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Portugals steiniger Weg heraus aus der Erfolglosigkeit

Platz acht in der FIFA-Weltrangliste täuscht ein wenig darüber hinweg, in welcher sportlichen Situation sich Portugal seit Jahren befindet.

Immer wieder werden die Iberer als Mitfavoriten in den Qualifikationen und Endrunden bei Welt- und Europameisterschaften gehandelt, der große Coup konnte aber noch nicht gelandet werden.

Der wohl größte Erfolg war das Erreichen des Finales bei der Heim-EM 2004, wo man sich jedoch Griechenland geschlagen geben musste. Auch dieser historische Meilenstein (erste Finalteilnahme) liegt mittlerweile schon sieben Jahre zurück.

Um erneut zu einem Höhenflug anzusetzen, muss sich die „Seleccao“ erst einmal für die EURO 2012 qualifizieren. Doch auch dieses Jahr stockt der Motor.

Eine Zitterpartie wie schon 2009

Aufgrund der Dichte an Superstars wie Cristiano Ronaldo, Nani oder Quaresma wurden in der Vergangenheit Lobeshymnen auf die neue portugiesische Generation gesungen, genützt hat es bisher wenig.

Wie schon in der Qualifkation für die WM 2010 in Südafrika muss sich Portugal durch die Barrage-Spiele zittern. Gegner ist wie 2009 Bosnien-Herzegowina.

Die in Gruppe H als klarer Favorit gehandelten Portugiesen hatten gegenüber Dänemark das Nachsehen und hätten den Relegations-Platz beinahe noch an Norwegen verloren.

Im ersten Playoff kam das Team von Paulo Bento nicht über ein 0:0 in Zenica hinaus. Eine ganze, fußballverrückte Nation zittert um die Teilnahme am im kommenden Jahr anstehenden Großereignis.

Um keine Ausrede verlegen

Vor zwei Jahren wiesen die ohne den verletzten Ronaldo angetretenen Portugiesen Bosnien im Hin- und Rückspiel jeweils mit 1:0 in die Schranken.

Diesmal sieht die Ausgangsposition nach der Nullnummer anders aus. Und die zu den spielerisch besten Mannschaften der Welt zählende Auswahl war sich keiner Ausrede zu schade.

Aufgrund des holprigen Untergrunds war von einem „Kartoffelacker“ und einem „Schrebergarten“ die Rede, der einen Erfolg unmöglich machte. Dies veranschaulicht jedoch auch die Anspannung, die derzeit im Lager der Iberer herrscht.

Während der zurückhaltende Trainer ein schweres, kompliziertes Spiel erwartet, spuckt Ronaldo, wie man es von ihm gewohnt ist, große Töne. Doch gerade der Real-Madrid-Offensivspieler steht sinnbildlich für die Achterbahnfahrt Portugals.

Die Akte Cristiano Ronaldo

Hat er gerade Lust, oder eher nicht? Diese Frage stellt sich beim Ausnahmekönner jedes Mal, wenn er das Teamtrikot seines Heimatlandes überstreift.

Während er bei den „Königlichen“ Woche für Woche seine Leistungen abruft und mit 40 Liga-Treffern in der vergangenen Saison den „Goldenen Schuh“ einheimste, „glänzt“ er bei Portgual durch Unauffälligkeit. Dabei ist das Nationalteam noch viel mehr auf ihn angewiesen.

Auch seine namhaften Kollegen Nani, Pepe und Raul Meireles treten, wenn es ums Eingemachte geht anders auf, als bei ihren Klubs.

Sollte Portugal tatsächlich an der Hürde Bosnien scheitern, müsste die EURO 2012 in der Ukraine und Polen ohne die oben genannten Hochkaräter auskommen.

Portugal wartete bisher vergeblich auf Titel

Ein Blick in die Geschichtsbücher offenbart, dass sich Portugal erst fünf Mal für eine Europameisterschaft qualifizieren konnte. Erstmals 1984, dann erst wieder ab 1996.

Seit dem Viertelfinal-Aus in England konnte man sich mit dem Semifinale 2000 und dem Finaleinzug 2004 stetig steigern. Statt des ersten Titels reicht es allerdings 2008 in Österreich und der Schweiz nur mehr für das Viertelfinale.

Bei Weltmeisterschaften hat die fußballerisch immer schon im Schatten Spaniens gestandene Nation noch mehr Aufholbedarf.

Nach einem dritten Platz 1966 folgten zwanzig Jahre Abwesenheit. Nach dem Vorrunden-Aus 1986 verpasste Portugal die Endrunden 1990, 1994 und 1998. 2002 scheiterte man in der Vorrunde, 2010 im Achtelfinale. 2006 konnte in Deutschland zumindest der vierte Platz bejubelt werden.

„Goldene Generation“ und ihre Nachfolger

Diese Erfolglosigkeit bei Großevents konnte selbst die vielgelobte „Goldene Generation“ nicht verhindern, der unter anderem Luis Figo, Vitor Baia, Sergio Conceicao, Rui Costa, Nuno Gomes oder Joao Pinto angehörten.

Nun liegt es an Ronaldo und Co., mit dem Nicht-Erreichen der EURO 2012 die Talfahrt nicht noch weiter fortzusetzen. Da hilft es auch nichts, Spiel für Spiel in Schönheit zu sterben. Nur mit einem Sieg darf Portugal für die Ukraine und Polen planen.

Doch Bosnien erweist sich als ernstzunehmender „Endgegner“. Dzeko und Co. sind seit sieben Spielen ungeschlagen und kassierten in diesen nur ein Elfmetertor. Darauf baut Trainer Safet Susic.

Portugal ist somit gewarnt. Denn Anspruch und Wirklichkeit liegen zur Zeit noch sehr weit auseinander.


Alexander Karper

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