Fabregas' Gefühl, Ronaldos Leid

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Ronaldo: "Es sollten alle Portugiesen stolz sein"

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Da stand er nahe dem Mittelkreis und stammelte mit gefletschter Zunge nur so vor sich hin.

Der portugiesischen Sprache mächtige Menschen erkannten das Wort „ungerecht“ auf seinen Lippen. Wieder einmal war der Traum von Superstar Cristiano Ronaldo zerplatzt.

Portugal unterlag Spanien im Halbfinale der Europameisterschaft in Donezk nach torlosen 120 Minuten im Elfmeterschießen 2:4.

Während Ronaldo und Co. weiter auf den ersten Titel bei einem großen Turnier warten müssen, steht die aktuelle Mannschaft des Jahrtausends in ihrem dritten Finale hintereinander.

„Es ist ein Wunder“

Nach dem EM-Sieg in Wien 2008 und dem WM-Triumph von Johannesburg 2010 hofft Spanien, am Sonntag in Kiew als erstes Team den EM-Titel zu verteidigen und mit dem  dritten Turnier-Erfolg en suite Geschichte zu schreiben. Die letzte Hürde heißt entweder Deutschland oder Italien.

Im Semifinale hatten die Spanier letztlich das Glück auf ihrer Seite. Nachdem Alonso und Moutinho jeweils ihren ersten Elfmeter vergaben, sprang der Ball von Bruno Alves von der Latte zurück ins Feld.

Spaniens finaler Schütze Cesc Fabgegas, der schon beim Penaltyschießn im EM-Viertelfinale 2008 in Wien gegen Italien den Sieg sicherte, traf die Stange, doch das Leder drehte sich ins Tor. Eine Millimeter-Entscheidung.

Fabregas ahnte es

„Es ist ein Wunder, wieder im Finale zu stehen“, jubelte der Barcelona-Star nach den aufreibenden 120 und mehr Minuten.

Kurios: Fabregas war eigentlich von del Bosque als zweiter Schütze bestimmt worden, doch der Joker lehnte ab: "Ich habe gesagt: Nein, ich will den letzten. Das Leben hat mir eine weitere Chance gegeben, und das ist unglaublich", erzählte Fabregas, der schon am Nachmittag an ein Elfmeterschießen glaubte.

"Ich habe zum Ball gesagt, dass wir Geschichte schreiben müssen, und er hat mich nicht im Stich gelassen."

Der Jubel bei Fabregas und Co. danach zeigte, die Superstars sind weit weg von Erfolgsmüdigkeit.

Das gilt freilich auch für Sergio Ramos, der seinen Elfmeter ähnlich wie Italiens Andrea Pirlo im Viertelfinale gegen England in die Mitte schnibbelte.

Keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, dass der Real-Star das Leder vor wenigen Wochen im UCL-Halbfinale noch gen Mond jagte.

Ramos machte es besser

„Del Bosque (Spanien-Trainer, Anm.) weiß, dass ich ein wenig verrückt bin“, so der Verteidiger, der seinem Captain Iker Casillas einmal mehr das Zeugnis des „besten Goalies der Welt“ bescheinigte.

Ramos zeigte sich aber wenige Minuten nach der Partie schon wieder fokussiert: „Es gilt fortzufahren, um Geschichte zu schreiben. Wir wollen in Kiew unseren Job beenden.“

Gegen Portugal haben die Spanier ihren Job gemacht, doch im Gegensatz zum WM-Achtelfinale vor zwei Jahren war der Gegner einer, der in der regulären Spielzeit auf Augenhöhe mitspielte.

Vicente del Bosque war dennoch zufrieden. „Meine Spieler haben Außergewöhnliches geleistet. In der Verlängerung hatten wir vielleicht etwas mehr vom Spiel, davor war es ausgeglichen. Es war ein kontrolliertes, aber vielleicht etwas langsames Spiel. Letztlich sind wir sehr glücklich.“

Von diesem Satz könnten die Portugiesen nicht (kilometer)weiter entfernt sein. Trotz sehr guter Leistung blieb ihnen ihr zweites EM-Finale nach 2004 verwehrt.

„Ich denke, wir waren in der regulären Spielzeit die bessere Mannschaft, haben unsere Chancen aber nicht genutzt“, trauerte Trainer Paulo Bento der Entscheidung nach 90 Minuten nach.

Ronaldo: „Alle sollten stolz sein“

„Es ist nicht leicht, wenn man weiß, man hat alles getan“, blickte Nani ins Leere. Noch mehr ins Narrenkast’l schaute aber Ronaldo, der als letzter Schütze nicht mehr zum Elfmeter ran durfte.

Seine Schusschancen, zwei Freistöße aus guter Distanz und kurz vor Ende der regulären Partie eine Möglichkeit im Konter, hatte der dreifache EM-Torschütze zuvor schon vernebelt.

Nichtsdestoweniger zeigte sich der Superstar als fairer Verlierer: „Elfmeterschießen ist ein Lotteriespiel, Spanien war im Glück und ich gratuliere ihnen.“

Der Kapitän der Portugiesen klopfte nach dem großen Kampf um den Einzug ins Endspiel auf die Schulter seiner Mannschaft: „Das Spiel war sehr ausgeglichen, es sollten alle Portugiesen stolz sein, was wir geleistet haben. Wir verlassen das Turnier erhobenen Hauptes.“

"Sie sind die Besten"

Spanien bleibt im Turnier und hat nur noch eine Partie, in der sich die Welt- und Europameister mit einem Sieg unsterblich machen können. Im Gegensatz zum  klaren 3:0-Sieg im Semifinale gegen Russland vor vier Jahren war es für die „Furia Roja“ aber gegen Portugal deutlich mehr Arbeit.

Für den verletzten Star-Spieler David Villa ist dennoch klar: „Sie sind die Besten. Sie haben es sich verdient.“

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