"Niemand soll glauben, dass es ein Spaziergang wird"

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Spaniens Mission Titelverteidigung bei der Europameisterschaft führt am Samstag über eine bisher unüberwindbare Hürde.

Mit Frankreich wartet am Samstagabend (20.45 Uhr) in Donezk ein Mitfavorit, gegen den die Iberer noch immer auf den ersten Sieg in einem Pflichtspiel warten.

Beide Mannschaften boten zum Abschluss der Gruppenphase nicht unbedingt überzeugende Leistungen. Im Halbfinale würde auf den Gewinner Portugal warten.

Statistik spricht gegen Spanien

"Sie sind zweifelsohne der stärkste Gegner, auf den wir stoßen konnten", sagte der spanische Teamchef Vicente del Bosque vor dem ersten K.o.-Vergleich seit der WM 2006 in Deutschland.

Damals schossen Zinedine Zidane und Co. die Spanier mit einem souveränen 3:1 im Achtelfinale aus dem Turnier.

Die spanische Misere begann mit der Finalpleite bei der EM 1984 in Paris. In sechs Duellen setzte es für die Seleccion in Bewerbsspielen gleich fünf Niederlagen. Das einzige Remis (1:1) in der EM-Gruppe 1996 ist nicht viel mehr als statistische Kosmetik.

Kabinenstreit bei Frankreich

Trotz aller Hochachtung vor dem Angstgegner geht der Titelverteidiger voller Selbstbewusstsein und Zuversicht in die Partie.

Aktuell haben die "Roten" ("La Roja") die "Blauen" ("Les Bleus") in der Fußball-Hierarchie längst überflügelt. Für den in stärkster Besetzung antretenden Weltranglisten-Ersten spricht auch, dass man im Gegensatz zum Gegner eine vergleichsweise ruhige Vorbereitung auf das Match genießen konnte.

Im französischen Lager brodelte es nach dem 0:2 gegen Schweden gewaltig. Ein Kabinenstreit ließ Erinnerungen an die chaotische Vorstellung bei der WM 2010 in Südafrika wach werden. Auch wenn die Beteiligten bemüht waren, die Wogen zu glätten, scheint der Elan von zuvor 23 Spielen ohne Niederlage verflogen.

"Spanien oder Italien egal"

Der starke Gegner und die Ereignisse der letzten Tage haben zumindest dazu geführt, dass die von Fans und Medien aufgebaute Erwartungshaltung gesunken ist.

"Die Euphorie ist nicht mehr so groß wie vor ein paar Tagen", erkannte Teamchef Laurent Blanc. Klar scheint, dass die Partie gegen den wohl stärksten aller möglicher Kontrahenten zur Reifeprüfung für die "Equipe tricolore" wird.

Den Gegner starkreden wollten die Franzosen trotzdem nicht. "Ob Spanien oder Italien ist doch egal", sagte Verteidiger Gael Clichy. Und Ribery ergänzte: "Was kann besser sein, als einen Favoriten auszuschalten?"

Ausfall in Frankreichs Abwehr

Auch Blanc weiß, dass jenes Team, welches Europameister werden will, die Iberer früher oder später aus dem Weg räumen muss.

Innenverteidiger Philippe Mexes ist bei dieser Aufgabe gesperrt, für den Milan-Profi rückt Arsenals Laurent Koscielny in die Elf. Im Mittelfeld werden Yohan Cabaye, Alou Diarra und Yann M'Vila versuchen, die spanischen Ballstafetten unterbinden.

In der Offensive sollen es Jeremy Menez, Karim Benzema und Franck Ribery richten. Samir Nasri, dem Diarra zuletzt Lauffaulheit vorgeworfen hatte, wird wohl nur auf der Bank Platz nehmen.

Respekt vor Ribery und Benzema

Spaniens Del Bosque erwartet jedenfalls offensive Franzosen. "Sie werden versuchen, ihren Stil umzusetzen und die Initiative zu ergreifen", vermutete der Weltmeister-Trainer.

Seinem Team könnte dies entgegenkommen, tat sich der Champion gegen defensiv eingestellt Gegner wie beim mühsamen 1:0 gegen Kroatien bisher schwer.

Sorgen bereitet den spanischen Kommentatoren vor allem Ribery. Rechtsverteidiger Alvaro Arbeloa könnte gegen den Bayern-Flügelspieler überfordert sein, vermuten einige. Respekt nötigt auch Real-Torjäger Benzema ab, obwohl dieser bei der EM noch nicht getroffen hat.

"Kein Spaziergang"

Die Favoritenrolle anzunehmen war für die Iberer kein Problem. Angesichts einer Statistik von 16 Siegen und einem Remis in den vergangenen 17 Pflichtspielen bleibt dem Weltmeister auch keine andere Wahl.

Auf dem Weg zur Titelverteidigung ist Frankreich für Kapitän Casillas aber ein Gradmesser:

"Es soll bloß niemand glauben, dass es ein Spaziergang wird. Wir werden leiden."

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