Italien zollt Spanien Respekt

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Italien zollt Spanien nach EM-Finale Respekt

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Italiens unerwarteter Aufstieg vom Außenseiter zum Europameister in spe hat am Sonntagabend ein jähes Ende gefunden. Vom Titelverteidiger entzaubert, musste die Squadra nach einer 0:4-Packung am Sonntagabend in Kiew den jubelnden Spaniern Tribut zollen.

Nicht nur Trainer Cesare Prandelli zog nach der Partie den Hut vor der iberischen Übermacht - Vorwürfe an die Verlierer gab es auch vonseiten der italienischen Presse nicht.

Prandelli zollt Respekt

"Sie haben Geschichte geschrieben und das zurecht. Selbst ohne einen echten Stürmer haben sie uns große Probleme bereitet. Sie haben diesen Abend komplett für sich gestaltet. Uns bleibt nur, einer großen Mannschaft zu gratulieren", sagte Prandelli nach dem spanischen Triumph.

"Wenn Spanien so spielt, wie sie heute gespielt haben, dann kann man sie nicht schlagen", sagte Mittelfeldspieler Riccardo Montolivo. Und Kapitän und Torhüter Gianluigi Buffon deutete das Ergebnis als "logischen Konsequenz" der Chronologie dieses Finales.

Italien haderte nach der Partie nicht nur mit dem einen Tag weniger Regeneration, sondern auch mit den Verletzungen von Giorgio Chiellini und Thiago Motta.

Letzterer musste bereit wenige Minuten nach seiner Einwechslung wieder vom Platz. Da Italien bereits dreimal getauscht hatte, waren die Azzurri zu zehnt gegen die kombinationsstarken Spanier endgültig auf verlorenem Posten.

Pirlo weinte

Ausgerechnet jenes Team, das zuvor alle überrascht hatte mit seinem forschen und selbstsicheren Spiel, kassierte am Ende die höchste Niederlage, die es je in einem EM-Finale gab.

"Italien, das Ende eines Traums", schrieb der "Corriere dello Sport". Unsanfter als die Azzurri kann man aus einem Traum nicht aufwachen. So flossen nach Schlusspfiff Tränen.

Selbst Routinier Andrea Pirlo bemühte sich um Fassung. Als Italiens Spielmacher aber mitansehen musste, wie UEFA-Präsident Michel Platini den Spaniern den Pokal überreichte, fing selbst jener Mann an zu weinen, der sonst noch nicht einmal nach wichtigen Siegen wie im Halbfinale gegen Deutschland seine Emotionen zeigt. Der 33-Jährige war auch im Finale ein Spiegelbild des italienischen Teams.

Zu wenig Vorbereitungszeit

Zwar hatte der große Stratege die Überraschungsmannschaft mit seinen Ideen und präzisen Pässen überhaupt erst hineingeführt in dieses Spiel. Dort schleppte sich Pirlo dann aber wie alle anderen Italiener über den Platz.

"Einige von uns konnten gar nicht richtig laufen", meinte Chiellini. "Wir waren einfach nicht fit und nicht frisch", haderte auch Trainer Prandelli. "Wenn es etwas zu bedauern gibt, dann die Tatsache, dass wir nicht genug Zeit hatten, um uns auf dieses Endspiel vorzubereiten."

Balotelli versprach vier Tore

Einen bitteren Abend erlebte auch Italiens Mario Balotelli. Von Gerard Pique und Sergio Ramos hart in die Mangel genommen, rieb sich der exzentrische Stürmer in der Defensive der Spanier auf.

Spanien feiert den Titel-Hattrick in Kiew

Nach Schlusspfiff flüchtete er aufgebracht in die Kabine, dann saß er bei Spaniens Siegerehrung doch mit finsterer Miene auf dem Rasen. Wie ein Vater tröstete Cesare Prandelli seinen erst 21-jährigen EM-Star, der für seine im Stadion anwesenden Eltern vier Tore versprochen hatte.

Davon war Italien jedoch weit entfernt. Es hätte alles stimmen müssen für den vierfachen Weltmeister, um die schöne Geschichte, die sie in der Ukraine und in Polen geschrieben haben, zu einem Happy-End zu bringen.

Trotzdem haben die so brutal zu Ende gegangenen Wochen in Polen und der Ukraine dem italienischen Fußball wahrscheinlich mehr Sympathien eingebracht als jeder einzelne seiner WM-Titel.

Trotzdem Champions

Ein Team, das immer für seine Zerstörungskunst berüchtigt war, spielte auf einmal mutig. Und eine Mannschaft, die noch unmittelbar vor der EM in einen Manipulationsskandal verstrickt war, zeigte Fairplay.

"Wir fahren erhobenen Hauptes heim. Ihr seid trotzdem Champions", titelte deshalb "Tuttosport". Staatspräsident Giorgio Napolitano hatte die Mannschaft für Montag ohnedies völlig unabhängig vom Ausgang des Endspiels in den Quirinalpalast in Rom eingeladen.

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