Überraschungsleader

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Die österreichische Nationalmannschaft hat es beinahe geschafft, nur noch ein Punkt fehlt, um die EM-Teilnahme perfekt zu machen.

Diesen wollen die Mannen von Teamchef Marcel Koller schon am Dienstag beim Gastspiel in Schweden einfahren, womit sich der ÖFB erstmals sportlich für eine Endrunde qualifizieren würde.

Doch nicht nur Rot-weiß-rot kann bereits die Tickets nach Frankreich buchen. Mit England (Gruppe E) ist die erste Mannschaft bereits fix qualiziert. Dazu gibt es die üblichen Verdächtigen wie Deutschland (D) und Spanien (C).

Doch längst nicht alle Gruppen werden von souveränen Tabellenführern angeführt. Und wenn, dann nicht unbedingt von solchen, die der Fußballfan erwarten durfte.

Die LAOLA1-Rundschau auf Brennpunkte in anderen Gruppen gibt daher den Überblick: Welches Sensationsteam steht mit einem Bein in Frankreich, welches Kaliber strauchelt oder muss die EM gar nur vor dem Fernseher verfolgen?

Anmerkung: Wie funktioniert der Quali-Modus?

Die neun Gruppensieger und –zweiten sowie der beste Gruppendritte sind ebenso fix wie Gastgeber Frankreich für die EM 2016 qualifiziert. Die restlichen acht Gruppendritten spielen sich im Playoff die restlichen vier Startplätze aus.

Eine Insel im EM-Fieber

Wer hätte das gedacht, aber die isländische Nationalmannschaft hat allerbesten Chancen, sich erstmals für ein Großereignis zu qualifizieren. Nach dem sensationellen 1:0-Auswärtssieg in Amsterdam hat das Team von Trainer Lars Lagerbäck drei Spieltage vor Schluss mit 18 Punkten den komfortablen Vorsprung von acht Zählern auf die drittplatzierten Niederländer. Bereits ein Punkt aus den kommenden beiden machbaren Heimspielen gegen die Schlusslichter Kasachstan (So., 20.45 Uhr) und Lettland (10.10.) würde das Fixticket für Frankreich bedeuten. Angesichts der isländischen Konstanz kaum vorstellbar, dass sich die Nordeuropäer das noch nehmen lassen, zumal auch das direkte Duell gegen die Niederlande (2:0, 1:0) gewonnen wurde.

Im (Elf)-Tal der Tränen

Wer hätte das gedacht, Teil zwei – diesmal aber im negativen Sinne. „Gibt es irgendetwas Positives am heutigen Tag? - Dass Lettland in der letzten Minute in der Türkei ausgeglichen hat.“ Der niederländische Stürmer Klaas-Jan Huntelaar wusste nach der Pleite gegen Island, dass er ab sofort in der Tabelle mehr nach hinten als nach vorne schauen sollte, hat die Elftal (3./10 Zähler) doch bereits sechs Punkte Rückstand auf die zweitplatzierten Tschechen. Zwar empfängt das Team von Neo-Bondscoach Danny Blind diese noch am letzten Spieltag, Österreichs Nachbar kann aber bereits davor mit zumindest vier Punkten gegen Lettland und die Türkei das Fixticket klar machen. Für Oranje ginge es damit nur noch um Platz drei und die Rettung ins Playoff. Dabei kommt es bereits heute um 18:00 Uhr zum Showdown in der Türkei (4./9 Punkte). Eine Niederlage in Konya und der niederländische Hut brennt lichterloh. Der Ausfall des verletzten Kapitän Arjen Robben, der oft die Bürde des ganzen Offensivspiels trug, macht die Lage nicht angenehmer. Die Türken müssen allerdings noch gegen das Spitzenduo ran.

Einer macht den Unterschied

Neben Island darf auch Wales guten Gewissens mit der EM-Premiere liebäugeln. Die Briten führen Gruppe B ungeschlagen mit 17 Punkten an und konnte bisher Favorit Belgien (14) auf Distanz halten. Ein Heimsieg im heutigen Duell gegen das drittplatzierte Israel (12) macht das Ticket nach Frankreich perfekt. Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass wieder einmal Superstar Gareth Bale den Unterschied ausmacht. Der Flügelspieler von Real Madrid liegt mit sechs Torena auf dem geteilten zweiten Platz der Torschützenliste und fuhr vier Siege praktisch im Alleingang ein. Die Dominanz ist umso augenscheinlicher, da Wales insgesamt auch nur neun Treffer erzielte, damit aber fünf Siege und zwei Unentschieden holte. EM-Gesellschaft aus derselben Gruppe werden die Waliser höchstwahrscheinlich von Belgien bekommen, das seine Favoritenrolle im Fernduell mit Israel ins Ziel bringen sollte - wenn nötig erst am letzten Spieltag im direkten Heimduell.

Zittern bei der Squadra Azzurra

In Gruppe H steht nur fest, wer in den Kampf um Frankreich nicht mehr eingreifen wird. Bulgarien fehlen als Vierter bereits fünf Punkte auf Rang drei. Das Spitzenduo Kroatien (1./15) und Italien (2./15) hat überraschend noch Norwegen (3./13) im Windschatten. Für die beiden Favoriten spricht zwar das leichtere Restprogramm (ITA: Bulgarien/h, Aserbaidschan/a bzw. CRO: Bulgarien/h, Malta/a), Norwegen hat aber mit den direkten Duellen das eigene Schicksal noch selbst in der Hand. Im ersten davon empfangen die Skandinavier heute Modric und Co. Gewinnt Norwegen und Italien punktete gleichzeitig in Palermo gegen Bulgarien, fällt Kroatien zwei Spieltage vor Schluss vom Platz an der Sonne auf den Playoff-Platz zurück. Aber auch die Squadra Azzurra überzeugte beim mageren 1:0-Sieg gegen Malta ganz und gar nicht und muss sich steigern, um das Endspiel gegen Norwegen zu verhindern. Oder wird die Quali am Ende gar am grünen Tisch entschieden, wo die UEFA noch über den Punktabzug in der kroatischen Hakenkreuzaffäre beraten wird?

Thriller vorprogrammiert

In Gruppe I scheint ein Thriller vorprogrammiert. Das Spitzentrio Portugal (12), Dänemark (11) und Albanien (11) ist nur durch einen Punkt getrennt. Die schlechteste Ausgangslage scheint Dänemark zu haben. Die Nordeuropäer kamen am Freitag daheim im wichtigen Duell gegen Albanien nicht über ein torloses Remis hinaus und stecken mit einem Spiel mehr als die direkten Konkurrenten in der Bredouille. Das schwere Restprogramm ist dabei Fluch und Segen zugleich: Zwar darf das Team von Morten Olsen am Montag auf portugiesische Schützenhilfe in Elbasan hoffen, muss aber am Spieltag drauf selbst nach Braga zum Tabellenleader. Albanien hat wiederum das direkte Duell gegen Dänemark aufgrund der Auswärtstorregel verloren (1:1/h) und erwartet nach dem Skandalspiel im Herbst 2014 noch das hitzige Duell gegen Serbien, das ihnen wohl gerne die zweite EM-Teilnahme nach 1964 zunichte machen würde. Oder ist schlussendlich sogar Cristiano Ronaldo der „weinende Dritte“? - muss doch sein Team noch gegen beide Widersacher bestehen. Hoffnungsschimmer für alle drei: Die Gruppe stellt momentan den ebenfalls fix qualifizierten besten Gruppendritten.

Friede, Freude, Eierkuchen

Mit Ruhm hat sich der englische Fußball in den letzten beiden Jahren, u.a. dem Gruppen-Aus bei der WM 2014 sowie dem engländerlosen Champions-League-Viertelfinale 2015, nicht gerade bekleckert. Davon ist aber zumindest in der aktuellen EM-Quali-Kampagne nichts zu sehen: Sieben Spiele, sieben Siege, 24:3 Tore. Die englische Nationalmannschaft ist nicht nur als einziges Team noch mit blütenweißer Weste unterwegs, sondern buchte auch als erstes Team überhaupt das Fixticket nach Frankreich. Kapitän Wayne Rooney sowie sein kongenialer Sturmpartner Danny Welbeck (je sechs Tore) sorgten dafür, dass die „Three Lions“ in der Gruppe E von Anfang an einsame Kreise zogen. Ersterer hatte sogar doppelten Grund zur Freude, erzielte er doch beim 6:0-Kantersieg bei San Marino seinen 49. Länderspiel-Treffer und zog in der ewigen Bestenliste mit Leader Sir Bobby Charlton gleich.

Andreas Gstaltmeyr

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