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Santi Cazorla - Dauergrinser und Sonderfall

David Villa ist weiterhin das Gesprächsthema im Trainingslager der Spanier.

Die EM-Absage des Top-Torjägers beschäftigt nicht nur Teamchef Vicente del Bosque, sondern auch seine Spieler.

„Er ist ein entscheidender Ausfall“ so der einhellige Tenor.

Santi Cazorla bringt die Bedeutsamkeit Villas auf den Punkt: „Wenn er 2008 und 2010 nicht gewesen wäre, hätte Spanien jetzt nicht zwei Titel.“

Für Asturien und Spanien

Den 26-Jährigen verbindet mit dem abwesenden Stürmer nicht nur das Nationalteam sondern auch die gemeinsame Herkunft. Beide stammen aus Asturien im Norden Spaniens.

Nach einem persönlichen Gruß für den engeren Landsmann ergänzt Cazorla: „Wir hoffen, dass seine Abwesenheit nicht sonderlich auffällt und wir seine Qualitäten und vor allem seine Tore ersetzen können.“

Bei dieser Aufgabe könnte auch dem 1,69-Meter großen Filigrantechniker selbst eine tragende Rolle zukommen. Mit neun Toren in der abgelaufenen La-Liga-Saison zählt er schließlich zu den torgefährlichsten Mittelfeldspielern.

Besonderes Detail: Acht dieser erfolgreichen Schüsse wurden außerhalb des Sechzehners abgegeben. Für Kenner des spanischen Fußballs, bei dem der Ball zumeist in den Strafraum getragen wird, nicht unbedeutend.

Der Freistoß-Experte kann also durchaus als Geheimwaffe des Titelverteidigers gesehen werden.

WM vor dem Fernseher

Nicht nur aufgrund seiner Gefahr bei Weitschüssen ist Cazorla in der „Seleccion“ ein Sonderfall. Er ist der einzige im bisherigen Kader (und wird es wohl auch nach den Nachnominierungen bleiben), der zwar Europameister aber nicht Weltmeister ist.

In fünf von sechs Spielen bei der EURO 2008 vertraute Teamchef Luis Aragones auf den damaligen Villarreal-Akteur, der erst in den Freundschaftsspielen vor der Endrunde sein Teamdebüt gegeben hatte.

Nach dem Triumph im Wiener Ernst-Happel-Stadion zählte er auch unter del Bosque zum Stamm der Nationalelf. Eine schwere Verletzung setzte ihn aber weite Teile der WM-Saison außer Gefecht, die Nicht-Einberufung daher ein logischer, wenngleich enttäuschender Schluss.

Zurück im Team

Umso glücklicher ist der nunmehrige Malaga-Spieler, „nun wieder Teil dieser Gruppe und bei der EURO dabei zu sein.“

Wer den Abkömmling der Jugendabteilung von Real Oviedo auf dem Trainingsgelände in Schruns beobachtet, kann diese Freude in Form eines gerade zu immerwährenden Lächelns sogar sehen.

Verändert habe sich im Vergleich zur letzten EM indes nicht viel. „Dieses Team hat seine Philosophie beibehalten. Was sich verändert, sind nur einige der Mitglieder. Spanien hat großartige Fußballer und muss weiter seinem Stil treu bleiben.“

Erfolg in Blau-Weiß

Der Dank an den Teamchef „für sein Vertrauen“ ist freundlich gemeint, erarbeitet hat sich Cazorla dieses Comeback allerdings aufgrund seiner Leistungen selbst.

Neben der bereits angesprochenen neun Tore steuerte der Dauerläufer, der kein einziges Saisonspiel verpasste, auch fünf Vorlagen bei und zeichnet sich somit maßgeblich für den vierten Platz der Andalusier und das damit verbundene Erreichen eines Champions-League-Qualifikationsplatzes verantwortlich.

Der Asturier scheint jeden Cent der 21 Millionen Euro, die der Scheich-Klub vergangenen Sommer nach Villarreal überwiesen hat, wert zu sein.

Krönt er sich nun sogar zum Doppel-Europameister, ist diese Investition in Anbetracht seines steigenden Marktwerts durchaus als Schnäppchen zu sehen.


Christian Eberle

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