Trapattoni gibt zu: "I must think very much"

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Giovanni Trapattoni ist nicht anzumerken, dass er von den Geschichtsbüchern seit Sonntag als ältester Trainer bei einer Fußball-EM geführt wird. Selbst die 1:3-Niederlage der irischen Nationalmannschaft gegen Kroatien hat den Energiepegel des 73-Jährigen nicht sinken lassen - ganz im Gegenteil:

Wie schon in seinen Zeiten als Salzburg-Trainer lief der Italiener auch in der Montag-Einheit der Iren in Gdynia wort- und gestenreich auf dem Platz herum und lieferte sich in der anschließenden Pressekonferenz leidenschaftliche Duelle mit kritischen Journalisten.

Dolmetscherin für Trapattoni

Die Medienvertreter bemängelten die Personalauswahl und die übervorsichtige Taktik. Das ließ der Italiener nicht auf sich sitzen. "Remember you this", legte Trapattoni mit erhobenem Zeigefinger los und wies darauf hin, mit vier Offensivspielern begonnen zu haben.

Gleich darauf stellte er höflich, aber bestimmt die Fachkompetenz der kompletten Journalistenrunde infrage. Neben dem Star-Trainer nimmt bei Pressekonferenzen regelmäßig eine Dolmetscherin Platz, die Fragen ins Italienische übersetzt.

Trapattoni hätte die Möglichkeit, auf Italienisch zu antworten und die Dolmetscherin den Rest erledigen zu lassen. Dennoch repliziert er ausschließlich in (gebrochenem) Englisch und sorgt regelmäßig für eigenwillige Satzkonstrukte.

"Our wingers never go many times to goal", sprudelte es aus Trapattoni heraus, als er sich über die Harmlosigkeit seiner Flügel ärgerte. "We need to recover the goal", sagte der Italiener und meinte damit den dringenden Steigerungsbedarf, was das Herausspielen von Torchancen betrifft.

Vertragsverlängerung bis 2014

Nicht zuletzt dank seiner kultigen Auftritte bei Presseterminen hat es Trapattoni auf der Grünen Insel zum Volkshelden gebracht. "The cat is in the sack, but the sack is not closed", analysierte der Coach etwa den 4:0-Auswärtssieg im EM-Play-off-Hinspiel gegen Estland.

Trapattoni genießt aber in seiner Wahlheimat vor allem deshalb große Beliebtheit, weil er das irische Team erstmals seit 1988 wieder zu einer EM geführt hat. Als Lohn dafür wurde sein Vertrag vorzeitig bis 2014 verlängert - damit bekommt es die österreichische Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation mit dem "Maestro" zu tun.

Legendäre Sager

In Österreich legte Trapattoni ebenfalls eine legendäre Pressekonferenz hin. "Wer kann nicht machen, der sprechen. Wer kann nicht sprechen, der schreiben", warf der damalige Salzburg-Trainer 2008 den Reportern an den Kopf. Zehn Jahre zuvor hatte er als Bayern-Coach mit seiner Wutrede ("Flasche leer", "Ich habe fertig") für Aufsehen gesorgt.

Trapattonis Qualitäten beschränken sich aber nicht nur auf bemerkenswerte Auftritte vor Mikrofonen und TV-Kameras. Der in seiner Heimat "Il Tedesco" (der Deutsche) genannte "Mister" gewann als Coach von Clubs wie Juventus, AC Milan, Inter Mailand, Bayern oder Benfica Lissabon insgesamt 22 Titel, darunter auch mit Salzburg 2007 die Meisterschaft.

Authentisch ist er trotz dieser Erfolge geblieben - und auch nachdenklich: "I must think very much", gab Trapattoni vor dem Spanien-Spiel zu.

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