Vier Redakteure - vier Mannschaften - vier Meinungen

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Egal wohin man blickt, egal wohin man hört – die EURO 2012 ist in aller Munde und Ohren. An Stammtischen, in Foren, am Arbeitsplatz, am Fußballplatz, an jedem erdenklichen Ort wird über das Kontinental-Turnier gesprochen.

So mancher musste schon mitansehen, wie sein Favorit die Segel strich (Frankreich), oder wie dem persönlichen Lieblingsteam nach all den Regeln der Kunst die Segel gestrichen wurden (Niederlande).

Das Teilnehmer-Feld hat sich auf vier Nationen reduziert. Spanien, Portugal, Deutschland und Italien kämpfen noch um die begehrte Trophäe.

Auch wir in der LAOLA1-Redaktion fiebern seit Anbeginn des Turniers mit und drücken den verschiedensten Teams aus verschiedensten Gründen die Daumen. Doch wer wird sich am Ende Europas Krone aufsetzen?

Vor dem Halbfinale halten vier Redakteure mit ihrer Affinität zu ihren Lieblingsmannschaften nicht mehr hinter dem Berg und erklären unverhohlen warum sich "ihr" Team zum Europameister küren wird.

"An der Spitze nichts Neues"

Ein Kommentar von Christian Eberle

Spanien ist Europameister, Spanien bleibt Europameister. So einfach ließe sich die Prognose auf den Punkt bringen. Entgegen der Schwarzmalerei von wegen Erfolgs-Appetitlosigkeit steht die "Seleccion" erneut im Halbfinale eines Großereignisses und damit nur noch zwei Schritte vor dem historischen Titel-Hattrick.

Manch einer vermisst spektakuläre Szenen und Tor-Festivals, will bei einer der stärksten Verteidigungsreihen der Welt Fehler erkennen oder wagt es gar, den Tiki-Taka-Fußball als langweilig und ineffizient abzustempeln - pero tranquilo! Ruhig!

Schon bei der WM 2010 schoss Spanien gerade einmal acht Tore in sieben Spielen auf dem Weg zum Titel, die mit dem Innenverteidiger-Duo Pique-Ramos neu formierte Defensive hat in vier EM-Spielen nur ein Tor zugelassen und das bekannte Kurzpass-Spiel auf engstem Raum wurde aufgrund der Mauer-Taktik der Gegner und dem Verzicht eines reinen Stürmers zu einem hochwertigerem Kurzpass-Spiel auf noch engerem Raum. Darüber hinaus macht "La Roja" den Eindruck, im Fall des Falles durchaus noch einen Gang zulegen zu können.

"Wir sind unser härtester Rivale", hatte Kapitän Casillas vor dem Turnier verlautbart und behält damit recht. Denn unter den verbleibenden Teams ist (noch) keiner auf dem Niveau seiner Elf.

 

"Die Zeit ist reif"

Ein Kommentar von Martin Wechtl

Deutschland ist dreifacher Welt- und Europameister, Italien sogar vierfacher Weltmeister und Europameister von 1968. Dazu Spanien als amtierender Welt- und Europameister. Bei den Portugiesen sucht man hingegen vergebens nach einem Triumph bei einem Großereignis. Dabei hätten sie es sich längst verdient. Seit 1996 hat die "Seleccao" bei Europameisterschaften zumindest  immer das Viertelfinale erreicht - kein anderer Halbfinalist kann solch eine Statistik aufweisen. Davon kann man sich zwar nichts kaufen, zeigt aber, wie gut in den letzten Jahren gearbeitet wurde.

Was Portugals „Goldener Generation“  verwehrt blieb, wird diesmal gelingen. Davon bin ich überzeugt. Die Iberer werden den EM-Titel holen. Nicht nur deshalb, weil sie mit Ronaldo den neben Lionel Messi wohl besten Fußballer der Gegenwart in ihren Reihen haben, sondern weil Portugal viel mehr zu bieten hat als nur den Superstar von Real Madrid: Abwehrchef Pepe gebührt das Prädikat Weltklasse, Fabio Coentrao gehört auf der linken Außenbahn zu den Besten seiner Zunft, im Mittelfeld tummeln sich die Strategen Raul Meireles und Joao Moutinho, als Flügelstürmer sorgt Nani für Angst und Schrecken.

Teamchef Paulo Bento hat dem Team darüber hinaus die nötige Disziplin eingehaucht. Wer bisher ihre Spiele in Polen und der Ukraine gesehen hat, wird die Transformation zu einer Turnier-Mannschaft mitbekommen haben. Wie sich das Team nach der Auftakt-Niederlage gegen die DFB-Elf  gesteigert hat, war schon beeindruckend. Und auch Ronaldo läuft gerade rechtzeitig zur Höchstform auf. Daher ist die Zeit reif für einen portugiesischen Turnier-Erfolg.

 

"Vorherrschaft der Spanier ist beendet"

Ein Kommentar von Sebastian Rauch

Deutschland wird Europameister. Wer daran zweifelt, hat die Deutschen im letzten Jahr nicht spielen gesehen. Die jüngste Mannschaft des Turniers verfügt gleichermaßen über Einzelkönner wie auch sogenannte Teamplayer. Spieler wie Özil, Khedira, Gomez, Hummels oder Badstuber haben in den letzten beiden Jahren einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung getan und sind durch ihre Leistungen zu Führungsspielern auf dem Platz avanciert. Bundestrainer Jogi Löw hat es geschafft aus vielen guten Fußballern eine Mannschaft zu formen, die nicht nur sportlich sondern auch menschlich harmoniert.

Der Zusammenhalt innerhalb des Teams passt, die jungen Spieler sind hungrig auf ihren ersten großen Titel. Über die spielerische Qualität muss ohnehin nicht diskutiert werden. Neben den Spaniern verfügen die Deutschen über den besten Kader bei diesem Turnier. Während Italien (Pirlo) und Portugal (Ronaldo) von einer Personalie abhängig sind, verteilt sich die Verantwortung der Deutschen auf mehreren Schultern.

Dass Jogi Löw mit seinem Umstellungen bisher immer ein gutes Händchen bewiesen hat, liegt weniger am feinen Näschen des Trainers, als vielmehr an der schier unerschöpflichen Tiefe des DFB-Kaders. Die alleinige Vorherrschaft der Spanier im Weltfußball endet mit diesem Turnier. Die Zukunft gehört dieser DFB-Mannschaft. Auch daran besteht kein Zweifel.

 


"Pirlo ist nur ein Grund"

Ein Kommentar von Harald Prantl

Rund 1.500 Zeichen soll ich schreiben, weshalb Italien Europameister wird. 1.500? Ich hatte da eher – inklusive des Ausrufezeichens – sechs im Sinn: Pirlo! Aber gut, abgesehen von der überragenden Form des spätestens seit seinem Elfer gegen England zweifellos abgebrühtesten Spielers der EURO 2012 gibt es freilich noch etliche weitere Gründe, warum die „Azzurri“ dafür sorgen werden, dass die drei anderen Teams ihr blaues Wunder erleben.

Fangen wir bei den Parallelen zum WM-Titel 2006 an: Ein ausgewachsener Serie-A-Skandal, der die Vorbereitung stört, ein verpatztes finales Testspiel und ein Ausrutscher am zweiten Spieltag der Endrunde. Nicht genug? Dann sprechen wir doch einfach von der taktischen Flexibilität. Trainer-Fuchs Cesare Prandelli hat während dieses Turniers schon bewiesen, dass er sein Team perfekt auf die jeweiligen Gegner einstellen kann.

Das reicht nicht? Wie wäre es mit dem Selbstvertrauen der Truppe? Acht aktuelle Meister stehen im Kader, diese Männer wissen, wie man Titel gewinnt – und nicht nur aus ihrer Erinnerung. Immer noch zu wenig? Kein Problem. Sieben dieser Meister spielen bei Juventus Turin, das ist also eine richtig eingespielte Truppe, die sich blind versteht. Noch mehr? Die Herren können nicht nur grandios verteidigen, wie so ziemlich jedes italienische Team, sondern auch noch richtig formidablen Offensivfußball spielen. 12,5 Schüsse auf das Tor pro Spiel geben sie ab, eineinhalb mehr als die ach so spektakulären Spanier. Und wem das der Argumente immer noch zu minder ist, dem sei nochmals gesagt: Pirlo!

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