Sergio Ramos - die "kaltblütige" Witzfigur

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Eine Oma und Sergio Ramos stehen vor der Himmelspforte.

Petrus fragt die Oma: “Was möchtest Du, meine Tochter?”

“Oh, lieber Petrus. Ich war Zeit meines Lebens fromm und habe immer die Gebote befolgt. Lass mich bitte eintreten!”

Petrus lässt die Oma durch das Tor schreiten. Dann dreht er sich zu Ramos um.

“Und was ist dein Begehr, mein Sohn?”

“Ich möchte nur den Ball holen!”

Witze wie diese kursierten nach Ramos‘ vergebenen Versuch im Elfmeterschießen im Champions-League-Halbfinale zwischen Real Madrid und Bayern München zu Hauf.

Im Duell mit Manuel Neuer hatte der Verteidiger die Nerven nicht behalten und den Ball mehr als deutlich über die Latte – und wie manch einer behauptet auch über das Stadion – geschossen.

Von der Witzfigur zum Helden

Spätestens seit Mittwochabend hat sich der spanische Teamspieler seines Spotts entledigt.

"Ich habe nie Probleme gehabt, den Druck auszuhalten, sei es mit meinem Verein oder der 'Seleccion'. Ich übe das Elfmeterschießen in beinahe jedem Training. Wenn es einen Strafstoß gibt, schieße ich ihn ohne Probleme“, hatte der 26-Jährige schon im Trainingslager zur EURO im vorarlbergischen Schruns verkündet.

Im Halbfinale gegen Portugal ließ er diesen Worten Taten folgen. Beim Stand von 2:2 tritt Ramos als siebenter Schütze an und bringt Spanien in Führung, kurz danach steht sein Team im Finale.

Vor allem die Art und Weise des Penaltys ist beeindruckend für einen Spieler, der aufgrund der Vorgeschichte unter besonderer Beobachtung stand: Im Stile von Andrea Pirlo – wenn auch nicht ganz so elegant – verlädt er Torhüter Rui Patricio und chippt den Ball zentral ins Netz.

Die Lust am Schießen

Angst vor dem Versagen kannte der langjährige Langhaarträger, der seit kurzem mit schnittiger Sommerfrisur auftritt, nicht, ganz im Gegenteil:

„Ich hatte Lust zu schießen, seitdem das mit meiner Mannschaft im Semifinale der Champions League passiert ist. Ich hatte immer das Selbstvertrauen.“

Bei den Fans und auch seinen Teamkollegen hat sich Ramos zumindest einiges an Respekt verschafft.

„Man muss schon viel Schneid besitzen, um zu machen, was er gemacht hat“, lobt Kapitän Iker Casillas und attestiert seinem Klubkollegen „Männlichkeit, Mut und Kaltblütigkeit.“

Außenverteidiger Jordi Alba weiß, dass „er mit diesem Penalty viele Münder geschlossen hat.“

Eines davon gehört Deutschlands Manuel Neuer, der nach dem Champions-League-Finale großspurig betonte, er habe nicht gewusst, dass Ramos gerne übers Tor schießt.

Tut er auch nicht. Und im Finale gibt es möglicherweise die Chance, dem DFB-Keeper das auch direkt zu beweisen.


Christian Eberle

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