Mourinho glaubt an EM-Titel

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"Mourinho sagte, wir können Europameister werden"

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Außenseiter Portugal will den übermächtigen Nachbarn Spanien im rein iberischen Duell überrumpeln. Im ersten Halbfinale der Fußball-EM am Mittwochabend in Donezk (LIVE-Ticker ab 20.45 Uhr) schicken sich Cristiano Ronaldo und Co an, den imposanten Lauf des Welt- und Europameisters zu beenden.

Überraschen können sich die beiden Kontrahenten sicher nicht: Von den 22 voraussichtlich einlaufenden Kickern stehen sieben bei Real Madrid und fünf beim FC Barcelona unter Vertrag.

Keine Sonderbewachung für Ronaldo

"Wir kennen sie bestens, sie kennen uns bestens", meinte Spaniens Xabi Alonso vor dem Aufeinandertreffen. Höchsten Respekt hat der regierende Champion natürlich vor Ronaldo. Schließlich kennen sie den dynamischen, dribbelstarken und torgefährlichen Real-Torjäger in- und auswendig.

"Wir werden ihm besondere Aufmerksamkeit widmen", sagte auch Spaniens Trainer Vicente del Bosque. Eine Sonderbewachung wird es für den im Turnierverlauf bisher dreimal erfolgreichen Flügelstürmer aber nicht geben.

Ohnedies vertraut Spanien auf die eigenen Stärken und eine Erfolgsbilanz, die sich eindrucksvoll liest. Mit dem 2:0 gegen Frankreich baute "La Roja" die Serie auf 18 Pflichtspiele ohne Niederlage aus, 17 davon wurden gewonnen.

Bekommt Portugal eine kalte Dusche?

Torsperre in K.o.-Spielen

In diesen 18 Partien ließ der Titelverteidiger gerade einmal acht Gegentore zu. Seit dem 1:3 im WM-Achtelfinale 2006 gegen Frankreich hat Spanien darüber hinaus in acht K.o.-Spielen der folgenden Großturniere kein einziges Gegentor mehr kassiert.

Dass dabei fünfmal 1:0-Erfolge zu Buche stehen, ließ auch Kritik aufkommen. Nicht offensive Brillanz oder überragende Einzelaktionen ebneten den ohne gelernten Mittelstürmer auftretenden Iberern zuletzt gegen Frankreich den Weg zum Sieg, sondern defensive Solidität und Effizienz im Abschluss.

Von langweiligen Spaniern und "Tiki-Takanaccio" berichteten darauf internationale Medien. "Das ist ihre Meinung, die man akzeptieren muss. Aber ich denke nicht, dass wir unseren Ansatz verändern müssen", erklärte Real-Profi Alonso.

Hugo Almeida ersetzt Postiga

Portugal flößt dem Weltranglisten-Ersten in erster Linie durch seine Flügelzange Ronaldo und Nani Respekt ein. Allein "CR7" sollte Spaniens Defensive mehr Mühe bereiten als das gesamte französische Team.

In Abwesenheit des verletzten Helder Postiga soll Hugo Almeida Platz schaffen. Kritiker meinen jedoch, dass sich der Stil des technisch limitierten Besiktas-Stürmers aber nicht mit der Spielkunst seiner Nebenleute verträgt.

Für Ronaldo ist es der vorläufige Höhepunkt des EM-Hypes um seine Person. 29 Torschüsse hat der 27-Jährige im Turnierverlauf bisher abgegeben - so viele wie kein anderer Akteur.

"Wir werden uns nicht anders vorbereiten, als sonst auch. Es wird ein harter Kampf, in dem Portugal sein Bestes geben muss", erklärte Ronaldo.

Spanien ist in K.o.-Spielen eine Macht

Ronaldo sieht keinen Druck

Der Mann von Madeira war sich der Erwartungshaltung in seine Person bewusst: "Solche Spiele sind Teil meines Lebens. Ich erlebe es nun bereits seit zehn Jahren und habe mich daran gewöhnt: Verantwortung ja, Druck nein."

Die direkte Bilanz in den bisherigen 34 Aufeinandertreffen spricht bei 16 Siegen für Spanien und nur sechs für Portugal für die Roten. Von den jüngsten zwölf Partien gewann Portugal jedoch vier, so auch das bisher letzte Duell in einem Freundschaftsspiel im November 2010 in Lissabon mit 4:0.

Spanien hatte sich einige Monate zuvor im WM-Achtelfinale in Kapstadt 1:0 durchgesetzt. Ronaldo blieb damals blass, Spaniens Goldtor durch den nun verletzt fehlenden David Villa fiel nach einer vom Referee nicht geahndeten Abseitsstellung.

Mourinho drückt die Daumen

Auch deshalb war in portugiesischen Medien dieser Tage oft von Revanche die Rede. Ein Erfolg gegen den Nachbarn wäre für Portugal doppelt viel wert. Auf die Spanier ist man dort nämlich nicht gut zu sprechen, sie gelten als überheblich. Die David-Goliath-Rivalität ist groß.

Portugal gibt auch ein auf der Tribüne sitzender Jose Mourinho Mut. Dem Real-Trainer und Teamchef Paulo Bento wird nicht unbedingt ein inniges Verhältnis nachgesagt, da Mourinho häufig erklärt hat, eines Tages Nationaltrainer werden zu wollen.

Außerdem steht er in der Gunst seiner Landsleute höher als der aktuelle Coach der "Seleccao". Statt mit Bento telefoniert Mourinho oft mit Pepe. Die Empfehlung seines Clubtrainers machte dem Verteidiger Mut: "Jose Mourinho hat mir gesagt, dass wir Europameister werden können."


Portugal - Spanien
(20.45 Uhr, Donezk, Donbass-Arena, SR Cüneyt Cakir/TUR)

Portugal:

12 Patricio - 21 Pereira, 2 Alves, 3 Pepe, 5 Coentrao - 16 Meireles, 4 Veloso, 8 Moutinho - 17 Nani, 9 Almeida, 7 Ronaldo

Ersatz: 1 Eduardo, 22 Beto - 13 Costa, 14 Rolando, 19 Lopes, 15 Micael, 6 Custodio, 20 Viana, 11 Oliveira, 10 Quaresma, 18 Varela

Es fehlt: 23 Postiga (Muskelzerrung im Oberschenkel)

Spanien:

1 Casillas - 17 Arbeloa, 3 Pique, 15 Ramos, 18 Alba - 16 Busquets, 14 Alonso - 21 Silva, 8 Xavi, 6 Iniesta - 10 Fabregas

Ersatz: 12 Valdes, 23 Reina - 2 Albiol, 5 Juanfran, 4 Martinez, 13 Mata, 20 Cazorla, 22 Navas, 7 Pedro, 9 Torres, 11 Negredo, 19
Llorente


Der Weg ins Halbfinale:

Spanien Sieger der Gruppe C: 7 Punkte - 2 Siege, 1 Remis, 6:1 Tore -
Achtelfinale: 2:0 gegen Frankreich

Portugal Zweiter der Gruppe B: 6 Punkte - 2 Siege, 1 Niederlage, 5:4
Tore - Achtelfinale: 1:0 gegen Tschechien

Gesamtbilanz: 34 Spiele - 6 Siege Portugal, 12 Remis, 16 Siege Spanien

Bisher letztes Duell am 17. November 2010: 4:0 für Portugal in Lissabon

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