Unter Ronaldos Führung zum ersten Titel?

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Portugal. Das ist Cristiano Ronaldo, danach kommt lange nichts.

Der Superstar von Real Madrid steht im Fokus der Medien, Fans und Gegner. Wo immer es um Portugal geht, geht es um den exzentrischen Kapitän.

Auf ihm lastet der Erwartungsdruck der Portugiesen, er soll das Team zum ersten Titel führen. Wenn es nicht läuft, steht er aber auch als Einziger in der Kritik.

Ronaldos Schatten ist lang

Es scheint, das gesamte Spiel der Portugiesen stehe und falle mit Ronaldo. Seine Mitspieler wirken durch die Dominanz des 27-Jährigen wie der Background-Chor eines Solo-Sängers.

Das dem nicht so ist, zeigte der 3:2-Sieg über Dänemark. „CR7“ lieferte eine schwache Leistung ab und legte eine Abschlussschwäche an den Tag, die man in der abgelaufenen Saison so nicht von ihm kannte. Der Sieg gelang den Portugiesen jedoch trotzdem.

Denn auch die Akteure hinter Cristiano Ronaldo sind keine fußballerischen „Nackerpatzerl“. Seine Real-Kollegen Pepe und Fabio Coentrao oder Nani von Manchester United stehen ebenso klar im Schatten von „CR7“ wie Raul Meireles, der mit Chelsea den Champions-League-Titel erringen konnte.

Titelloses Portugal

Womit wir auch schon beim heiklen Thema wären. Den Portugiesen fällt es nicht schwer Trophäen zu gewinnen, solange sie ihr jeweiliges Vereinstrikot überstreifen. Die Nationalmannschaft ist hingegen chronisch titellos.

Schon die goldene Generation um Luis Figo, Manuel Rui Costa und Nuno Gomes scheiterten an dem Traum, Portugal erstmals in die Siegerlisten der großen Fußballwelt einzutragen. Mehr als der zweimalige U20-Weltmeister-Titel war dieser Mannschaft nicht vergönnt.

Titel im Nachwuchs blieben bisher die einzigen, die der portugiesische Verband bejubeln durfte. Hier zeigte sich die „Selecao“ dafür sehr erfolgreich. Insgesamt konnte Portugal neun Turniere für sich entscheiden.

Die nächste Chance der "Selecao"

Diesmal soll der lang ersehnte Triumph bei einem großen Turnier endlich geschafft werden. Mit Tschechien hat man – aus portugiesischer Sicht - die vermeintlich leichteste Aufgabe im Viertelfinal-Tableau.

Immerhin sitzt das Griechenland-Trauma noch immer tief. Bei der Heim-EURO 2004 besiegten die Hellenen Portugal erst im Eröffnungsspiel und schließlich auch noch im Finale. Den doppelten Spielverderber kann man daher durchaus als Angstgegner bezeichnen.

Sollte die „Selecao“ die Hürde Tschechien meistern, würden Ronaldo und Co. im Halbfinale auf Frankreich bzw. Spanien treffen. Spätestens gegen eines der beiden Fußball-Schwergewichte müsste Portugal sein großes Potenzial voll ausschöpfen.

Einzelaktionen würden hier wohl nicht reichen, eine geschlossene Mannschaftsleistung müsste hinzukommen. Daran mangelte es Portugal in der Vergangenheit immer wieder.

Einzelkämpfer oder ein Team?

Auch diesmal wird über den Teamgeist der Portugiesen diskutiert. Coach Paulo Bento war nach dem Aufstieg seiner Truppe ins Viertelfinale in diesem Punkt sehr zufrieden:

"Ich bin stolz auf das, was wir hier als Team erreicht haben. Wir sind als Einheit aufgetreten. Unsere Teamleistung macht mich wirklich stolz."

Die Situation beim entscheidenden Treffer des eingewechselten Silvestre Varela zum 3:2-Sieg im zweiten Gruppenspiel gegenDänemark gab Grund daran zu zweifeln.

Während das restliche Team zum Jubeln zusammen kam, sank „CR7“ im Strafraum nieder und freute sich im Stillen über den Siegtreffer. Angesichts seiner vielen vergebenen Chancen fielen Ronaldo wohl gleich mehrere Steine vom Herzen.

Ronaldo der Leader

Seine unantastbaren und hervorragenden Leistungen machen den Star zum Führungsspieler. Wie es um seine Qualitäten als Leader und dem Umgang mit der Mannschaft bestellt sein mag, sei dahingestellt.

Wer weiß, ob es überhaupt dem Naturell von Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro entspricht, der große Anführer zu sein? Er, der als Junge von der Insel Madeira nach Lissabon ins Internat von Sporting zog, wegen seiner Herkunft und seines Dialekts verspottet wurde und mit starkem Heimweh zu kämpfen hatte.

Der einstige Außenseiter soll nun der Leader eines Teams voller Stars sein, obwohl er das womöglich gar nicht will.

Sollte Cristiano Ronaldo am 1. Juli jedoch den EM-Pokal in Händen halten, wären alle Diskussionen um den eigenwilligen Kapitän der „Selecao“ vergessen.  „CR7“ könnte sich auf Europas Thron sonnen und würde in Ewigkeit der Held des portugiesischen Fußballs sein.

 

Christoph Kristandl

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